VfB Stuttgart

Nach Entlassung aus U-Haft: Wie es zum VfB-Comeback von Atakan Karazor kam

Fußball Bundesliga VfB Stuttgart vs. RB Leipzig
Vom Verein geschützt, von einigen wenigen Fans mit Buh-Rufen bedacht: Atakan Karazor kehrte nach der Entlassung aus der U-Haft gegen Leipzig zurück auf den Platz. © Pressefoto Baumann

Sven Mislintat wollte ausschließlich über den sportlichen Wert von Fußball-Profi Atakan Karazor für den VfB Stuttgart sprechen. Die schweren Vorwürfe, wegen derer gegen den 25-Jährigen in Spanien ermittelt wird, thematisierte der Sportdirektor nicht. „Lasst uns doch über das Spiel sprechen“, sagte Mislintat, nachdem sich die Fragen zunehmend um die viel diskutierte Personalie Karazor gedreht hatten.

Ermittlungen wegen einer „mutmaßlichen Straftat der sexuellen Nötigung“

Nach etwas mehr als sechs Wochen in Untersuchungshaft und nur einer Woche im Mannschaftstraining wurde Karazor beim 1:1 gegen RB Leipzig am Sonntag (07.08.) in der Nachspielzeit eingewechselt. „Die Rechtslage ist klar. Wenn sich etwas verändert, werden wir es kommentieren“, sagte Mislintat. Gegen Karazor wird wegen einer „mutmaßlichen Straftat der sexuellen Nötigung“ ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe.

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo setzte den Mittelfeldspieler angesichts seiner eigenen Aussagen vor der Partie überraschend ein. Der Coach hatte im Vorfeld betont, dass Karazor noch keine Option sei. „Ich wusste schon vorher, dass er näher dran ist“, sagte Matarazzo dann nach dem Spiel. Seine Begründung: „Ich wollte ein bisschen das Feuer raushalten.“

Sven Mislintat: „Er hat in den Werten maximal überrascht und war topfit“

Karazor hatte weite Teile der Vorbereitung verpasst, weil er im Juni auf der spanischen Urlaubsinsel Ibiza festgenommen worden und dann in Untersuchungshaft saß. „Es ging darum, ihn wieder einzugliedern ins Training. Er hat in den Werten maximal überrascht und war topfit“, sagte Mislintat, nachdem hinter Karazors Fitnesszustand vor wenigen Tagen noch ein Fragezeichen gestanden hatte.

Der Großteil der VfB-Fans bejubelte die Einwechslung von Karazor zwar lautstark. Vereinzelte Buh-Rufe waren in der Stuttgarter Arena aber auch zu vernehmen. Mislintat wollte diese nicht gehört haben. Zielstrebig suchte er nach dem Abpfiff Karazors Nähe. Auch Matarazzo herzte den gebürtigen Essener, der selbst nicht öffentlich sprechen wollte. „Er geht Tag für Tag immer mehr auf“, sagte der Trainer. „Er führt auf seine Art und deswegen war es mir wichtig, ihn schnell wieder im Kader zu haben. Seine Stimme in der Kabine ist wichtig.“

Schon gegen Leipzig, als die Sachsen früh durch Christopher Nkunku (8.) in Führung gegangen waren und Naouirou Ahamada für den VfB ausgeglichen hatte (31.), half Karazor für wenige Minuten mit. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) spielt der VfB bei Aufsteiger Werder Bremen. Ein Einsatz von Karazor ist nicht ausgeschlossen, schließlich war er für Mislintat auf Anhieb „ein wichtiger Faktor“.