VfB Stuttgart

Veruntreuung von Vereinsgeldern beim VfB? Staatsanwaltschaft prüft Strafanzeige

Rainer Adrion und Claus Vogt
Rainer Adrion (li.) und Claus Vogt sitzen im Präsidium des VfB Stuttgart. © Simeon Kramer

Im Umfeld des VfB Stuttgart bleibt es weiter unruhig. Aus dem Ärger über mutmaßliche Satzungsverstöße zweier Vereinsbeiräte resultierten bislang zwei Rechtsgutachten, zwei Rücktritte – und jetzt prüft auch noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Anzeige. Im Raum steht der Vorwurf der möglichen Veruntreuung von Vereinsgeldern. Wie reagieren die Behörde und der VfB? 

Das sagt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft

Gestellt hat die Anzeige nach Informationen der Stuttgarter Zeitung Ende 2022 ein VfB-Mitglied aus Ulm. Gerichtet ist sie demnach gegen das dreiköpfige Vereinspräsidium um Präsident Claus Vogt sowie Christian Riethmüller und Rainer Adrion.

Die Behörde bestätigte am Freitag (20.01.) den Eingang auf Nachfrage unserer Redaktion. „Zunächst möchte ich vorwegschicken, dass wir Namen von Verfahrensbeteiligten weder nennen noch bestätigen können“, so ein Sprecher der Behörde. „Das Verfahren befindet sich damit noch im Stadium der Vorprüfung, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Aus diesem Grund ist es aktuell nicht möglich, weitere Auskünfte zum Verfahren zu erteilen.“

Ob es tatsächlich zu einer Anklage kommt, ist aktuell unklar. Derzeit sei zudem nicht absehbar, wie lange die Vorprüfung dauern wird, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Zumal die Strafanzeige wohl bereits im November bei der Behörde eingegangen ist, der Vorgang aber erst jetzt an die Öffentlichkeit kam. Ist das Ganze also Teil einer Kampagne gegen die Vereinsführung? Für gehörig medialen Wirbel sorgte es allemal. Auch die Bild-Zeitung schoss in dieser Woche nach langer Zeit einmal wieder scharf gegen den Präsidenten Vogt.

Von Seiten des VfB heißt es auf Anfrage: „Weder eine Anzeige noch eine Ermittlungsanfrage der Staatsanwalt ist beim VfB Stuttgart eingegangen. Zu einer Strafanzeige, die wir inhaltlich nicht kennen, können wir uns nachvollziehbarerweise nicht äußern. Sollte es dabei jedoch, wie in den Medien vermutet wird, um den Vorwurf gehen, das Präsidium habe zum Schaden des e.V. Leistungen von Marc Nicolai Schlecht als Mannschaftsarzt durch den e.V. bezahlt, obwohl er eigentlich für die AG tätig gewesen sei, dann weisen wir diesen Vorwurf vollumfänglich zurück.“ 

Mutmaßlicher Satzungsverstoß von Marc Nicolai Schlecht

Zum Hintergrund: Die Strafanzeige steht laut Stuttgarter Zeitung im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Satzungsverstoß von Vereinsbeirat Marc Nicolai Schlecht. Der war als Mannschaftsarzt für die 1. Frauenmannschaft tätig. Da diese aber rückwirkend zum Juli 2022 vom VfB e. V. in die VfB AG ausgegliedert wurde, gibt es Probleme.

Laut Vereinssatzung ist es nicht erlaubt, „ehrenamtliche oder bezahlte Tätigkeit oder Funktion innerhalb der VfB Stuttgart 1893 AG oder deren Tochtergesellschaften“ ausüben (Paragraf 12, Absatz 8). Interessenskonflikte sollen dadurch vermieden werden.  

Ein vom ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Pierre-Enric Steiger in Auftrag gegebene Rechtsgutachten thematisierte ebene jene Konstellation. Anfang November 2022 wurde es an Präsident Claus Vogt übergeben, der den Vereinsbeirat kurze Zeit später informierte. 

Zwei Rücktritte im Vereinsbeirat

Ein wiederum vom Präsidium beauftragtes Gutachten kam zu dem Schluss, dass Schlecht keinen Satzungsverstoß begangen habe. „Die Tätigkeit von Dr. Marc Nicolai Schlecht für die 1. Frauenmannschaft des VfB Stuttgart erfolgte als externe Dienstleistung und ist vom in der Satzung gemeinten Verbot einer Doppeltätigkeit für AG und e.V. nicht erfasst“, hieß es in einer Stellungnahme. „Um jegliche Diskussionen zu vermeiden, beendet er dennoch seine Tätigkeit für die 1. Frauenmannschaft.“

Der Umgang mit der gesamten Thematik, in die auch der Vereinsbeirat Andre Bühler involviert ist, sorgte intern wohl für viele Diskussionen. Letztlich traten Susanne Schosser und Martin Bizer Anfang dieser Woche sogar aus dem Gremium zurück