VfB Stuttgart

„Danke für (fast) alles“: Was von Thomas Hitzlsperger beim VfB bleiben wird

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Ex-VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. © ZVW/Benjamin Büttner

In sechs Jahren beim VfB Stuttgart hat Thomas Hitzlsperger vermutlich mehr erlebt, als er es in 25 Jahren als Funktionär bei einem anderen Klub je erlebt hätte.  Am Montag (21.03.) erfolgt die Stabübergabe an seinen Nachfolger Alexander Wehrle. Was bleibt von seinem Wirken? Unser Reporter Danny Galm blickt zurück auf die turbulente Zeit des Ex-Profis bei seinem Herzensverein.

Was Hitzlsperger beim VfB zum Guten verändert hat

Nachhaltigkeit, Inklusion, Integration, eine klare Positionierung gegen Rassismus und für mehr Vielfalt: Hitzlsperger hat den VfB in vielerlei Hinsicht wieder aufs richtige Gleis gesetzt. In Anbetracht der vorangegangenen düsteren Dietrich-Jahre eine beeindruckende Leistung. Schließlich war das Verhältnis zwischen Fans und Mitgliedern auf der einen Seite und der AG- und Vereinsführung auf der anderen Seite komplett zerrüttet, das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit gruselig.

Diese Gräben zugeschüttet zu haben, dem VfB wieder ein sympathisches und weltoffenes Gesicht gegeben zu haben, darf getrost als Hitzlspergers größte Errungenschaft gewertet werden. Weiter hat der Meisterspieler von 2007 die Strukturen verschlankt, das VfB-Organigramm neu ausgerichtet und den Klub so fit für die Zukunft gemacht. Das wird bleiben.

Wie Hitzlsperger den VfB ein weiteres Mal tief gespalten hat

„Danke für (fast) alles“, lautet aber die Botschaft einiger Anhänger an den scheidenden AG-Boss. Warum? Weil Hitzlsperger zwar eine Aufbruchstimmung samt neuem „Wir-Gefühl“ erzeugt hat, den Verein durch den offen ausgetragenen Machtkampf mit Präsident Claus Vogt aber ein weiteres Mal tief gespalten hat. Oder wie es Hitzlsperger in seinem Abschieds-Tweet formulierte: „Wir haben nichts ausgelassen.“

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Der epochale Konflikt erschütterte das weiß-rote Machtzentrum bis in seine Grundfesten – und bleibt immer mit dem Namen Hitzlsperger verknüpft. Dieser Schatten wird bleiben. Ebenso die Ambivalenz, den VfB erst wieder geeint und später schier auseinandergerissen zu haben.

Darüber hinaus fällt seine Bilanz als Sportvorstand durchwachsen aus. Zu Buche stehen ein Abstieg (2019), ein Wiederaufstieg (2020), ein überraschender 9. Platz in der ersten Saison nach der Rückkehr ins Oberhaus (2021) und dieses Jahr eine Seuchen-Spielzeit mit noch offenem Ausgang (2022). Gut möglich, dass der VfB die Wende schafft. Ein erneuter Gang in die Zweitklassigkeit bleibt jedoch weiter ein realistisches Szenario.

Eine Funktionärs-Karriere, die so wohl nur in Stuttgart möglich war

Immerhin hat Hitzlsperger mit Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo endlich für personelle Kontinuität im sportlichen Bereich gesorgt. Wohin der neue Stuttgarter Weg - den Hitzlsperger maßgeblich mitgestaltet und verantwortet hat - führen wird, muss die Zukunft zeigen. Dann allerdings ohne „The Hammer“ auf der Kommandobrücke.

Beauftragter des Vorstands in der Schnittstelle zwischen dem Lizenzspielerbereich und der Vereinsführung, Mitglied des Präsidiums, Direktor des Nachwuchsleistungszentrums, Sportvorstand, Vorstandsvorsitzender – und das alles in knapp sechs Jahren. Eine Funktionärs-Karriere, die in dieser Form wohl nur im roten Klubhaus an der Mercedesstraße 109 möglich war – und in jeglicher Hinsicht einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Genauso wie sein fulminanter Volley-Kracher von 2007.

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