VfB Stuttgart

Bis zu 130 Dezibel: So wappnet sich der VfB für den Hexenkessel von Istanbul

Blick in den RAMS Park im Istanbuler Stadtteil Sariyer, in dem der VfB Stuttgart am Dienstagabend in der Champions League bei Ga
Blick in den RAMS Park im Istanbuler Stadtteil Sariyer, in dem der VfB Stuttgart am Dienstagabend in der Champions League bei Galatasaray Istanbul gastiert. © Daniel Haug

ISTANBUL. Noch ist es still im weiten Rund. Im RAMS Park, dem Stadion von Galatasaray Istanbul, könnte man an diesem Montagabend beinahe eine Stecknadel fallen hören. 53.978 Zuschauer passen in die Arena im Istanbuler Stadtteil Sarıyer. Am Dienstagabend wird sie ausverkauft sein, und dann dürfte es für den VfB Stuttgart ziemlich laut werden. Sehr laut. Bis zu 130 Dezibel werden der Atmosphäre im Stadion nachgesagt. Beim Abschlusstraining aber ist davon noch nichts zu hören. Nur Sebastian Hoeneß und seine Mannschaft, die sich auf einen Abend vorbereiten, der auch eine mentale Herausforderung werden dürfte.

„Galatasaray wird hier morgen alles in die Waagschale werfen. Das Stadion und die Fans werden ein großer Faktor werden“, sagte der VfB-Trainer. Doch nicht nur die Kulisse bereitet ihm Respekt. „Auch die Mannschaft ist sehr gut bestückt und zuletzt in Schwung gekommen.“ Der türkische Tabellenführer hat mit dem 4:2 beim OSC Lille zuletzt ein Ausrufezeichen gesetzt und eine Serie von sechs sieglosen Spielen in der Champions-League-Ligaphase beendet. Mit Victor Osimhen, Leroy Sané und Ilkay Gündogan verfügt Galatasaray über reichlich internationale Erfahrung und individuelle Klasse.

„Wir haben keine Musikbox aufgestellt“

„Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir haben die Riesenmöglichkeit, den nächsten Schritt zu machen. Es wird intensiv und hitzig, wir freuen uns aber auch extrem auf die Atmosphäre“, sagte Hoeneß. Der Trainer klingt nicht wie jemand, der seine Spieler vor der Geräuschkulisse warnen möchte. Eher wie jemand, der sie darauf einstimmen will, diese Herausforderung anzunehmen. Eine besondere Geräuschprobe gab es beim Abschlusstraining jedenfalls nicht. „Wir haben keine Musikbox aufgestellt“, sagte Hoeneß. „Selbst Heavy-Metal-Musik im Training könnte das nicht simulieren, was da auf uns zukommen wird“, ergänzte Maximilian Mittelstädt. Der Linksverteidiger erwartet ein Auswärtsspiel, „das du nicht alle Tage hast“. Es werde viele Störfaktoren geben, auf und neben dem Platz. „Das sollte uns motivieren und nicht einschüchtern.“

Das ist auch die Botschaft des Trainers: Mut. „Er ist unabdingbar gegen eine Mannschaft wie Galatasaray. Wir haben großen Respekt. Wir brauchen Mut und den wollen wir auch hier zeigen, wie am Samstag in Leverkusen.“ Der überzeugende 4:2-Erfolg in der Liga könnte als Blaupause dienen. Hoeneß verlangt eine besondere Leistung – körperlich, mental und taktisch. „Wir werden versuchen, unser Spiel auf den Platz zu bringen und die Dinge mit aller Überzeugung umzusetzen.“ Gerade in einer hitzigen Atmosphäre wird es darauf ankommen, die eigene Spielidee nicht aus den Augen zu verlieren.

„Du wirst sehr, sehr viele Pfiffe gegen dich einstecken müssen“

Mittelstädt weiß, dass die Stuttgarter mit Gegenwind rechnen müssen. „Du wirst sehr, sehr viele Pfiffe gegen dich einstecken müssen.“ Zugleich sieht er die Mannschaft mental gewachsen. „Wir sind mental stärker geworden, konnten aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen.“ Dazu zählt auch das Gastspiel bei Fenerbahçe in der vergangenen Europa-League-Saison, das der VfB mit 0:1 verlor. Hoeneß hält die Atmosphäre in Istanbul für vergleichbar. „Wir müssen mit dem Höchsten rechnen.“ Die Erfahrungen aus solchen Spielen könnten helfen, ist er überzeugt. Schließlich treffe man in der Champions League auf Mannschaften, „die ihre Liga dominieren“.

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß und Stürmer Ermedin Demirović beim Abschlusstraining im RAMS Park vor dem Champions-League-Auswärts
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß und Stürmer Ermedin Demirović beim Abschlusstraining im RAMS Park vor dem Champions-League-Auswärtsspiel bei Galatasaray Istanbul. © Daniel Haug

Mit Atakan Karazor hat Hoeneß zudem einen Spieler im Kader, der genau weiß, was seine Mannschaft in Istanbul erwartet. „Die Jungs wissen, was kommt. Wir freuen uns auf das Spiel.“ Der Klub, das Stadion und die Mannschaft seien eng mit der Champions League verbunden. „Wir haben alle schon viele Spiele in diesem Stadion gesehen. Deswegen ist die Vorfreude richtig groß. Wir können es kaum erwarten, das, worüber oft gesprochen wird, einmal selber zu erleben.“

Sportlich ist die Ausgangslage für den VfB vielversprechend. Sieben Punkte aus den ersten drei Spielen gegen Viking (3:1), Slovan Bratislava (3:0) und Atlético Madrid (1:1) bedeuten derzeit Rang sechs in der Ligatabelle. In der Bundesliga dagegen stehen nach acht Partien erst drei Siege zu Buche. Die Königsklasse ist bislang das angenehmere Pflaster. Mit einem Erfolg am Bosporus käme Stuttgart auf zehn Punkte und würde einen großen Schritt Richtung Play-offs machen. Alle Mannschaften, die in der vergangenen Saison nach vier Spieltagen zehn Punkte auf dem Konto hatten, erreichten am Ende die nächste Runde. Eine Garantie ist das allerdings nicht: Auch der VfB selbst schied 2024/25 trotz dieser Ausbeute noch aus. Das Restprogramm mit Lille, Eindhoven, Brügge und Inter bietet dennoch Anlass zu Optimismus.

Steht der junge Dennis Seimen wieder im VfB-Tor?

Offen ließ Hoeneß, ob erneut der junge Dennis Seimen im Tor stehen wird. „Das werde ich nicht beantworten, auch wenn ich das Interesse verstehe. Wir wollen uns da nicht frühzeitig in die Karten schauen lassen.“ Auch über die besondere Verbindung von Ermedin Demirović zu Istanbul, der im Sommer beinahe zu Galatasaray gewechselt wäre, wollte der Trainer nicht näher sprechen. Dafür lobte er seinen Angreifer: „Medo ist für uns ein ganz wichtiger Spieler. Das hat er in dieser Saison wieder eindrücklich unter Beweis gestellt. Seine Quote ist herausragend. Und er hätte sogar mehr Tore machen können.“

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