Winnenden

Prozess Asienperle-Mord: Angeklagte sind vorbestraft

Tote_in_China_Restaurant3_0
Die Asien-Perle in Backnang. © Sarah Utz

Backnang/Stuttgart. Die Liste der Vorstrafen von Dumitru A. zeigt ein klares Muster: Siebenmal wurde der 42-jährige Rumäne bereits wegen Diebstahls verschiedener Schwere verurteilt. Die leichteren Fälle waren die letzten beiden Verurteilungen in Irland und Deutschland, wo er jeweils mit einer Geldstrafe davonkam.

In seiner Heimat hingegen wurde A. insgesamt fünfmal verurteilt, drei davon wurden als Raub eingestuft und in einem Fall wurde er zudem gar wegen schwerer versuchter Tötung verurteilt. Die drei schwerwiegendsten Urteile wurden am gestrigen Verhandlungstag im Prozess um den Mord an der Chefin des Backnanger Restaurants Asien-Perle, Aie Wu, verlesen.

Ehepaar in Rumänien durch Schnitte und Stiche schwer verletzt

Demnach brach Dumitru A. in den späten 90er-Jahren teilweise allein oder mit Komplizen in Wohnungen wohlhabender Leute aus seiner Heimatregion ein, bedrohte sie zum Teil mit Messern und verletzte manche von ihnen, beziehungsweise drohte ihnen Gewalt an. Besonders schwer wiegt der Raub an einem Paar, bei dem die 70-jährige Frau und der 76-jährige Mann durch Schnitte und Stiche mit einem scharfen Gegenstand schwer verletzt wurden. Laut Schreiben des zuständigen rumänischen Gerichts war dabei das Leben des Mannes ernsthaft in Gefahr gebracht worden. A. hatte alle verlesenen Taten gestanden, ein Geständnis – im Falle eines beraubten Paars, das offenbar von ihm und seinen Komplizen zusammengeschlagen wurde – hatte er nachträglich aber widerrufen.

Über Sicherungsverwahrung wird in den kommenden Wochen entschieden

Laut Richter Spieth liegt gegen den zweiten Angeklagten, Constantin C., nur eine Verurteilung aus Rumänien vor. Dabei soll es sich um einen Fall der Vergewaltigung und Körperverletzung mit Todesfolge sowie Hausfriedensbruch und eine Straftat gegen die Freiheit und Würde einer Person – dem Vernehmen nach seiner Patentante – handeln. Das Urteil selbst wurde jedoch gestern nicht eingebracht, da der Verteidiger von C., Boris Müller, dem widersprochen hat. Das Urteil weise grobe inhaltliche Mängel auf und lasse Verstöße gegen wesentliche Verfahrensgrundsätze erkennen. Dem konterte der Staatsanwalt, dass die vorgebrachten Punkte eine Sache der Beweiswürdigung seien, die erst dann zur Diskussion stehe, wenn der entsprechende Beweis – also das Urteil – auch eingebracht wurde. Wichtig ist das Urteil gegen Constantin C. deshalb, weil eine mögliche Sicherungsverwahrung im Raum steht. Darüber, ob dieses verlesen wird, entscheidet das Gericht in den kommenden Wochen.

Zum Tatzeitpunkt waren einige Angestellte noch wach

Einen weiteren Schwerpunkt des Verhandlungstages machte die Auswertung der Kameras in der Umgebung der Asien-Perle in der Nacht, in der Aie Wu getötet wurde, aus. Die Videoaufnahmen stellten die Ermittler vor knifflige Aufgaben. Die Überwachung am Nordausgang des Restaurants – eine Kamera, die der Richter als „Modell Spielzeugladen“ bezeichnete – war außer Betrieb. Den Beamten der Kripo Waiblingen blieb also nur, die umliegenden Geschäfte abzuklappern und nach Aufnahmen zu fragen. In zwei Betrieben hatten sie Glück. Ein Elektromarkt auf der anderen Straßenseite hatte eine Kamera installiert, die unter anderem den Haupteingang der Asien-Perle zeigte. Die Hoffnungen auf einen Ermittlungserfolg zerschlugen sich wohl recht schnell: „Die Anlage war uralt und lieferte ganz miese Qualität“, urteilte ein für Cybercrime und digitale Spuren zuständiger Beamter. Die Sequenzen seien vom Landes- wie auch vom Bundeskriminalamt gesichtet worden und sogar an das FBI habe man sie weitergeleitet. Keine der Behörden konnte jedoch eine Verbesserung der Qualität erwirken, so dass die Aufnahmen kaum Erkenntnisse brachten.

Videoüberwachung einer Autowerkstatt gibt Aufschluss

Vielversprechender war da die Überwachungsanlage der benachbarten Autowerkstatt. Diese gewährte einen Blick auf die Südseite des Restaurants, von wo aus auch die Eingangstüren der Schlafräume der Bediensteten einsehbar sind. Auch hier stufte der Experte die Qualität der Aufnahmen als „relativ mies“ ein. Immerhin ließen die Aufzeichnungen einzelne Personen erkennen. Mit LED-Lichterketten und 3-D-Vermessung versuchten die Ermittler, die Bewegungen der Personen besser nachvollziehen zu können – vergebens. „Der Winkel der Kamera ist zu steil, wir konnten manchmal nicht genau erkennen, wer in welches Zimmer reingeht.“ Mit Bestimmtheit konnte der Experte allerdings sagen: „Zur Tatzeit waren alle Personen dort, wo sie angaben, gewesen zu sein.“

Eine Angeklagte hatte offenbar etwas gehört

Auf zwei Sequenzen glaubten die Ermittler auch Aie Wu zu erkennen, die gegen 22 Uhr mit einem Angestellten zum Einkauf aufbrach und gegen 23 Uhr wieder zurückkam. Zum angenommenen Tatzeitpunkt, kurz nach Mitternacht, ist im Untergeschoss noch Geschäftigkeit zu erkennen. Mehrere Angestellte suchten die Waschräume auf – unwissend, dass zugleich im Geschoss darüber ihre Chefin grausam getötet wurde. Einmal schien es, als habe eine Kellnerin Verdacht geschöpft, denn sie streckte den Kopf aus ihrem Zimmer. Sie ging jedoch wieder hinein, ohne weiter nachzuforschen. In ihrer Vernehmung hatte die Frau zugegeben, seltsame dumpfe Schläge gehört zu haben. Als die Bedienstete am nächsten Morgen nach oben ging, fand sie ihre Chefin brutal zusammengeschlagen auf der Damentoilette vor.


Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

Weitere Artikel zum Thema