Schorndorf

Schon drei Verkehrstote in diesem Jahr

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Bei einem schweren Verkehrsunfall am Sonntagnachmittag auf der B29 bei Winterbach ist ein Mensch gestorben. © Schneider / ZVW

Winterbach/Lorch. An zwei Sonntagen hintereinander ist es auf der B 29 zu tödlichen Unfällen gekommen. Diesen Sonntag saß ein 81-Jähriger am Steuer. Sein 80-jähriger Mitfahrer starb. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist unklar. Nun sucht die Polizei Zeugen.

Fünf Menschen haben bei dem Unfall am Sonntagnachmittag auf der B 29, Anschlussstelle Winterbach, schwere Verletzungen erlitten. Der 81-jährige Fahrer eines grauen Ford C-Max (WN-Kennzeichen) war gegen 17.15 Uhr auf Höhe Winterbach, Fahrtrichtung Stuttgart, mit seinem Wagen zunächst in die Mittelleitplanke gefahren und dann gegen einen rechts neben ihm fahrenden VW gestoßen. Beide Autos gerieten rechts in die Leitplanke und rissen dort einige Meter der Stahlschutzplanke aus ihrer Verankerung. Ein Leitplankenteil bohrte sich seitlich in den Ford und verletzte den 80-Jährigen tödlich. Zwei 63 und 83 Jahre alte Mitfahrerinnen im Ford, der 32-jährige Fahrer des VW und sein 23 Jahre alter Beifahrer wurden schwer verletzt.

Weshalb der 81-Jährige seinen Wagen in die Leitplanke gesteuert hat, ist laut Polizei „nicht ersichtlich“. Der Mann sei nicht alkoholisiert gewesen, von Gesundheitsproblemen sei nichts bekannt, sagt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier.

Die Polizei hat bereits mit einigen Zeugen gesprochen. Deren Angaben zufolge hatte wohl der Ford-Fahrer den VW überholt, als es zum Unfall kam. Zudem hat wohl der VW-Fahrer vorher schon vor dem Ford überholt und ist danach wieder nach rechts eingeschert. Beim VW handelte es sich um einen weißen Scirocco mit BK-Kennzeichen. Hinweise nimmt das Verkehrskommissariat in Aalen entgegen, Telefon 07904/ 94260.

Beide Male saßen Senioren am Steuer

Nach tödlichen Unfällen überprüfen Verkehrsexperten der Polizei zusammen mit Behörden immer die Straßenverhältnisse am Unfallort. Rudolf Biehlmaier bezeichnet den Abschnitt der B 29, auf dem sich der folgenschwere Unfall am Sonntag ereignet hat, als „unauffällige Stelle“. Er geht nicht davon aus, dass beispielsweise eine strengere Geschwindigkeitsbegrenzung einen Nutzen hätte. Es gilt nun zu klären, ob etwa ein Fahrfehler, eine Unkonzentriertheit oder was auch immer Ursache für den tödlichen Unfall war.

Zwei tödliche Unfälle auf der B 29 innerhalb einer Woche, und beide Male saßen Senioren am Steuer – das muss nichts heißen. Aus zwei Fällen generelle Rückschlüsse auf die Fahrtüchtigkeit Älterer zu ziehen, wäre fahrlässig.

Geringe Fahrpraxis und Probleme bei der Orientierung hatte die Polizei allerdings vergangene Woche als Gründe genannt für die Geisterfahrt einer 72-Jährigen auf der B 29 bei Lorch. Am Verteiler Lorch-Ost war die Frau in falscher Richtung auf die Bundesstraße gefahren. Ihr Wagen stieß frontal mit dem Daimler eines 20-Jährigen zusammen. Beide Menschen starben.

An fast derselben Stelle war schon einmal eine Geisterfahrerin unterwegs. Am Pfingstsamstag im Jahr 2015 kollidierte der Wagen einer 86-jährigen Falschfahrerin frontal mit dem Auto eines 22-Jährigen. Auch hier starben beide Beteiligte.

Ein Blick ins Zeitungsarchiv lässt die B 29 – freilich nicht statistisch abgesichert – in Teilen als besonders unfallträchtig erscheinen: Nur ein paar Beispiele:

Im Juni 2014 sind bei einem Unfall auf der B 29 bei Lorch-Waldhausen zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein 40-Tonner war einem PKW ins Heck gefahren, der auf der Pannenspur angehalten hatte. Der 21-jährige Fahrer des Hyundai und sein 41-jähriger Mitfahrer erlitten tödliche Verletzungen. Ein Rettungshubschrauber brachte damals einen weiteren Mitfahrer, einen 29-Jährigen, in eine Klinik.

Glimpflich abgegangen ist ein Unfall, der sich am 9. Januar dieses Jahres ebenfalls auf der B 29 ereignet hat. Eine 20-Jährige war mit ihrem Suzuki in Richtung Aalen unterwegs gewesen, als sie auf Höhe der Anschlussstelle Schorndorf/Rudersberg nach rechts von der Fahrbahn abkam und mit ihrem Wagen gegen die Schutzplanken prallte.

Mitte Dezember 2016 sind zwei Autos bei Winterbach zusammengekracht, als eine Dacia-Fahrerin in Richtung Stuttgart auf die B 29 einfahren wollte. Ebenfalls Mitte Dezember hat sich auf der B 29 eine 22-Jährige bei Endersbach mit ihrem Auto überschlagen, nachdem sie die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren hatte.

Subjektiven Eindrücken verschiedener Beobachter zufolge wird auf der B 29 auffallend oft gerast. Knapp zwei Wochen ist es her, als ein Mercedes-Fahrer auf der B 29 mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet hat. Nur durch heftiges Abbremsen konnten mehrere Autofahrer einen Unfall verhindern. Einen traurigen Rekord stellte vor einiger Zeit ein Fahrer auf, der auf der B 29 mit 207 Stundenkilometern unterwegs war.

Häufige Ursache: Zu hohe Geschwindigkeit

Im Jahr 2015 sind im Rems-Murr-Kreis fünf Menschen bei fünf Unfällen gestorben. Im Jahr davor zählte die Polizei neun Verkehrstote im Rems-Murr-Kreis. Laut der Statistik der Polizei fürs Jahr 2015 war bei 42 Prozent der Unfälle mit Personenschaden zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Bei 63 Prozent der tödlichen Unfälle war es ebenfalls zu hohe Geschwindigkeit, die zum Unfall führte. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Aalen, zu dem die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall gehören.

In 22 Prozent kam es wegen Abstandsfehlern zum Unfall, in 19 Prozent der Fälle haben Vorfahrtsverstöße zum Unfall geführt.

Auf alle Unfälle bezogen, liegt ebenfalls zu hohe Geschwindigkeit ganz vorn bei den Unfallursachen. In 19 Prozent der Fälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Aalen hat dies zu Unfällen geführt. Weitere häufige Unfallursachen sind laut Polizei: Abstand (20 Prozent), Vorfahrt (18 Prozent), Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (33 Prozent). Die Ursachen Überholen (vier Prozent) und Verkehrstüchtigkeit (fünf Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle.