VfB Stuttgart

Nach Hitzlspergers Frontalangriff: Präsident Claus Vogt schießt zurück

Claus Vogt ist Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG
VfB-Präsident Claus Vogt. © Benjamin Büttner

Der Machtkampf beim VfB Stuttgart spitzt sich weiter zu: Nach einer Nacht Bedenkzeit hat sich am Silvestertag nun auch Präsident Claus Vogt zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme reagiert der Amtsinhaber auf den Frontalangriff von AG-Chef Thomas Hitzlsperger, der am Mittwoch seine Kandidatur für das Präsidentenamt öffentlich gemacht hatte. Die von Hitzlsperger erhobenen Vorwürfe weist der amtierende Club- und Aufsichtsratschef vehement zurück - und schießt selbst in Richtung des Meisterspielers von 2007.

„Man stelle sich nur vor, der Vorstandsvorsitzende von Daimler würde seinen Aufsichtsratsvorsitzenden derart öffentlich angreifen“

„Ich möchte erwähnen, dass ich es in meinem Leben bislang noch nie nötig hatte, einen offenen Brief wegen unfairen und persönlichen Anschuldigungen, Angriffen und Unwahrheiten zu schreiben“, eröffnet Vogt seinen Konterangriff. „Gestern bin ich in einer Art öffentlich angegriffen worden (und die Öffentlichkeit ist mit zum Teil unwahren Behauptungen konfrontiert worden), dies kann ich so nicht stehen lassen.“

Den von Hitzlsperger beschriebenen „tiefen Riss“, der sich durch den Verein ziehen soll, will Vogt dabei nicht leugnen. Dennoch habe er es nicht für möglich gehalten, „dass sich ein Vorstandsmitglied eines Clubs gegenüber seinem Aufsichtsratsvorsitzenden öffentlich derart im Ton vergreift.“

Vogt: „Man stelle sich nur vor, der Vorstandsvorsitzende von Daimler würde seinen Aufsichtsratsvorsitzenden derart öffentlich angreifen. Wie würde Daimler wohl darauf reagieren?“

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Wer will die Aufklärung der Daten-Affäre?

Im Zentrum des Konflikts steht laut Claus Vogt der Umgang mit der vom kicker aufgedeckten Daten-Affäre (siehe Infobox). Laut Vogt wehrt sich der Club gegen die Aufklärung. „Mehrfach wurde in den zurückliegenden Wochen versucht, die Arbeit der Kanzlei Esecon zu torpedieren“, schreibt der 51-Jährige. „Man kann zu dem Eindruck kommen, dass es im und um den VfB Menschen/Personen gibt, die diese Aufklärung nicht wollen.“

Hitzlsperger hatte mit scharfen Worten kritisiert, dass die Kosten für die Berliner Kanzlei aus dem Ruder laufen und die AG den e.V.  unterstützen müsse, um ihn vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Vogt habe die Esescon-Beauftragung „ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplan durchgedrückt und bei der Projektleitung die nötige Sorgfalt, Kompetenz und Abstimmung vermissen lassen“.

Vogt seinerseits schreibt nun: „Die Kosten für die Aufklärung der Anwaltskanzlei werden von mir regelmäßig kontrolliert und den Kollegen des Präsidiums mitgeteilt.“

Zudem sei das Honorar für die Ermittler durch eine Versicherung gedeckt. „Heute schon ist klar, dass ein sechsstelliger Betrag auf das Konto des VfB eingehen wird. Das weiß der Vorstand und trotzdem erklärt der Vorstandsvorsitzende öffentlich etwas anderes.“

Die Schlammschlacht ist in vollem Gange

Kritisch sieht Vogt auch Hitzlspergers Griff nach der absoluten Macht im roten Clubhaus: „Wenn der Vorstandsvorsitzender auch noch Präsident wird, dann werden die Interessen des e.V. denen der AG untergeordnet -de facto wäre das die ‚Vollendung‘ der umstrittenen Ausgliederung und des Fernhaltens der lästigen Mitglieder. Die Mitglieder spielen dann gegenüber der AG nur noch eine untergeordnete Rolle.“

Die Schlammschlacht rund um die Präsidentschaftswahl im März 2021 ist also schon vor der Bekanntgabe der offiziellen Kandidaten in vollem Gange. Fortsetzung folgt. 

HINTERGRUND: DIE DATEN-AFFÄRE

  • Einem Bericht des kicker zufolge soll der VfB im Frühjahr 2016 eine Kooperation mit der PR-Agentur von Andreas Schlittenhardt geschlossen und darüber hinaus großes Potenzial in dessen Facebook-Seite „Fokus VfB“ erkannt haben.
  • Per Mail sollen Telefonnummern, Mailadressen und Infos zur Teilnahme an vergangenen Versammlungen von Mitgliedern weitergeschickt worden sein. Ziel soll unter anderem gewesen sein, die - bei der Mitgliederversammlung 2017 dann tatsächlich mit klarer Mehrheit beschlossene - Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben.
  • „Dieser mutmaßliche Datenschutzverstoß in den Jahren 2016 bis 2018 mit Mitgliederdaten, wenn er denn so stattgefunden hat, wäre für mich ein nicht zu akzeptierender Tabubruch“, hatte VfB-Präsident Claus Vogt kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt.