VfB Stuttgart

Ultras beziehen Stellung zur Ausgliederung

VfB Stuttgart gegen Dynamo Dresden, 02.04.2017_0
Die Fans des VfB Stuttgart wollen am Sonntag gemeinsam vom Bahnof Bad Cannstatt aus zur Stuttgarter Arena marschieren. © Danny Galm

Stuttgart.
Die Rückkehr des VfB Stuttgart in die Bundesliga steht kurz bevor und auch der Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung (1. Juni, 18:30 Uhr) rückt immer näher. Die Vereinsführung wirbt schon seit Wochen offensiv für die geplante Ausgliederung, aber Teile der Mitglieder stehen den Ausgliederungsplänen immer noch skeptisch gegenüber.

„Wird der Wichtigkeit des Themas nicht gerecht“

Jetzt hat sich die größte Stuttgarter Ultra-Vereinigung, das „Commando Cannstatt 97“, mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Die Ultras beziehen in einem am Mittwoch auf ihrer Homepage veröffentlichten Schreiben klar Position: Das „CC97“ will keineswegs als „Fortschrittsverweigerer“ auf dem Weg in die Zukunft wahrgenommen werden, kritisiert aber klar und deutlich die Alternativlosigkeit der Ausgliederungspläne und die Marketingkampagne im Vorfeld der Mitgliederversammlung. Auch fürchten Sie die Reduzierung der Teilhabe der e.V.-Mitglieder an einer AG und einen von Investoreninteressen gesteuerten VfB.

„Aus unserer Sicht wird der aktuelle Wahlkampf mit seinen Verkürzungen, der Alternativlosigkeit und den Emotionen der Wichtigkeit des Themas schlichtweg nicht gerecht“, so die Ultras in der am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme.

Möglichkeiten der Einflussnahme reduzieren

Die Ultras sehen es aufgrund diverser in Auftrag gegebenen Gutachten (u.a. vom FSV Mainz 05 und Rot-Weiß Essen) als erwiesen, dass jede Form der Ausgliederung dazu dient, die Möglichkeiten der Einflussnahme durch die Mitglieder zu reduzieren.

„Aus unserer Sicht verringern sich damit die Mitbestimmungsmöglichkeiten der VfB-Mitglieder in Bezug auf den Profifußball deutlich“, so das „CC97“ in ihrer Stellungnahme. Bei ihrer Argumentation greifen die Ultras auf ein Gutachten zurück, das Fachanwälte und Steuerberater 2016 für den FSV Mainz 05 angefertigt hatten.

„Einseitige Meinungsmache“ und „billige Wahlkampfslogans“

Dort wurden Rechtsformen sowie Chancen und Risiken einer Ausgliederung beleuchtet. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass „jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

Kritik gibt es auch an der Marketingkampagne des Vereins im Vorfeld der außerordentlichen Mitgliederversammlung: Die Kampagne sei von der Vereinsführung „einseitige Meinungsmache“ mit „billigen Wahlkampfslogans und materiellen Anreizen zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung“ (jedes Mitglied bekommt auf der MV ein aktuelles Trikot geschenkt).

Warum ausgerechnet eine AG?

Äußerst kritisch setzen sich die Ultras auch mit der geplanten Rechtsform einer AG auseinander. Ihr Verdacht: Eine Aktiengesellschaft (AG) diene vorrangig den Interessen der Investoren. „Die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat wird quasi erkauft und von Wahlen und Entlastungen unabhängig gemacht“, so der Vorwurf der Ultras.

Im deutschen Profifußball haben aktuell 31 Vereine ihre Profiabteilung ausgegliedert. Nur 15 Vereine haben dabei Anteile in Form einer AG an ihren Tochtergesellschaften verkauft. Hier stellt sich das „CC97“ die Frage, warum es denn ausgerechnet eine AG sein soll? Die Ultras vermissen eine Debatte, im Zuge derer umfassende Informationen über echte Alternativen die Mitglieder in die Lage versetzt, „konstruktiv Verantwortung zu übernehmen.“

Eine schlüssige Argumentation, warum die Ausgliederung in Form einer AG vollzogen werden soll, bleibt der Vorstand nach Meinung der Ultras schuldig. Das „Commando Cannstatt 97“ kommt zu dem Schluss, dass „die VfB-AG seit Jahren der Wunsch von Vorstand und Aufsichtsrat ist, da sie auf Investoreninteressen zugeschnitten ist.“