Stuttgart & Region

Erst jetzt wird bekannt: Weihnachtsmarkt Stuttgart war 2023 Ziel einer Drohung

Akute Terrorgefahr: Neuartige Poller sollen Sicherheit auf Stuttgarts Weihnachtsmarkt erhöhen - Maßnahme aufgrund von Sicherheit
Im Vorfeld des Weihnachtsmarkts hatte die Stadt Stuttgart 2023 beschlossen, neue mobile Poller an strategischen Punkten zu installieren. Nun wurde bekannt: Anfang Dezember wurde ein "terroristischer oder ähnlicher Angriff" angedroht. © 7aktuell.de | Kevin Lermer

Anfang Dezember 2023 wurde überregional über eine Anschlagsdrohung auf den Göppinger Weihnachtsmarkt berichtet. Die Innenstadt war damals großflächig geräumt worden. Aktuell steht ein 15-Jähriger aus Hessen im Verdacht, für die telefonische Drohung verantwortlich zu sein. Nun stellt sich heraus: Es gab wenige Tage später auch eine Drohung gegen den Weihnachtsmarkt in Stuttgart. Warum wurde das erst jetzt bekannt? 

"Terroristischer oder ähnlicher Angriff": Stuttgart hatte im Vorfeld Sicherheit erhöht

Die Information versteckt sich in einem PDF-Dokument: Am 8. Dezember hat es offenbar eine Drohung gegen den Weihnachtsmarkt in Stuttgart gegeben. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Sascha Binder im Landtag von Baden-Württemberg hervor. Angedroht wurde demnach ein "terroristischer oder ähnlicher Angriff". Ein Täter konnte bislang nicht gefunden werden, ein Angriff blieb aus. In Reutlingen soll es bereits am 8. November eine vergleichbare Drohung gegeben haben. Bislang war das nicht öffentlich bekannt gewesen.

Erst Ende November, kurz vor dem Start des Weihnachtsmarkt, hatte die Stadt Stuttgart 16 zusätzliche Poller installieren lassen, um Zugangswege zu schützen. Ein Gutachten hätte mögliche Schwachstellen im Sicherheitskonzept aufgezeigt, hieß es. Unter anderem der SWR berichtete. Ordnungsbürgermeister Clemens Maier betonte damals, dass man keine konkreten Hinweise auf geplante Terror-Anschläge habe. "Aber wir wollen einfach auf Nummer sicher gehen."

Weihnachtsmärkte als Anschlagsziel: Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft

Weihnachtsmärkte gelten seit dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz 2016 als potenzielle Ziele für Terroristen. "Weihnachtsmärkte stellen in ihrer Symbolfunktion für das christliche Weihnachtsfest einerseits und ihrer Ausprägung des westlichen Lebensstils andererseits, insbesondere aus der Perspektive islamistisch motivierter Täter, ein ideologisch geeignetes Ziel für Anschläge dar", schreibt das Innenministerium in der Stellungnahme zur Anfrage des SPD-Politikers.

2023 kam noch die Eskalation des Nahostkonflikts nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober hinzu. Sicherheitsbehörden waren in Alarmbereitschaft. Das Bundessamt für Verfassungsschutz warnte eindringlich vor Anschlägen in Deutschland. Präsident Thomas Haldenwang sagte noch im November laut Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die Gefahr ist real und so hoch wie seit Langem nicht mehr.“

Drohung in Stuttgart: Warum wurde der Weihnachtsmarkt nicht geräumt?

Als die Drohung am 8. Dezember in Stuttgart einging, entschied man sich offenbar dazu, anders als in Göppingen zu reagieren. Das Gelände wurde nicht geräumt, der Vorfall nicht öffentlich gemacht. Wer den Weihnachtsmarkt in Stuttgart besuchte, bekam nichts davon mit.

Was wurde konkret angedroht? Waren damit irgendwelche politischen Botschaften oder Forderungen verbunden? Wie kam es zur Entscheidung, nicht zu evakuieren und den Vorfall nicht direkt öffentlich zu machen? Welche Maßnahmen hat man getroffen, nachdem die Drohung einging? Sieht die Stadt sich in ihren zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen bestätigt?

Offene Fragen: Innenministerium bittet um Geduld

Am Freitag (08.03.) waren darauf keine Antworten zu bekommen. Die Pressestelle der Stadt Stuttgart verwies an die Ermittlungsbehörden. Im Innenministerium sagte ein Sprecher auf Nachfrage, man wolle sich mit der Staatsanwaltschaft abstimmen. Es sei unklar, ob man noch im Laufe des Tages Stellung nehmen könne. Die Fragen blieben bis zum Abend vorerst offen. 

Nachtrag (11.03.): Mittlerweile hat das Innenministerium Stellung genommen – hier geht es zum Artikel.

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