VfB Stuttgart

Warum Sven Mislintat gehen muss und wie es jetzt beim VfB Stuttgart weitergeht

Sven Mislintat
Der VfB Stuttgart trennt sich von Sportdirektor Sven Mislintat. © David Inderlied

Sportdirektor Sven Mislintat ist weg, der neue Cheftrainer noch nicht gefunden: Mitten im Abstiegskampf ist es mit der einst angestrebten Kontinuität beim VfB Stuttgart endgültig vorbei. Mit der Trennung von Mislintat steht der Traditionsverein vor einem weitreichenden Neuanfang und sucht neben dem künftigen Chefcoach nun auch einen neuen Sportdirektor. Woran sind die Verhandlungen mit Mislintat letztlich gescheitert und wie geht es jetzt weiter?

Bis wann beim VfB Klarheit herrschen soll

Nach der Hängepartie um Mislintat ebenso wie in der Zukunftsfrage um Interimscoach Michael Wimmer sollen die zentralen Führungspositionen bis zum Trainingsauftakt am 12. Dezember besetzt werden, kündigte der VfB am Mittwoch (30.11.) an.

Die Gespräche mit Mislintat hatten sich gezogen, ein Abschied hatte sich allerdings seit Längerem angedeutet. Der noch bis zum  30. Juni 2023 laufende Vertrag wurde nun mit sofortiger Wirkung aufgelöst. «Ein aus Sicht des VfB absolut marktgerechtes Angebot» habe der 50-Jährige, einst bei Borussia Dortmund und FC Arsenal angestellt, nicht angenommen. «Die Verhandlungen jetzt zu beenden, ist eine gemeinsame Entscheidung aller Verantwortlichen», sagte der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle. 

Wehrles Vorgänger Thomas Hitzlsperger hatte Mislintat im Frühjahr 2019 zum VfB gelockt. Mit ihm und dem im Oktober freigestellten Trainer Pellegrino Matarazzo hatte Mislintat einst ein erfolgreiches Trio gebildet. Dass ihm seine weitreichenden Kompetenzen, die ihm Hitzlsperger gestattet hatte, wichtig sind, hatte Mislintat nicht verheimlicht.

Woran die Verhandlungen letztlich gescheitert sind

Der Verantwortungsbereich dürfte nun ein zentraler Faktor dafür gewesen sein, dass sich der gebürtige Dortmunder nach «mehrtägigen» Gesprächen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat verabschiedet.

Nach «Kicker»-Informationen war entscheidend, dass Mislintat auf eine Klausel aus seinem bisherigen Vertrag bestand, dass er das letzte Wort in allen sportlichen Belangen habe. Das Streichen dieser Klausel soll für Wehrle unverhandelbar gewesen sein. Mislintat wiederum soll auf sein Vetorecht bei Transfers und in Sachen Trainer bestanden haben.

Noch während der Verhandlungen musste sich Mislintat gefallen lassen, dass medial Hannovers Sportdirektor Marcus Mann und Greuther Fürths Geschäftsführer Rachid Azzouzi als potenzielle Nachfolger gehandelt wurden und werden. «Wir haben in unseren Gesprächen keinen gemeinsamen Nenner für eine Fortsetzung meiner Tätigkeit beim VfB gefunden», ließ sich Mislintat zitieren: «Ich bedauere das sehr, weil mir der VfB in den vergangenen Jahren zu einer echten Herzensangelegenheit geworden ist, und ich gerne weiter meinen Teil zu einer positiven Entwicklung dieses großen Vereins beigetragen hätte.»

Das von Mislintat zusammengestellte Team der Schwaben entwickelte sich nach der Rettung vor dem nächsten Abstieg am letzten Spieltag der vergangenen Saison allerdings in den vergangenen Monaten nicht wie erhofft. Seine Transferpolitik wurde zuletzt kritischer betrachtet, als es Mislintat lange beim VfB gewohnt war. Bei vielen Fans erfreute er sich dennoch trotz der schwierigen sportlichen Situation großer Popularität.

Das Verhältnis zu Wehrle galt dagegen als belastet, seitdem der Vorstandsvorsitzende den sportlichen Bereich ohne Rücksprache breiter aufgestellt und die Ex-Weltmeister Sami Khedira und Philipp Lahm als Ratgeber geholt hatte. Der frühere VfB-Kapitän Christian Gentner soll vom 1. Januar 2023 an als Leiter der Lizenzspielerabteilung anfangen. 

Diese Trainer-Kandidaten werden gehandelt

Wie es nun beim Tabellen-16. weitergeht? Die Ankündigung, in weniger als zwei Wochen einen neuen Trainer und einen Sportdirektor präsentieren zu können, lässt sich auch so deuten, dass sich der Verein schon intensiver mit der Nachfolge-Regelung beschäftigt hat. Vielmehr haben muss.

Die Zeit drängt. Matarazzo war bereits vor gut sieben Wochen darüber gestolpert, dass der VfB in dieser Saison so lange wie noch nie auf den ersten Sieg warten musste. Interimstrainer Michael Wimmer hatte vor der WM-Pause für sechs Bundesliga-Spiele übernommen, davon die drei Heimspiele gewonnen und ist einer der Kandidaten.

Früh gehandelt - und nach Informationen unserer Redaktion weiter im Rennen, aber mit schlechten Karten - sind zudem der vereinslose Jess Thorup und Alfred Schreuder von Ajax Amsterdam. Auch über eine mögliche Rückkehr von Bruno Labbadia wurde beim Pay-TV-Sender Sky zuletzt spekuliert. Der Name des ehemaligen Stürmers hält sich jedenfalls hartnäckig rund um den Wasen. Das Portal t-online.de meldete die Labbadia-Rückkehr nach Bad Cannstatt bereits als fix, die Entscheidung soll laut dem Artikel am Donnerstag (01.12.) offiziell verkündet werden. Auch die Bild-Zeitung berichtete von ersten Gesprächen.

Wer könnte neuer Sportdirektor werden?

Sinnvollerweise klärt der Klub jedoch zunächst die Position des neuen Sportdirektors. Die Namen Sami Khedira (aktuell Vorstandsberater und WM-Experte für die ARD) sowie Horst Heldt (aktuell vereinslos) spielen dabei nach ZVW-Informationen keine Rolle. 

Azzouzi und Mann wurden bereits intern diskutiert, konkret gesprochen wurde mit den Zweitliga-Managern aber noch nicht. Was sich in den nächsten Tagen - jetzt da in der Causa Mislintat Klarheit herrscht - aber ändern könnte. Womöglich setzt Sportvorstand Wehrle allerdings auch auf eine interne Lösung: Markus Rüdt (Direktor Organisation) oder Thomas Krücken (NLZ-Direktor) könnten befördert werden.  

Sven Mislintat zum FC Liverpool?

Derweil gibt es bereits Medienberichte, wonach Sven Mislintat nach seinem Aus in Stuttgart seinem alten Kumpel Jürgen Klopp auf die Insel folgen könnte. Laut Sky ist er einer der Kandidaten auf den Sportdirektoren-Posten beim FC Liverpool, der zur neuen Saison frei werden wird. In England war Mislintat bereits von 2017 bis 2019 beim FC Arsenal tätig. Vorerst wolle er sich jedoch eine Auszeit nehmen, um im neuen Jahr wieder anzugreifen.