VfB Stuttgart

VfB-Jahresauftakt gegen Mainz: Am Wasen schlägt die Stunde der Pragmatiker

Fußball VfB Stuttgart vs. FSV 05 Mainz
Bruno Labbadia ist nach zwei Jahren Pause in der Bundesliga zurück. © Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart ist am Samstag (21.01.) mit einem 1:1 gegen Mainz ins neue Jahr gestartet. Das erste Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia taugt als Ouvertüre für einen langen Kampf um den Klassenerhalt. Chancenlos sind die Schwaben dabei keineswegs. Weil die Konkurrenz keine Wunder vollbringt. Und Labbadia liefert, wofür er geholt wurde.

Wer Labbadia holt, bekommt keine Wundertüte

„Ich hoffe, dass wir eine unfassbare Unterstützung bekommen, weiß aber auch, dass der Funke erst mal von uns als Mannschaft kommen muss“, hatte Labbadia vor seiner Rückkehr auf die Stuttgarter Trainerbank gesagt. Ob sein eher auf Sicherheit bedachter Fußball diese funkensprühende Wirkung entfalten kann? 

Die Fans dürfen sich jedenfalls in den kommenden Monaten auf zweckmäßigen Ergebnisfußball einstellen. Wer Labbadia holt, bekommt keine Wundertüte. Und will diese auch überhaupt nicht. Am Cannstatter Wasen schlägt die Stunde der Pragmatiker. Das Ergebnis steht ohne jeden Zweifel über dem Erlebnis. 

Gegen Mainz gab es jetzt zum Jahresauftakt immerhin einen Zähler. „In diesem Abstiegskampf kann jeder Punkt wichtig sein“, sagte Labbadia im Nachgang. Die 45.903 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena wussten nach dem phasenweise biederen 1:1 gegen den FSV allerdings nicht so recht, was sie mit dem ersten Spiel der Mannschaft unter dem neuen Trainer anfangen sollten. Vereinzelte Pfiffe gab es, die vorherrschende Regung nach dem Schlusspfiff war allerdings Stille. Der Funke war an diesem Spieltag noch nicht übergesprungen.

Dabei war wohl kein Fan war bei eisigen Temperaturen mit falschen Erwartungen ins Stadion gekommen. Viel zu deutlich hatte Labbadia im Vorfeld der Partie betont, dass man „einen Marathonlauf“ vor sich habe: „Wir müssen darauf eingestellt sein, dass es bis zum letzten Spieltag ein heißes Rennen wird.“ 

Das lief beim VfB gut gegen Mainz

Der Auftritt gegen die Rheinhessen lieferte aber auch positive Anknüpfungspunkte: Im neuen Spielsystem (4-3-3) ließen die Weiß-Roten kaum gegnerische Torchancen zu. Vor allem in der Box kamen die Mainzer quasi nicht zum Abschluss. In dieser Hinsicht wirkte Labbadia bereits. Diese neue Stabilität ging allerdings auf Kosten der Offensive. Dort fehlten gerade in Halbzeit eins Tempo, Ideen und Durchschlagskraft. 

Immerhin deutete Stürmer Serhou Guirassy an, welchen Wert er noch für die Mannschaft haben kann. Ein Tor, ein Latten-Treffer, dazu zwei Großchancen. Er war der auffälligste und gefährlichste VfB-Profi an diesem grauen Nachmittag. Abzug gab es lediglich im für Stürmer nicht unwichtigen Bewertungsbereich „Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor“.

„Wir wissen, dass wir noch Luft nach oben haben“, bilanzierte Labbadia anschließend: „Es gibt einen Grund, warum wir da stehen, wo wir stehen“. Er äußerte sich nach dem Auftakt in die Restsaison auch positiv. „Ich bin zufrieden, dass wir viele Sachen so umgesetzt haben, wie ich es erwartet habe“, sagte der 56-Jährige. Und: „Ich glaube, dass wir die drei Punkte einen Ticken mehr verdient gehabt hätten.“

Der VfB ist mit seinen 15 Punkten aus den ersten 16 Spielen keineswegs chancenlos im Kampf um den Klassenerhalt. Dazu ist es zum einen viel zu früh in der Saison und zum anderen vollbringt die Konkurrenz keine Wunder: Schalke (9) kommt weiter nicht vom Fleck. Bochum (16) feierte zwar einen wichtigen Heimsieg, katapultierte dafür aber die Hertha (14) in den roten Bereich. 

Der Weg zur Heim-Festung ist noch ein weiter

Zwölf ihrer bisher 15 Zähler haben die Schwaben in dieser Saison vor eigenem Publikum geholt. In der Baustellen-Arena ist das Team in der Liga seit vier Spielen (drei Siege, ein Remis) ungeschlagen. Darauf lässt sich aufbauen. Wenn der Weg zur von Labbadia geforderten „Festung“ auch noch ein weiter ist. Auch weil der VfB gegen Mainz im 30. Heimspiel in Folge nicht ohne Gegentor blieb. 

Jetzt müssen die Stuttgarter ohnehin dreimal in Folge in der Fremde ran. In der Bundesliga warten die Duelle mit Hoffenheim (24.01.) und Leipzig (27.01.), im Pokal gehts nach Paderborn (31.01.). Und auf einen Bundesliga-Auswärtssieg warten die VfB-Fans seit fast mittlerweile fast 14 Monaten. 

„Wir wollten gegen Mainz mit unseren Grundtugenden überzeugen und das haben wir auch getan. Dazu gehört die Laufbereitschaft, eine hohe Sprintfähigkeit und die gegenseitige Unterstützung“, befand Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Für mehr Siege in der Zukunft würden er gerne Joshua Guilavogui vom VfL Wolfsburg als neue Stütze im Mittelfeld verpflichten. Und in der kommenden Woche könnte es dem neuen Kaderplaner gelingen, den Wunschspieler von Labbadia an den Neckar zu lotsen.

Weiter gefragt nach notwendigen Einkäufen, die bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar möglich wären, antwortete er: „Mit meinen sehr positiven Eindrücken sehe ich nach dem Spiel weniger Bedarf als vorher.“