Waiblingen

Brand im Bürgerzentrum: Polizeibekannter Brandstifter gesteht die Tat

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Die Aufnahmen der Überwachungskamera zeigen den 22-jährigen Tatverdächtigen. © Danny Galm
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Die Pressekonferenz auf dem Polizeirevier in Waiblingen. © Sarah Utz
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Die Pressekonferenz auf dem Polizeirevier in Waiblingen. © Sarah Utz
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Die Aufnahmen der Überwachungskamera zeigen den 22-jährigen Tatverdächtigen. © Danny Galm

Waiblingen. Ein sehr schneller Ermittlungserfolg nach dem Brand des Bürgerzentrums: Die Polizei nimmt weniger als 24 Stunden nach der Tat einen jungen Mann fest. Der 22-Jährige gesteht.

Der Tatverdächtige, ein 22-Jähriger aus Waiblingen, hat bereits am Mittwochabend (29.3.) kurz nach der Festnahme gestanden, das Bürgerzentrum in Brand gesetzt zu haben. Bei der Auswertung des Videomaterials einer Überwachungskamera war ein Mann zu sehen, der zwischen 21 und 22.30 Uhr mit einem Feuerzeug die Müllcontainer angezündet hatte. Erst nach Mitternacht breitete sich das Feuer aus. In der Tiefgarage fanden die Ermittler einen Fingerabdruck. Bereits 25 Minuten später spuckte der Computer ein Ergebnis aus. Der Brandstifter ist bereits wegen einschlägiger Delikte wie Brandstiftung und Sachbeschädigung polizeibekannt. "Der Vergleich der Videoaufnahmen aller Überwachungskameras ließ nur einen Schluss zu," so Kripochef Reiner Möller. Ein derartig schneller Ermittlungserfolg war nur durch die vielen klaren Indizien möglich, die sich durch die Überwachungsvideos wie Puzzleteile zusammensetzten.

Bei der Pressekonferenz (hier geht's zum Liveticker und zum Livevideo) zeigte die Polizei ein Bild einer Überwachungskamera, auf dem der Tatverdächtige eindeutig zu erkennen ist.

Bild: Rot markiert ist die Flamme aus dem Müllcontainer, der Täter entfernt sich bereits vom Tatort  Quelle: PP Aalen

Die Aufnahme zeigt den 22-Jährigen unmittelbar neben dem Müllcontainer. Auf weiteren Aufnahmen sei sogar der Lichtschein der Flamme aus dem Feuerzeug des Täters zu sehen. Offenbar brauchte der Mann mehrere Versuche das Material zu entzünden. Ob er dabei Brandbeschleuniger verwendete ist noch nicht bekannt, dazu sind weitere kriminaltechnische Untersuchungen nötig. 

Keine Angaben zum Motiv

Bislang machte der Festgenommene keine Angaben zu seinem Motiv. Heute Nachmittag wird er am Amtsgericht einem Haftricher vorgeführt. Es entscheidet sich dann, ob der Waiblinger in eine JVA oder in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt wird. Dass die Polizei bereits jetzt Angaben zu einer möglichen Schuldunfähigkeit macht, lässt den Schluss zu, dass es hierfür bereits einen begründeten Verdacht gibt. 

Die Katastrophe hätte nach Angaben der Polizei verhindert werden können, wenn der Brand rechtzeitig entdeckt worden wäre. Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, dass Flammen bereits Stunden vor dem Großbrand aus dem Müllcontainer loderten. Da die Wohnung des Hausmeisters auf der anderen Seite des Gebäude liegt, bemerkte dieser den entstanden Rauch nicht. Der genaue Zeitpunkt der Brandstiftung muss von den Ermittlern noch ausgewertet werden - nicht alle Kameras waren bereits auf Sommerzeit umgestellt.

Heute Nachmittag wird das umfangreiche Videomaterial gesichtet. Danach berichtet die Polizei über das weitere Vorgehen. 

Zu den Sicherheitsmaßnahmen

Über den Inhalt und die Sicherung der Container konnte die Polizei derzeit noch keine Angaben machen. Der Bereich sei nicht für Fußgänger freigegeben. Vermutlich waren deshalb die Container nicht zusätzlich gesichert. Offen sei die Frage, welche weiteren Sicherheitsmaßnahmen im Zuge des Wiederaufbaus getroffen werden. Die romantische Ecke an der Erleninsel könne dann unromantisch werden - oder öffentlich, sagte Oberbürgermeister Hesky.

Der Wiederaufbau des Bürgerzentrums

Hesky versprach: "Unsere ganze Kraft gilt dem Wiederaufbau des Bürgerzentrums." Es sei eine große Herausforderung, das Bürgerzentrum bald möglichst wieder in Betrieb zu nehmen. Um die Arbeiten nicht zu behindern, bittet die Stadt darum, das Gelände nicht zu betreten. Fachingenieure hätten das Gebäude zusammen mit OB Hesky besichtigt, es sei allerdings noch unklar, wann mit der Wiedereröffnung gerechnet werden könne. Höchste Priorität hätten die Rems-Stuben und die Büroräume im Bürgerzentrum. Raumluftmessungen werden zur Zeit durchgeführt, die Auswertung der Messdaten dauert einige Tage.

Derzeit steht die Schadenshöhe noch nicht fest, laut OB Hesky wird sie auf einen Betrag zwischen zwei und fünf Millionen Euro geschätzt. Durch die Hitze wurden Teile des Betons gesprengt. Zudem sei unklar, wie viel vom Dach noch entfernt werden müsse. Die Stadt hofft beim Wiederaufbau auf einen ähnlich schnellen Erfolg wie den der Polizei.

Was mit den privaten Veranstaltungen passiert

Für Veranstaltungen, die in der nächsten Zeit im Bürgerzentrum geplant waren, werden Ausweichlokalitäten gesucht. Zwei Opern, die am Wochenende stattfinden, sind kurzfristig in die Schwabenlandhalle nach Fellbach umgezogen. Eine Hochzeit kommt am Wochenende in der Mensa des Berufschulzentrums unter. Die Stadt versucht allen Betroffenden zu helfen. Dazu wurde eine eine Hotline eingerichtet. Unter Telefon 07151/5001-2650 oder -2648.

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Mit einem Live-Video und -Ticker berichteten wir von der Pressekonferenz: Live: Pressekonferenz zur Festnahme eines Tatverdächtigen 

Nach weniger als 24 Stunden verhaftet die Poilzei den Täter: Großbrand im Bürgerzentrum: Schneller Ermittlungserfolg der Polizei

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Die Tätersuche läuft auf Hochtouren, während am Bürgerzentrum bereits aufgeräumt wird: Brand im Bürgerzentrum: Die Aufräumarbeiten haben begonnen

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Ein Überblick mit interaktiver Grafik: Brand im Bürgerzentrum: Überblick

Von der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag tickerten wir live über die Erkenntnisse der Polizei: Liveticker: Pressekonferenz zum Brand im Bürgerzentrum