VfB Stuttgart

Wie es nach dem großen Stühlerücken weitergeht und wie sich die Machtverhältnisse beim VfB Stuttgart verändern werden

Geschäftsstelle VfB Stuttgart, VfB, Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

In den vergangenen Tagen wäre wohl eine Art „Rücktritts-Ticker“ die passendste journalistische Darstellungsform für die Ereignisse rund um den VfB Stuttgart gewesen. Insgesamt acht Personen aus diversen Gremien von AG und e.V. haben sich seit Samstag (13.02.) zurückgezogen bzw. wurden abberufen oder lassen ihr Amt ruhen. Wie geht es jetzt weiter? Welche Posten müssen neu besetzt werden? Und wie werden sich die Machtverhältnisse an der Mercedesstraße durch das große Stühlerücken verändern? Die unübersichtliche Lage in Bad Cannstatt im Überblick:   

Wie ist die aktuelle Besetzung der Gremien von AG und e.V.?

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  • Vorstand: Thomas Hitzlsperger (Vorstandsvorsitzender und Sportvorstand) - zuletzt ausgeschieden: Stefan Heim (Finanzen), Jochen Röttgermann (Marketing)
  • Präsidium: Claus Vogt (Präsident) - zuletzt ausgeschieden: Rainer Mutschler, Bernd Gaiser
  • Aufsichtsrat: Wilfried Porth (stellv. Vorsitzender), Hartmut Jenner, Rainer Adrion, Claus Vogt (Vorsitzender), Franz Reiner, Bertram Sugg - zuletzt ausgeschieden: Bernd Gaiser, Hermann Ohlicher
  • Vereinsbeirat: Rainer Weninger (Vorsitzender), Andre Bühler (stellv. Vorsitzender), Marc Nicolas Schlecht, Hubert Mörk, Christof Seeger, Wolf-Dietrich Erhard - zuletzt ausgeschieden: James Bührer, Claudia Maintok

Wie werden die freigewordenen Posten nachbesetzt?

Vorstand: Thomas Hitzlsperger hat sich am Montag (15.02.) erstmals mit der von ihm ins Leben gerufenen Steuerungsgruppe ausgetauscht. Bis der Aufsichtsrat unter der Leitung von Präsident Claus Vogt über eine Nachfolge im Vorstand entschieden hat, wird der Ex-Profi gemeinsam mit Führungskräften aus verschiedenen Bereichen die Geschäftsfähigkeit der AG gewährleisten. Die freigewordenen Vorstandsposten sollen zügig neu besetzt werden. So geistert mit Alexander Wehrle, aktuell Geschäftsführer des 1. FC Köln, gerüchteweise schon ein erster Name um das rote Clubhaus. Auf die Gerüchte aus seiner schwäbischen Heimat angesprochen, sagte Wehrle dem Kölner Express: „Ich habe beim FC Vertrag bis 2023. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Präsidium: Da das oberste Gremium des e.V. laut Satzung aus mindestens zwei Personen bestehen muss und nach den Rücktritten von Bernd Gaiser und Rainer Mutschler nur noch aus Präsident Vogt besteht, muss der Vereinsbeirat den Posten aus dem Verein heraus vorübergehend nachbesetzen. Beiratsmitglied Marc Nicolai Schlecht, so ist zu hören, gilt hier als ein heißer Kandidat. Zudem ist „unverzüglich“ eine Mitgliederversammlung einzuberufen, auf der die beiden freigewordenen Plätze nachgewählt werden. Als Bewerber mit guten Karten gilt derweil auch der ehemalige Präsidentschaftskandidat Christian Riethmüller. Unlängst hatte der Chef der Tübinger Buchhandelskette Osiander gesagt: „Unter einem Präsidenten Claus Vogt kandidiere ich im Herbst gerne für das Präsidium bei unserem VfB.“

