VfB Stuttgart

Comeback der Cannstatter Kurve: Die VfB-Ultras kehren ins Stadion zurück

Commando Cannstatt
Der VfB Stuttgart darf die Mercedes-Benz Arena wieder voll auslasten. Bedeutet das eine Rückkehr der Ultras - und kehrt damit wieder die gewohnte Stimmung ins Stadion zurück? © ZVW/Benjamin Büttner

Für den VfB Stuttgart steht im kommenden Heimspiel gegen Union Berlin (24.10.) ein fast schon historisches Ereignis an: Seit über eineinhalb Jahren dürfen die Schwaben die Mercedes-Benz Arena wieder voll auslasten, rund 60.000 Tickets gehen in den Verkauf. Zudem kündigte die organisierte Fanszene ihr Comeback an: Die Fanclubs und Gruppen werden wieder geschlossen in die Cannstatter Kurve zurückkehren. Wie kann der VfB von der Rückkehr der Ultras profitieren - was macht das mit der Stimmung im Stadion?

Keine Ultras, keine Stimmung? Wie sich das Stadionerlebnis verändert hat

Beim wichtigen 3:1-Sieg vor der Länderspielpause gegen die TSG Hoffenheim war die Mercedes-Benz Arena nicht einmal zur Hälfte ausverkauft, die Verantwortlichen gerieten trotzdem ins Schwärmen. „Das kam einem nicht wie 24.000 Zuschauer vor, sondern eher wie ein ausverkauftes Haus“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat nach Spielende. Während den 93 Minuten gab es trotz kleiner Kulisse lautstarke Unterstützung aus allen Ecken des Stadions, vor allem aus der Cannstatter Kurve.

Genau in dieser Kurve, ansonsten Heimat der organisierten Fanszene, war es in den Wochen zuvor auffallend ruhig. Der Grund: Trotz Teil-Auslastung der Mercedes-Benz Arena blieb ein großer Teil der sonst geschlossen auftretenden Ultras zuhause. „Alle oder keiner“ war unter den Gruppierungen und Fanclubs eine weit verbreitete Einstellung, an einen organisierten und 90-minütigen Support war nicht zu denken.

So war eine veränderte Stimmung im Stuttgarter Stadion spürbar. Anstatt einer Dauer-Beschallung, die über 90 Minuten durchgezogen wurde, fand situationsbezogener Support statt. Das heißt: Die Stimmung in der Arena war viel spielbezogener. Es war ein Impuls vom Rasen nötig, um die halb besetzten Ränge anzuheizen.

Leverkusen-Spiel: Anderes Ergebnis mit organisiertem Support?

Denkt man an den organisierten Ultra-Support vor der Corona-Pandemie zurück, war es genau andersrum: Die Ränge dienten als Impulsgeber für die Mannschaft. Auch in schlechten Phasen wurde die Mannschaft bedingungslos gepusht. Stattdessen gab es in den letzten Wochen längere Schweigephasen, wenn das Spiel auf dem Rasen so vor sich hinplätscherte.

Das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen dient als Blaupause für die wellenartige Stimmung in der Arena. Der frühe 0:1-Rückstand durch Robert Andrich ließ die Fangesänge verstummen, die organisierte Fan-Szene hätte hier wohl weiter supportet. Die rote Karte und das anschließende 1:2 durch Orel Mangala ließen das Stadion dann wieder explodieren. Der VfB war drauf und dran, das Spiel auf seine Seite zu ziehen, auch mit der Unterstützung der Fans – doch dann kam die Pause.

In Überzahl kamen die VfB-Profis auf den Rasen zurück, doch auf den Rängen herrschte Stille. Die 15-minütige Unterbrechung raubte dem Publikum die Dynamik und Stimmung der ersten Hälfte. Da auch die spielbezogenen Akzente der Mannschaft auf dem Platz fehlten und die Leverkusener mit Fouls und Zeitspiel die Partie verschleppten, wurden die rund 24.000 Fans nicht mehr wachgerüttelt.

Dadurch fehlte der Matarazzo-Elf der nötige Support, um den letzten Zug zum Tor zu entwickeln oder das letzte Risiko zu gehen. Das Endresultat: eine schmerzhafte wie unnötige 1:3-Niederlage. Und die Gewissheit: der organisierte Support fehlt.

Unverzichtbar: Ultras und ihre bedingungslose Unterstützung

Aber besteht denn die Gefahr, dass die Ultras nicht mehr ins Stadion zurückkehren? Findet gar eine Fan-Zäsur statt, weg vom organisierten Dauergesang hin zu spontaner und spielbezogener Anfeuerung? Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) glaubt nicht an eine große Veränderung der Fanszene, dafür habe sich „das Ganze zu lange entwickelt.“

Irgendwann werde in den deutschen Stadien wieder Normalität einkehren, dann „werden sich alle freuen, wenn die bekannten Jungs und Mädels wieder Stimmung machen“, sagte Goll dem Kicker.

Trommeln und Schwenkfahnen: VfB-Ultras kehren mit vollem Programm zurück

Genau diese Normalität tritt beim VfB Stuttgart im Heimspiel gegen Union Berlin wieder ein. „Wir sind zurück“, verkündeten am Mittwochabend (13.10.) die Fanclubs und Gruppen der Cannstatter Kurve. Ab dem kommenden Heimspiel „wollen wir als Cannstatter Kurve mit organisiertem Support, Zaunfahnen, Trommeln, Schwenkfahnen und allem, was dazugehört, zurückkehren.“

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Das bedeutet: Gegen die Elf aus Berlin-Köpenick können Wataru Endo und Co. wieder auf den bedingungslosen Support in der Cannstatter Kurve bauen. Wie wichtig dieser ist, verdeutlichte jüngst Werder- Geschäftsführer Frank Baumann gegenüber dem Kicker. „Wir wissen, dass durch die Ultra-Gruppen diese bedingungslose Unterstützung über die 90 Minuten gewährleistet ist. Das hilft gerade in Situationen im Spiel, in denen es vielleicht nicht so gut läuft.“

Wie die Stimmung im Stadion gegen Union konkret aussehen wird, ist noch nicht klar. Was haben 1 1/2 Jahre Abstinenz mit den Ultras gemacht? Wird noch genauso bedingungslos supportet, wie vor der Pandemie? Wie reagiert das restliche Publikum auf die Rückkehr der "Platzhirsche"? Zudem wird spannend zu beobachten sein, wie die junge Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo auf die Wechselwirkung zwischen Rasen und Kurve reagieren wird. Schließlich spielen einige VfB-Profis zum ersten Mal vor einer vollbesetzten Cannstatter Kurve.