VfB Stuttgart

Angstgegner von Hoeneß? Warum der VfB in Leverkusen besonders motiviert ist

Fußball VfB Stuttgart vs. FC  Bayern München
Sebastian Hoeneß konnte als Trainer gegen Bayer Leverkusen noch nicht gewinnen. © Volker Mueller

Stuttgart. Zum Start in das neue Bundesliga-Jahr wartet am Samstagabend (18:30 Uhr) bei Bayer Leverkusen direkt eine große Aufgabe auf den VfB Stuttgart. Nicht nur wegen der winterlichen Witterung, sondern vor allem aufgrund der sportlichen Herausforderung. Schließlich kann die Werkself durchaus als Angstgegner der Schwaben bezeichnet werden und stellt auch für Trainer Sebastian Hoeneß bisher ein Kryptonit dar. Wir blicken auf die Ausgangslage vor dem Topspiel.

Sie wollen unseren VfB-WhatsApp-Channel abonnieren? Dann klicken Sie hier auf diesen Link .

VfB Stuttgart: Trainer Hoeneß hat gegen Leverkusen noch nie gewonnen

Den Blick auf die Statistik hätte sich Sebastian Hoeneß vermutlich lieber gespart. Schließlich gibt es nicht viele Vereine, gegen die der Fußballlehrer in seiner Trainerlaufbahn bisher angetreten ist, aber mit seinen Mannschaften noch nie gewinnen konnte. Auf nationaler Profi-Ebene sind es gerade einmal drei, wie Hoeneß auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Leverkusen mitgeteilt wurde: der MSV Duisburg sowie die Würzburger Kickers in jeweils zwei Duellen zu Drittliga-Zeiten mit dem FC Bayern München II – und Bayer Leverkusen. Dabei stand Hoeneß gegen Leverkusen am häufigsten an der Seitenlinie. Doch in keinem der bisher elf Pflichtspiele gegen Bayer 04 verließ die Hoeneß-Elf das Feld als Sieger (6 Unentschieden, 5 Niederlagen). „Wenn es die Statistik so gibt, gibt es nicht viel dagegen zu sagen“, gesteht der Coach.

Unabhängig vom Trainer sind auch für den VfB Stuttgart Spiele gegen Bayer Leverkusen in den vergangenen Jahren ähnlich undankbar wie die Kehrwoche in diesen Tagen. In den vergangenen 15 Pflichtspielen konnten die Schwaben gegen Leverkusen nicht gewinnen. Der letzte Sieg liegt fast acht Jahre zurück: ein 1:0-Auswärtserfolg im April 2018 unter Trainer Tayfun Korkut dank eines Treffers von Christian Gentner, inzwischen Sportdirektor des VfB. „Das habe ich mir sagen lassen, nicht von ihm persönlich, aber das zeigt, dass das schon ein bisschen her ist“, konnte sich Hoeneß auf der Pressekonferenz ein kurzes Schmunzeln nicht verkneifen.

VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen: Neue Rivalität im deutschen Fußball

Vielleicht ist es genau diese Prise Lockerheit, die der VfB benötigt, damit das Spiel unter dem Bayer-Kreuz mal wieder schmackhafter endet. Schließlich war man in den vergangenen Duellen unter Hoeneß stets nah dran. Seit seinem Amtsantritt stehen für die Stuttgarter drei Niederlagen und vier Punkteteilungen zu Buche. Besonders bitter dabei war das 2:2 im April 2024, als der VfB nach einer 2:0-Führung kurz davor war, die Ungeschlagenen-Saison des späteren Doublesiegers zu verhindern, ehe Robert Andrich in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte. Bereits zwei Monate zuvor war der VfB durch ein Gegentor in der Schlussminute unglücklich im DFB-Pokal-Viertelfinale in der BayArena ausgeschieden. VfB-Stürmer Deniz Undav tätigte hinterher die viel diskutierte Aussage, dass die damals beiden besten Mannschaften der Liga gegeneinander gespielt hätten, was später durch die Stuttgarter Vizemeisterschaft bestätigt wurde. Eine neue Rivalität war geboren.

Es folgten weitere intensive Duelle. Etwa im Supercup 2024, als der VfB zwei Minuten vor dem Ende den Ausgleich kassierte und anschließend im Elfmeterschießen unterlag. Oder das letzte Aufeinandertreffen im vergangenen März. Obwohl der VfB mit 2:0 und 3:1 in Führung lag, verließ die Hoeneß-Elf nach erneut zwei späten Gegentreffern (88. und 90.+4) wieder als Verlierer den Platz. „Wir haben es noch nicht geschafft zu gewinnen, aber haben es zumindest hier beim VfB geschafft, wirklich gute Spiele zu machen, auch in Leverkusen. Am Ende ist meistens nicht das herausgekommen, was teilweise auch verdient gewesen wäre“, schlussfolgert Hoeneß.

Geteiltes Leid: VfB und Bayer fehlen gleich mehrere Stammspieler

Ob jetzt zum Start ins neue Jahr genau der richtige Zeitpunkt für den VfB gekommen ist, die Werkself mal wieder zu schlagen, bleibt abzuwarten. Zwar fehlen den Rheinländern aufgrund des Afrika-Cups mit Ibrahim Maza und Christian Kofane zwei wichtige Spieler. Doch Sebastian Hoeneß muss neben Bilal El Khannouss, der am Freitagabend mit Marokko im Afrika-Cup-Viertelfinale auf Kamerun trifft, auf bis zu sieben weitere Akteure verzichten und dabei besonders in der Abwehr improvisieren. „Beide Teams sind in der Lage die Ausfälle zu kompensieren. Wir sind nicht so weit weg von ihnen, deshalb rechnen wir uns da schon was aus. Es ist trotzdem immer so ein bisschen eine Blackbox, wie das Jahr beginnt“, erläutert Hoeneß.

Klar dagegen ist, dass im Angriff mal wieder die volle Kapelle zur Verfügung steht. Ermedin Demirovic kehrt nach dreimonatiger Fußverletzung zurück, ob direkt von Beginn an, ließ der Trainer noch offen. „Es ist normal, dass er sich jetzt wieder in die Form trainieren und spielen muss, aber er ist für mich gleich ein Faktor. Es wird keine lange Eingewöhnungszeit nötig sein, deshalb bin ich froh, dass er da ist“, sagt Hoeneß, der auch Winter-Neuzugang Jeremy Arévalo mit in den Spieltagskader nehmen dürfte. „Er ist ein Versprechen für die Zukunft mit der begründeten Hoffnung, dass er uns auch dieses Jahr schon gute Impulse geben kann.“ Dazu kommt Deniz Undav, der seine starke Form aus dem Jahresendspurt nach den Eindrücken aus dem Testspiel gegen den FC Luzern auch über die kurze Winterpause konservieren konnte.

Warum Sebastian Hoeneß mit einem guten Gefühl nach Leverkusen fährt

Mit dieser geballten Offensivpower soll es jetzt in Leverkusen endlich anders laufen. „Die Motivation ist groß nicht nur für mich, auch für die Mannschaft, an der Statistik jetzt mal was zu ändern. Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Leverkusen, weil wir dort in den letzten Jahren gute Leistungen gebracht haben gegen immer wieder starke Mannschaften“, sagt Hoeneß. Vielleicht denkt der VfB-Coach vor dem Spiel deshalb auch lieber weniger an die Statistiken, sondern an ein Zitat des früheren VfB-Spielers und Trainer Matthias Sammer: „Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.“