VfB Stuttgart

Warum auf Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart eine Herkulesaufgabe wartet

Bruno Labbadia
VfB-Trainer Bruno Labbadia. © Danny Galm

19 Spieltage hat der VfB Stuttgart noch, um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zu sichern. Bruno Labbadia wurde von der Vereinsführung mit dieser Mission betraut. Und hat keine Zeit zu verlieren. In den kommenden Wochen muss er die Fitness verbessern, die Defensive stabilisieren und der Offensive zu mehr Schlagkraft verhelfen - eine Herkulesaufgabe.

Testspiel-Pleite gegen FC Luzern liefert viele Erkenntnisse 

Spätestens nach dem ersten Vorbereitungsspiel mit seiner neuen Mannschaft dürfte Bruno Labbadia klar sein, wie kompliziert die Rest-Saison in der Bundesliga werden könnte. Beim 0:3 gegen den Schweizer Erstligisten FC Luzern gab es nur wenige Lichtblicke auf dem Rasen, dafür umso mehr Arbeitsaufträge für den neuen Trainer, seine Assistenten und das Team.

„Das Spiel hat noch einmal ein paar Sachen an den Tag gebracht, die uns als Erkenntnisse für die nächsten Tage und Wochen helfen“, sagte Labbadia in der Nachbetrachtung. Vier Kernprobleme des VfB im Überblick: 

Fitness: Grundstock für den Marathon legen

Nach einer ersten intensiven Trainingswoche unter Labbadia wirkten die Stuttgarter gegen Luzern mitunter kraftlos, geradezu ausgepumpt. In der Folge entwickelte sich vor rund 400 Zuschauenden eine zähe Partie. Spielerisch blieb gegen spritzige und gut organisierte Schweizer Vieles Stückwerk, es fehlten Power und Überzeugung. An diesen Grundlagen soll nun gearbeitet werden.

Labbadia will in der Winter-Vorbereitung den Grundstock für die verbleibenden Spiele legen. Denn: Das Projekt Klassenerhalt ist kein Sprint, sondern ein Marathon. „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die immer dran war. Und da müssen wir hinkommen“, sagt Labbadia. Dafür benötigt es seiner Ansicht nach „einen großen Input“: „Die Phase jetzt müssen wir nutzen, damit wir später im April und Mai die Reserven haben, um mithalten zu können.“

Defensive: Stabilität und Struktur sind gefragt

„Billige Gegentore“ habe seine Mannschaft gefressen. Auch die Keeper Florian Müller und Fabian Bredlow gaben bei zwei Luzern-Treffern keine gute Figur ab. Unbestritten ist: 27 Gegentore in den bisherigen 15 Saisonspielen sind zu viel. Und einer der Hauptgründe für die brisante Tabellensituation. In allen Mannschaftsteilen - aber besonders in der Abwehr - muss Labbadia das Team besser verzahnen. Mehr Stabilität und Struktur sind gefragt. 

Stichwort: Grundordnung. Luzern konterte den VfB in der zweiten Halbzeit gleich mehrfach mit einfachsten Mitteln aus. Das Defensivverhalten im Mannschaftsverbund muss dringend verbessert werden - gerade nach Ballverlusten. Und eine sattelfeste und vor allen Dingen konstante Nummer eins kann auch nicht schaden. Ohne die Stabilität in der Hintermannschaft lässt sich schließlich kein schlagkräftiges Offensivspiel aufziehen.

Offensive: Mehr Durchschlagskraft und Wucht entwickeln

Tempo, Tiefenläufe und Timing - gegen Luzern und in der Runde waren diese Elemente im Stuttgarter Angriffsspiel meist nur selten zu beobachten. Insgesamt mangelte es den VfB-Offensiven all zu oft an Struktur und Zielstrebigkeit. Auch hier muss Labbadia nachschärfen, Laufwege besser koordinieren und Abläufe einstudieren. Mehr Durchschlagskraft und Wucht sind das Ziel.

Eine Rolle spielen dabei auch Positionsspiel, Passschärfe und das Spieltempo. „Manchmal halten oder treiben wir den Ball zu lange“, monierte Labbadia nach dem Luzern-Test. Ebenfalls will er die „Grundlage schaffen, dass die Spieler ihr Tempo besser ausnutzen können.“ Mit anderem Worten: Die Waffen auf dem Flügel sollen endlich wieder mehr Torgefahr ausstrahlen. Ob das gegen Luzern aufgebotene 4-1-4-1-Grundordnung dafür die richtige Wahl ist? Noch hat Labbadia Zeit für Experimente. 

Auch deshalb wird das Trainingslager in Spanien um vier Tage verlängert. Statt wie ursprünglich geplant am 6. Januar, wird der VfB-Tross nun schon am 2. Januar nach Marbella aufbrechen.

Führungsspieler: Gesucht werden Säulen

„Wir müssen die wenigen Tage, die wir haben, nutzen. Ohne Aktionismus, einfach mit einem klaren Plan“, sagt Labbadia, der in den letzten Tagen bereits viele Einzelgespräche geführt hat. Mit dem Mannschaftsrat hat er sich auch schon ausgetauscht, offene Kommunikation ist dem 56-Jährigen wichtig: „Was erwarten sie von uns, und was erwarten wir von ihnen.“ 

Gesucht werden Säulen, die ein tragfähiges Fundament für die Unternehmung Klassenerhalt bilden. Dafür müssen Labbadia und seine Assistenten zügig ein Gefühl für die Hierarchie und die Stimmung im Kader bekommen. Und dann die richtigen Weichen stellen. Behält zum Beispiel Mittelfeldmotor Endo die Kapitänsbinde? „Wataru ist ein sehr wichtiger Spieler im Kader. Wir werden sehen, ob er das Amt behält“, sagte Labbadia dazu bei seiner offiziellen Vorstellung

Keineswegs ausgeschlossen ist dabei, dass die Schwaben auf dem Winter-Transfermarkt aktiv werden. Laut dem kicker ist der VfB bei der Suche nach einem erfahrenen Mittelfeldstrategen auf den Wolfsburger Joshua Guilavogui gestoßen. Der 32-Jährige hat fast 200 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, spielt beim VfL aktuell aber nur eine Nebenrolle. Beim VfB könnte er als Stabilisator an der Seite von Endo zum Einsatz kommen. Zumal Labbadia den Franzosen noch aus gemeinsamen Tagen am Mittelland-Kanal kennt.