VfB Stuttgart

Ein 2:0 in Paderborn und Coach Hoeneß mahnt: Was beim VfB besser werden muss

Chris Führich gehört zu den prägenden Offensivspielern des VfB Stuttgart. In Paderborn sorgte er mit seinem Treffer zum 2:0 für
Chris Führich gehört zu den prägenden Offensivspielern des VfB Stuttgart. In Paderborn sorgte er mit seinem Treffer zum 2:0 für die Entscheidung. © Sofiia Shahaievska (Archiv)

Paderborn. Der VfB Stuttgart hat am Samstag in Paderborn drei Punkte gewonnen. Die Selbstverständlichkeit, mit der er früher solche Spiele kontrollierte, hat er allerdings noch nicht wiedergefunden. Der 2:0-Sieg war verdient, doch nach einer zunächst dominanten ersten Hälfte mussten die Schwaben lange bangen. Trainer Sebastian Hoeneß verteilte deshalb zwar Lob, vermied aber jede Form von Euphorie.

„Wir waren in einer schwierigen Situation“, sagte Hoeneß. Auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth räumte ein: „Wir standen schon ein wenig unter Druck.“ Die Ausgangslage nach nur einem Sieg aus den ersten vier Liga-Spielen war also klar. Und zunächst schien es, als könnte der VfB die Unruhe der vergangenen Wochen tatsächlich hinter sich lassen. Die Stuttgarter kamen gut ins Spiel, hatten Ballbesitz, Kontrolle und gefährliche Situationen. Als Jeff Chabot in der 25. Minute nach einer Flanke von Angelo Stiller die Führung erzielte, sah vieles nach einem entspannten Nachmittag aus.

VfB-Coach Hoeneß: „Nach dem Tor haben wir den Faden verloren“

Doch ausgerechnet mit dem Tor kam der VfB aus dem Tritt. „Nach dem Tor haben wir den Faden verloren“, sagte Hoeneß. Die Stuttgarter nutzten die Räume, die ihnen Paderborn bot, nicht konsequent genug, um früh für klare Verhältnisse zu sorgen. Stattdessen kam der Aufsteiger zurück ins Spiel, wurde mutiger und setzte den VfB nach der Pause zunehmend unter Druck. Paderborn habe sich, wie Trainer Ralf Kettemann später sagte, in die Partie „reingeboxt“.

Hoeneß suchte die Gründe für den Kontrollverlust nicht allein in der Defensive. Die habe sich über weite Strecken ordentlich verhalten, sagte der Trainer, und lobte ausdrücklich das Verteidigungsverhalten seiner Mannschaft. Vielmehr störte ihn, was der VfB mit den Räumen anstellte, die ihm Paderborn anbot. „Wir haben es versäumt, bessere Entscheidungen zu treffen“, sagte Hoeneß. „Wir haben geschossen, wenn wir hätten passen müssen. Und wir haben gepasst, wenn wir konsequent den Abschluss hätten suchen müssen.“

Das klang nach einer eher technischen Analyse, beschrieb aber ein grundlegendes Problem: Der VfB kam immer wieder in aussichtsreiche Situationen, machte daraus aber zu wenig. Jamie Leweling etwa hätte in der ersten Hälfte auf den völlig freien Chris Führich ablegen können, schoss stattdessen selbst und traf den Pfosten. So blieb Paderborn im Spiel – und Stuttgart musste bis in die Schlussphase um den Sieg bangen. „Da gab es eine Phase, in der der Ausgleich vielleicht auch verdient gewesen wäre“, sagte Wohlgemuth. Dass der VfB dennoch gewann, lag auch daran, dass er sich gegen den Druck stemmte. 126 Zweikämpfe bestritten die Stuttgarter, so viele wie in keiner ihrer bisherigen fünf Bundesligapartien dieser Saison. Die Mannschaft nahm den Kampf an – und hatte am Ende auch noch Chris Führich. In der 83. Minute traf der Nationalspieler mit einem wuchtigen Schuss unter die Querlatte sehenswert zum 2:0.

Seimen sorgt für das erste Zu-Null-Spiel des VfB in der Liga

Ein Ergebnis, das auch für Dennis Seimen besondere Bedeutung hatte. Der 20-Jährige gab in Paderborn sein Bundesliga-Debüt und blieb ohne Gegentor. Bei seiner Rückkehr an die frühere Wirkungsstätte, wo er in der vergangenen Saison mit dem SC den Aufstieg gefeiert hatte, war er von den Fans mit Sprechchören empfangen worden. Nach dem Abpfiff wurde es für den Torwart emotional. „Nach dem Abpfiff sind auch ein paar Tränen geflossen“, sagte Seimen bei DAZN. Es sei „das Emotionalste“ gewesen, das er in seiner Karriere erlebt habe. Nervös sei er natürlich gewesen, sagte Seimen: „Und jetzt nochmal ein bisschen mehr, weil es für meinen VfB war, bei dem ich schon sehr lange spiele.“

Sein Debüt verlief nicht fehlerfrei. Im Spielaufbau leistete sich Seimen einen riskanten Fehlpass, bei einer Ecke ließ er den Ball fallen. Zugleich parierte er stark im Eins-gegen-eins und klärte später mit dem Fuß. Hoeneß bescheinigte ihm ein gutes Spiel. Für den Trainer war der Auftritt auch deshalb erfreulich, weil der VfB erstmals in dieser Bundesligasaison ohne Gegentor blieb.

Neben Seimen gab es noch einen zweiten Rückkehrer: Atakan Karazor stand erstmals in dieser Saison in der Liga von Beginn an auf dem Platz. Der frühere Kapitän hatte bislang keine Bundesligaminute gesammelt, gewann gegen Paderborn aber wichtige Zweikämpfe. Hoeneß hob das ausdrücklich hervor. Mit seinem Auftritt hat Karazor seine Chancen auf weitere Einsätze verbessert – und dürfte damit auch den Konkurrenzkampf mit Neuzugang Grischa Prömel beleben.

„Deutliche Erdung“: Warum der Sieg dem VfB nicht zu Kopf steigen wird

Viel Zeit, den Sieg zu genießen, bleibt den Stuttgartern ohnehin nicht. Bis zur nächsten Länderspielpause stehen acht weitere Partien in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal an. Schon am Mittwoch geht es bei Slovan Bratislava weiter. Wohlgemuth wollte daher den Erfolg auch nicht überhöhen. Die zweite Hälfte sei eine „deutliche Erdung“ gewesen, sagte der Sportvorstand. Der Sieg werde der Mannschaft nicht zu Kopf steigen. Für die nächsten Wochen braucht der VfB beides: die Widerstandsfähigkeit, die er in Paderborn gezeigt hat, und die bessere Entscheidungsfindung, die Hoeneß noch vermisst. Erst dann dürfte auch jene Selbstverständlichkeit zurückkehren, von der Wohlgemuth spricht. Der erste Schritt ist getan. Der nächste wartet schon in der Slowakei.

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