Schorndorf

Unfälle durch Falschfahrer - Pilotprojekt soll vorbeugen

Geisterfahrerin
Im Mai 2015 starben zwei Menschen auf der B 29, nachdem eine Seniorin in Lorch-Ost falsch auf die Bundesstraße eingebogen war. © Habermann / ZVW

Schorndorf/Lorch. Zwei tödliche Unfälle mit Falschfahrern an der B-29-Ausfahrt Lorch-Ost haben die beiden Schorndorfer Landtagsabgeordneten Claus Paal und Petra Häffner (Grüne) erschüttert. Sie regten bei Verkehrsminister Winfried Hermann ein Pilotprojekt zur Verkehrssicherheit an. Testweise sollen dort jetzt Falschfahrer im wahrsten Sinne des Wortes aufgerüttelt werden.

Am 15. Juli wird Minister Hermann das Pilotprojekt zur Falschfahrer-Prävention vorstellen. „Es wird dabei um eine Kombination aus einer Rüttelmarkierung und einer Falschfahrerwarntafel an der Anschlussstelle Lorch/Ost an der Bundesstraße B 29 gehen“, teilen die beiden Abgeordneten mit.

Eine Erfindung der sächsischen Polizei

„Dadurch werden falsch fahrende Verkehrsteilnehmer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht“, so Claus Paal und Petra Häffner. „Die Rüttelmarkierung ist eine Erfindung eines sächsischen Polizisten und wird von den Behörden am 15. Juli ausführlich vorgestellt.“

„Wir freuen uns sehr, dass das Verkehrsministerium unser dringendes Anliegen - die Verkehrssicherheit auf der B 29 durch präventive Maßnahmen zu verbessern - aufgegriffen hat“, sagten die Abgeordneten Claus Paal (CDU) und Petra Häffner (Grüne). Gemeinsam hatten sich die Remstal-Abgeordneten an Verkehrsminister Winfried Herman gewandt.

Die Auffahrt Lorch-Ost: ein neuralgischer Punkt

Beiden Abgeordneten war es wichtig, dass die Situation an den Zufahrten der Bundesstraße verbessert wird. „Ziel muss es sein, dass Menschen rechtzeitig daran gehindert werden, die falsche Auffahrt zu nehmen und zu sogenannten Geisterfahrern werden.“

Zufall? Auf der Bundesstraße 29 sind häufig Falschfahrer unterwegs. Mehrere Menschen sind innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit wegen Geisterfahrten gestorben. Ein neuralgischer Punkt war die Auffahrt Lorch-Ost. Der jüngste Fall ereignete sich am 15. Januar in Lorch: Eine 72-Jährige fuhr an der Anschlussstelle Lorch-Ost in falscher Richtung auf die im Volksmund „Remstalautobahn“ genannte Straße. Beim Frontalzusammenstoß ihres Autos mit dem Daimler eines 20-Jährigen kamen sowohl der junge Mann als auch die Geisterfahrerin ums Leben.

Beschilderung und Fahrbahnmarkierung seien regelkonform

Ebenfalls eine Seniorin hatte im Mai 2015 auf demselben Abschnitt der B 29 einen tödlichen Unfall verursacht. Die 86-jährige Frau war zunächst korrekt in Richtung Stuttgart auf die B 29 aufgefahren. Warum sie auf dem Beschleunigungsstreifen anhielt und wendete, blieb unklar, denn die Frau überlebte den Unfall nicht. Ihr Wagen stieß mit dem BMW eines 22-Jährigen zusammen, der ebenfalls starb.

Über die tödlichen Unfälle hinaus kam es in jüngster Zeit zu zwei weiteren Vorfällen mit Falschfahrern, die jedoch glimpflich verliefen. Für das Landratsamt Ostalb ist die Häufung der Unfälle an dieser Auffahrt ein Rätsel. Beschilderung und Fahrbahnmarkierung seien regelkonform. Dennoch ordnete es ein paar kleinere Korrekturen an den neuralgischen Stellen an.

Die rabiate Methode gegen Falschfahrer sind Krallen

Das Pilotprojekt bei Lorch-Ost ist ein neuerlicher Versuch, Falschfahrer zu stoppen. Erprobt worden ist andernorts schon vieles. Nach den Versuchen stellten Verkehrsexperten meist fest: Es nützt wenig bis nichts. Laut Verkehrsministerium ließen sich Autofahrer auch nicht von blinkenden Lampen an der Auffahrt stoppen.

Die radikalere Methode sind der Straße verankerte, ausfahrbare Krallen, die Geisterfahrer gewaltsam stoppen, indem sie deren Reifen zerstören. Solchermaßen wird in den USA oder der Türkei gegen Falschfahrer vorgegangen.

Allerdings warnen die Rettungsdienste vor den Krallen, denn Notärzte und Sanitäter sind oft genug darauf angewiesen, in Gegenrichtung auf Bundesstraßen und Autobahnen zu gelangen – und würden ebenfalls von den Krallen gestoppt.

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