Waiblingen

Brand im Bürgerzentrum: Schäden zeigen sich nach und nach

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Brand Aufräumen
Die Aufräumarbeiten beim Bürgerzentrum dauern noch längere Zeit an. © Buettner / ZVW
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Brand Bürgerzentrum
Das Dach des Bürgerzentrums nach dem Brand. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Nachdem das Wasser getrocknet ist, zeigen sich nun nach und nach die Schäden nach dem Brand im Bürgerzentrum. Doch noch immer steht die Stadt am Anfang der Schadenserhebung, so Oberbürgermeister Andreas Hesky bei einem Pressegespräch. „Es ist ein großes und komplexes Gebäude“, sagt Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Betroffen seien deshalb alle Bereiche – auch die, in denen es nicht gebrannt hat.

Nein, nicht das ganze Bürgerzentrum ist in Flammen aufgegangen, wie manche schon irrtümlich meinten, doch der Schaden nach der Brandstiftung ist immens. Jeden Tag ist das Baudezernat vor Ort, zusammen mit der Versicherung und dem Brandsanierungsunternehmen B&B werden die Schäden gesichtet, es wird geräumt und gereinigt.

Dach über Regie und Lager ist abbruchreif 

Inzwischen ist das abgebrannte Dach über der Bühneneinfahrt entfernt, Teile des Dachs sind mit einer Plane gesichert. Abbruchreif ist auch das Dach über Regie und Lager.

„Wir müssen gegenüber der Versicherung rechtfertigen, was an Mobiliar rausgeworfen wird“

Im gesamten Gebäude wird das Inventar gesichtet. Im Ghibellinensaal wurde über dem vom Wasser betroffenen Parkett ein provisorisches Zelt gespannt, damit die Trocknungsgeräte effektiv arbeiten können. Die Stühle im großen Saal werden im Laufe der kommenden Woche gereinigt. „Wir müssen gegenüber der Versicherung rechtfertigen, was an Mobiliar rausgeworfen wird“, erklärt die Baubürgermeisterin.

Provisorisches Büro für den Remsstuben-Betreiber

Im Bereich des Büros des Restaurants Remsstuben, des Lagers und der Küche mussten weite Teile der Decken nach dem Wasserschaden entfernt werden. Im angrenzenden Kindergarten Krautgässle, der derzeit leer steht, soll Remsstuben-Pächter Michael Herbst ein provisorisches Büro bekommen.

Pächter denkt an Küchen-Lkw

Durch das gemeinsame Leitungs- und Lüftungsnetz konnten die Rauchgase ins gesamte Gebäude gelangen. Während die Remsstuben vom Brand nicht betroffen sind, wird die Küche noch länger nicht zu nutzen sein. Bitter für den Pächter, der nach Angaben der Baubürgermeisterin deshalb mit dem Gedanken spielt, einen Küchen-Lkw aufzustellen, sobald er sein Restaurant wieder in Betrieb nehmen kann. Zudem werde von Seiten der Verwaltung versucht, die Küche so schnell wie möglich instand zu setzen.

Ausmaß der Verwüstung nach Ostern klarer 

Nach Ostern wird nach Einschätzung der Verwaltung das Ausmaß der Verwüstung klarer sein. Ungeduldig seien alle, aber die Schäden, die jetzt nicht erkannt werden, sagt Hesky, gingen später zulasten der Stadt. Fest steht schon jetzt: Durch Rauchgase und Löschwasser wurden die Leitungen angegriffen, Korrosionen und Beeinträchtigungen habe man bereits festgestellt, sagt Michael Gunser, Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudemanagement. Ein Statiker begleitet den Abbruch und untersucht die betroffenen Bauteile. Immerhin: Wie’s aussieht, ist die Standfestigkeit des Gebäudes nicht betroffen, „augenscheinlich sieht’s gut aus“, meint Gunser.

„Unser Ziel ist es, jede Veranstaltung stattfinden zu lassen“

In der Zwischenzeit ist das vom Brand ebenfalls schwer getroffene Kultur- und Sportamt im Feuerwehrhaus untergekommen. Dort ist es derzeit vor allem damit beschäftigt, Ausweichräumlichkeiten für die Events zu finden, die im Bürgerzentrum nicht stattfinden können. „Unser Ziel ist es, jede Veranstaltung stattfinden zu lassen“, sagt Fachbereichsleiter Thomas Vuk. Dabei werde auf Räume und Hallen in der Stadt zurückgegriffen, aber auch Angebote von Kirchen, freien Trägern und aus Nachbarkommunen liegen vor. In Einsatz kommt laut Vuk auch an anderen Spielstätten das ganze Bürgerzentrumspersonal, „von der Technik bis zur Abendkasse“. Dadurch sollten sich nicht nur die Kunden zu Hause fühlen, es solle auch ein Signal an die Mitarbeiter sein, deren Arbeitsplätze nicht gefährdet seien: „Wir fühlen uns verpflichtet, die Arbeitsverhältnisse fortzusetzen“, versichert Hesky.

Der Brandstifter befindet sich noch im Polizei-Gefängnis auf dem Hohenasperg

Unterdessen befindet sich der 22-jährige Mann aus Waiblingen, der die Tat eingeräumt hat, noch immer im Polizei-Gefängnis auf dem Hohenasperg. Dort wird derzeit die Frage einer möglichen Schuldunfähigkeit geprüft. „Die Untersuchung dauert an“, sagte Staatsanwalt Jan Holzner. Erst in einigen Wochen wird klar sein, ob aus dem Haftbefehl ein Unterbringungsbefehl wird und der Mann in die Psychiatrie gebracht wird.


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„Keine Schnellschüsse“ bei Videoüberwachung

Eine Sprinkleranlage war im Bürgerzentrum nicht Teil des Brandschutzes, und sie sei gesetzlich auch nicht vorgeschrieben gewesen, sagt der Waiblinger Feuerwehrkommandant Jochen Wolf. Das Bürgerzentrum habe an der Bühne aber eine Sprühwasserlöschanlage, die nach Ausbruch des Feuers bewusst ausgeschaltet worden sei. „Im Ghibellinensaal gab es kein Feuer, aber Verrauchung. Die Gefahr war, dass diese die Anlage auslöst. Dadurch wäre der Schaden größer gewesen.“

Dass der Täter, ein 22-jähriger Mann aus Waiblingen, so schnell überführt werden konnte, ist Videoaufnahmen aus zwei Überwachungskameras zu verdanken. In Sachen Videoüberwachung warnt Oberbürgermeister Andreas Hesky aber vor Schnellschüssen. Überwachungskameras gebe es in Waiblingen derzeit nur in privatem Raum. Dazu gehörten auch die Tiefgaragen. „Wir sind nicht berechtigt, öffentliche Plätze zu überwachen.“ Kameras dürften im öffentlichen Raum nur installiert werden, wenn eine konkrete Gefahr vorliege. Nach dem Brand hatte Andreas Hesky den Mauergang in der Altstadt für eine mögliche Videoüberwachung ins Spiel gebracht. Dieser Standort müsste aber erst sorgfältig geprüft werden, zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Überwachung nicht möglich. „Bitte nicht überreagieren“, mahnt Hesky. „Man muss ein Mittelmaß finden.“