VfB Stuttgart

Neues Spielsystem beim VfB: Warum Bruno Labbadia im 4-3-3 spielen lässt

VfB im Trainingslager in Marbella
Bruno Labbadia erklärt seinen Profis im Trainingslager, wie der VfB in Zukunft spielen soll. © Simeon Kramer

4-3-3. Das ist nicht etwa eine Safe-Kombination, sondern das neue Spielsystem des VfB Stuttgart. Im Trainingslager in Marbella wird ersichtlich, dass Bruno Labbadia sein Team in dieser Formation auf den Rasen schicken will. Doch warum wählt der neue Trainer gerade dieses Spielsystem? Und was sind die Vor- und Nachteile? Wir klären auf.

Automatismen und klare Abläufe: Der VfB-Plan von Bruno Labbadia

Pellegrino Matarazzo, der alte Trainer des VfB Stuttgart, betonte immer: Wichtig sei nicht das Spielsystem, in der die Mannschaft auf dem Platz steht – sondern dass die Spieler ihre Aufgaben auf dem Feld kennen. Manchmal bot der Italo-Amerikaner daher eine Vierer-, manchmal eine Dreierkette auf. Mal zwei Sechser, mal ein Dreier-Mittelfeld. Mal zwei Stürmer, mal nur eine Spitze. Kurzum: Pellegrino Matarazzo ließ viel rotieren.

Natürlich ist es Bruno Labbadia auch wichtig, dass die Profis ihre Rollen auf dem Rasen kennen. Der erfahrene Coach setzt im Gegensatz zu Matarazzo aber auf ein festes Spielsystem und wechselt dieses selten: die 4-3-3-Formation. Im Trainingslager in Marbella wird das besonders ersichtlich. Beim 3:0-Erfolg im Testspiel gegen den FC Sion ließ Labbadia in diesem System spielen. Auch im Training teilt der Coach seine Mannschaft immer wieder in Defensive und Offensive. Beide Positionsgruppen üben dann Abläufe und Automatismen in dieser Formation.

Überhaupt sind Bruno Labbadia Automatismen sehr wichtig. Die Profis sollen auf dem Rasen, ohne groß nachdenken zu müssen, die richtigen Entscheidungen treffen. Daher lässt der 56-Jährige in Marbella ausschließlich im 4-3-3 trainieren. Laut Waldemar Anton trägt das Training bereits erst Früchte: „Gestern im Spiel konnte man schon einige Abläufe sehen, die wir uns in den vergangenen Wochen erarbeitet haben. Wenn sich Automatismen entwickelt haben, erleichtert das viele Dinge im Spiel. Das ist das Entscheidende.“

Warum 4-3-3? Labbadia will die Stärken des VfB-Kaders nutzen

Doch warum lässt Bruno Labbadia in dieser Formation spielen? Ganz einfach: Weil er es für das beste System für den VfB hält. Seit seiner Ankunft in Stuttgart betont der Trainer, dass er schauen wolle, was die Mannschaft leisten kann und was mit dem Kader möglich ist. Er wolle die Mannschaft in kein System pressen, dass nicht zu ihr passt. Und offenbar ist nach den ersten Wochen die Erkenntnis: Dieser VfB soll im 4-3-3 spielen.

Das wichtigste Element dieser Formation: Die Spieler müssen eine hohe Laufbereitschaft und viel Einsatz mitbringen. Anders als unter Matarazzo, der oft mit Wingbackern spielte, gibt es keine klassischen Flügelspieler im 4-3-3. Die beiden Dreierketten im Mittelfeld und Angriff müssen ständig rotieren, auf die Flügel ausweichen und ihre Positionen tauschen. Somit soll die Abwehr des Gegners auseinandergezogen und Lücken gefunden werden.

Waldemar Anton: "Es ist ein gutes System für uns"

Ein weiterer Kniff: Lässt sich Wataru Endo für den Spielaufbau zwischen die Innenverteidiger fallen, rücken die Außenverteidiger hoch auf. Damit soll das Spielgeschehen in die Breite und Höhe verlagert werden. Das bedeutet wiederum: Die beiden Dreierketten in Mittelfeld und Angriff müssen mehr ins Zentrum rücken. Dort können sie Überzahl schaffen und durch flinkes Umschalten schnell vors Tor kommen.

Der einzige Haken am neuen Spielsystem: Arbeiten die beiden Dreierketten nicht konzentriert nach hinten mit, ist die Viererkette auf sich allein gestellt. Da es in dem Spielsystem keine klassischen offensiven Außenbahnspieler gibt, müssen Mittelfeld und Angriff gegen den Ball viel auf die Flügel ausweichen. Das bedeutet für Endo, Ahamada, Millot und Co.: Laufarbeit, Laufarbeit, Laufarbeit. Dass die VfB-Profis gerade in den Laufstatistiken die hinteren Plätze in der Bundesliga belegen, hat Labbadia erkannt. Er lässt seine Spieler daher aktuell intensiv schuften, damit das System umsetzbar ist.

Passt die 4-3-3-Formation dann wirklich zum VfB? „Es ist ein offensives System“, meint Waldemar Anton. „Es ist wichtig, dass man sich viel bewegt, ständig in Bewegung ist.“ Und genau darin sieht der Abwehrchef die große Stärke des VfB-Kaders. „Wir haben viele laufstarke Spieler im Zentrum.“

Scheint also, als würde diese Formation zu dem VfB-Kader passen. Das bestätigt auch Waldemar Anton: „Es ein gutes System für uns.“ Ob die Mannschaft mit dem Spielsystem auch unter Wettkampfbedingungen klar kommt, zeigt sich am 21. Januar - beim Heimspiel gegen den FSV Mainz.