Aufsichtsrat: Das Kontrollgremium besteht aus bis zu neun Personen, derzeit umfasst es sechs Mitglieder. Die Hauptversammlung der ausgegliederten VfB Stuttgart 1893 AG ist für die Besetzung zuständig. Sie wiederum besteht aus den Anteilseignern der VfB-AG, also aktuell dem VfB Stuttgart e.V. und der Daimler AG. Die Hauptversammlung bestellt bis zu sieben Aufsichtsräte. Für zwei Sitze im Gremium besitzt der e.V. ein sogenanntes Entsenderecht. Ein nachzuwählendes Präsidiumsmitglied wird also ebenso wie der am Mittwoch zurückgetretene Bernd Gaiser im Aufsichtsrat sitzen. Ein weiterer Platz war bislang für einen möglichen zweiten Investor freigehalten worden. Innerhalb des Aufsichtsrates gibt es noch den sogenannten Präsidialausschuss. Ihm gehörten zuletzt Claus Vogt, Rainer Adrion und Wilfried Porth an. An seiner Besetzung dürfte sich zumindest vorläufig nichts ändern.

Vereinsbeirat: Laut Satzung muss der Vereinsbeirat aus mindestens vier Personen bestehen. Aktuell sind fünf von neun Positionen besetzt, das Gremium unter der neuen Leitung von Rainer Weninger also weiter handlungs- und beschlussfähig. Über die Nachfolge von Dieter Göggel, der bereits im Oktober zurückgetreten war, sollte bei der Mitgliederversammlung 2020 entschieden und die anderen Plätze sollten erst später besetzt werden. Da nun aber die Mitgliederversammlung 2020 und die von 2021 zu einer MV zusammengelegt werden sollen, wird bei der „Super-MV“  im Sommer dieses Jahres der komplette Beirat neu gewählt. Hintergrund: Die Amtszeit der verbliebenen Mitglieder von vier Jahren läuft aus.

Wie geht es jetzt weiter?

Mitgliederversammlung: Nach Informationen unserer Redaktion wird die MV ein weiteres Mal verschoben. Und zwar vom 28. März in die Sommermonate. Claus Vogt peilt ein Datum im Juni oder Juli an und will die ordentlichen Versammlungen von 2020 und 2021 zu einer zusammenlegen. Die offizielle Verkündung steht noch aus. Durch den neuen Termin und die zahlreichen freigewordenen Posten werden auch die jeweiligen Bewerbungsprozesse - unter anderem für die Präsidentenwahl - neu geöffnet. Die Mitglieder sollten für die noch zeitgenau zu terminierende Mammut-Veranstaltung in jedem Fall genügend Zeit und Sitzfleisch mitbringen.

Daten-Affäre: Zuletzt hatten die Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler eine zeitnahe Veröffentlichung des Esescon-Abschlussberichts zur Daten-Affäre blockiert. Claus Vogt hatte den Mitgliedern allerdings von Beginn an eine transparente und lückenlose Aufklärung des Skandals versprochen. Da nun - zumindest was den e.V. betrifft - alle juristischen Gutachten vorliegen und Vogts Widersacher das Handtuch geworfen haben, könnte auch in diese Thematik noch einmal frischer Schwung kommen. Weiter dürften in den kommenden Tagen weitere personelle Konsequenzen folgen, da noch andere VfB-Angestellte mutmaßlich an der Daten-Affäre beteiligt waren.

Machtverhältnisse: Die Rücktritte, Amtsniederlegungen und Abberufungen der vergangenen Tage werden das Machtgefüge an der Mercedesstraße grundlegend verändern. Claus Vogt darf sich als großer Sieger des Machtkampfes mit den alten Seilschaften fühlen, Vorstandschef Thomas Hitzlsperger steht nach dem gescheiterten Putschversuch gegen den amtierenden Präsidenten unter kritischer Beobachtung durch Mitarbeiter, Mitglieder und Öffentlichkeit. Ein CEO auf Bewährung sozusagen. Dennoch müssen die beiden verbliebenen Führungskräfte nun gemeinsam die Weichen für die Zukunft stellen. Und dabei Schritt für Schritt das verloren gegangene Vertrauen der Basis wieder zurückgewinnen.

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