VfB Stuttgart

Der VfB und das späte Glück

VfB Stuttgart gegen 1.FC Union Berlin VfB Stuttgart gewann 3:1 in der Mercedes Benz Arena in Stuttgart_12
Der VfB Stuttgart ist nach dem Sieg im Spitzenspiel gegen Union Berlin voll auf Kurs in Richtung Bundesliga. © Danny Galm

Stuttgart.
Ausgerechnet Florian Klein. Ausgerechnet der Österreicher, der den VfB Stuttgart am Ende der Saison verlassen wird, schoss sein Team am Samstag in der 91. Minute zum umjubelten 3:2-Sieg in Nürnberg. Später Jubel bei Fans, Team und Betreuern - mal wieder. „Man sollte uns nie abschreiben, das haben wir mal wieder bewiesen“, erklärte Stuttgarts Torjäger Simon Terodde nach der Partie.

15 Treffer in der Schlussviertelstunde

Legten die Stuttgarter in der Hinrunde in der Anfangsviertelstunde los wie die Feuerwehr, so holten sich die Schwaben in der Rückrunde immer wieder auf den letzten Drücker noch die ersehnten drei Punkte. Bereits 15 Treffer erzielten der VfB Stuttgart in dieser Spielzeit in der Schlussviertelstunde.

Alleine im April holte sich der VfB durch Treffer in der Nachspielzeit acht Punkte: 94. gegen Dresden (3:3), 92. gegen 1860 München (1:1), 89. in Bielefeld (3:2) und am Samstag gegen Nürnberg in der 91. Minute. Auch gegen den FC St. Pauli am 1. Spieltag (Siegtreffer zum 2:1 durch Christian Gentner in der 87. Minute), am 18. Spieltag auf St. Pauli (Siegtreffer durch Carlos Mané in der 84. Minute) oder am 20. Spieltag gegen den SV Sandhausen (Siegtor durch Terodde in der 85. Minute) traf der VfB Stuttgart spät und sicherte sich wichtige Punkte.

Was sind die Gründe für das späte Glück?

Doch was sind die Gründe für das späte Glück des VfB? Fünf Gründe, warum die Stuttgarter in dieser Saison so oft spät jubeln dürfen: 

Der Trainer: Ein Trainer hat während der Partie nur begrenzte Möglichkeiten in den Spielverlauf einzugreifen. Unter anderem kann der Coach seine Mannschaft in der Halbzeit wachrütteln und mit Einwechslungen frische Impulse setzen. Beides tat Hannes Wolf am Samstagmittag in Nürnberg. Mit einem 0:2 war der Tabellenführer in die Halbzeitpause gegangen. Dann wurde es in der Kabine „konstruktiv und laut“ (Terodde) und Wolf brachte für den zweiten Durchgang mit Daniel Ginczek einen zweiten Stürmer. Und siehe da: Es dauerte keine zehn Minuten bis die Schwaben das 0:2 in ein 2:2 gedreht hatten. Auch Siegtorschütze Florian Klein wurde von Hannes Wolf eingewechselt. Der Trainer mit einem glücklichen Händchen. Insgesamt kommt der VfB in dieser Saison schon auf elf Joker-Tore – Liga-Bestwert.

Die Fitness: Die Mannschaft des VfB Stuttgart ist topfit. Die harte Arbeit im Wintertrainingslager in Portugal zahlt sich jetzt im Saisonendspurt aus. Die Mannschaft von Hannes Wolf ist immer in der Lage noch einmal nachzulegen. Die Puste geht dem VfB in diesem Jahr niemals aus. „Wir können am Ende nochmal anrennen, auch wenn wir 89 lange Minuten in den Knochen haben“, erklärt Kapitän Christian Gentner. Athletikcoach Matthias Schiffers und die Physiotherapeutendes VfB leisten ganze Arbeit. 

Die Qualität: Der VfB Stuttgart verfügt über den qualitativ stärksten Kader der Liga – das ist ein Fakt. Die Stuttgarter können nahezu jeden Spieler gleichwertig ersetzen. Fast alle Positionen sind doppelt besetzt. Nach dem Ausfall von Carlos Mané rückte Alexandru Maxim in die Mannschaft und zeigte zuletzt einige starke Auftritte. Zudem haben sie beim VfB mit Daniel Ginczek einen Edeljoker, der wohl bei jedem anderen Zweitligisten im Sturmzentrum gesetzt wäre. „Wir glauben an uns und können immer noch zulegen“, beschreibt Kapitän Christian Gentner die komfortable Kadersituation.

Die Mentalität: „Das Gefühl, zu wissen, dass wir immer noch ein Tor schießen können, schweißt das Team zusammen“, sagte Stürmer Daniel Ginczek nach dem 3:2-Sieg in Nürnberg. Ausgerechnet der aussortierte Florian Klein, der den Verein zum Saisonende verlassen wird, schoss das späte Stuttgarter Siegtor. „Keiner hat den Treffer mehr verdient als er, denn er ist ein Topspieler mit einem Riesencharakter“, lobte Kapitän Christian Gentner und auch Sportvorstand Schindelmeiser bezeichnete Klein als „Prototyp eines Mannschaftsspielers“. Der Zusammenhalt in der Stuttgarter Mannschaft ist groß. Alexandru Maxim und Florian Klein standen zuletzt nicht in der ersten Reihe, knieten sich aber dennoch in der täglichen Trainingsarbeit voll rein und sind da, wenn sie gebraucht werden. Miesepeter sucht man in dieser Stuttgarter Mannschaft vergebens.

Die Fans: Egal wann und wo das Team von Cheftrainer Hannes Wolf spielt – die Fans sind in Scharen dabei und verleihen sogar den Spielen in der Fremde einen echten Heimspielcharakter. Über 10.000 Fans begleiteten den VfB unter der Woche zum Auswärtsspiel nach München. Bis zu 20.000 waren am Samstag im Nürnberger Stadion. „Diese Unterstützung von den Rängen ist für die Mannschaft total wichtig und bringt sie immer wieder dazu, bis zum Schluss an sich zu glauben“, freut sich Hannes Wolf über den fantastischen Support in der Fremde. Heimstark sind alle Vereine aus der Zweitliga-Spitzengruppe, aber der VfB sticht mit acht Siegen und vier Unentschieden in der Auswärtsbilanz deutlich heraus.

Ganz wohl fühlen sich die Stuttgarter mit ihrem späten Glück allerdings nicht. So sagte Toptorjäger Simon Terodde am Sonntagabend im SWR-Fernsehen: „Der Sieg gegen Nürnberg war eine große Willensleistung, aber auch eine Portion Glück. Das sollten wir aber nicht überstrapazieren.“ Und sein Kapitän pflichtet bei: „Uns wäre es lieber, wenn wir es öfters souveräner hinbekommen könnten.“ Den VfB-Fans mit Sicherheit auch.

Restprogramm der Aufstiegskandidaten

1. Platz: VfB Stuttgart (63 Punkte)

Erzgebirge Aue (H)*, Hannover 96 (A)**, Würzburger Kickers (H)

2. Platz: Eintracht Braunschweig (60 Punkte)

Union Berlin (H), Arminia Bielefeld (A), Karlsruher SC (H)

3. Platz: Hannover 96 (60 Punkte)

1. FC Heidenheim (A), VfB Stuttgart (H), SV Sandhausen (A)

4. Platz: 1. FC Union Berlin (57 Punkte)

Eintracht Braunschweig (A), 1. FC Heidenheim (H), SpVgg Greuther Fürth (A)

*(A) – Auswärtsspiel

**(H) - Heimspiel