Waiblingen

Wie Bürokratie Wärmepumpen bremst: Auszeichnung für ZVW-Redakteur Daniel Hertwig

ZVW-Redakteur Daniel Hertwig mit Ausdrucken von zwei der preisgekrönten Artikel.
ZVW-Redakteur Daniel Hertwig mit Ausdrucken von zwei der preisgekrönten Artikel. © Ana Brucker

Waiblingen. Wenn Baurecht und Bürokratie die Energiewende ausbremsen: Davon hat ZVW-Redakteur Daniel Hertwig in drei Artikeln über Wärmepumpen in Waiblingen berichtet. Beim „ Deutschen Preis für Klimajournalismus 2026“ ist er nun dafür ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte seine intensive Recherche zu den Hürden, die den Einbau von Wärmepumpen für Hausbesitzer unnötig erschweren.

Durch die Untiefen der Baugesetzgebung

Zum dritten Mal wurde am Donnerstag der mit insgesamt 7.500 Euro dotierte „Deutsche Preis für Klimajournalismus“ vergeben. Daniel Hertwig, stellvertretender Leiter der Lokalredaktion Waiblingen, erhielt dabei den zweiten Preis in der Kategorie „Lokal“. „Ohne Wärmepumpen ist die Heizwende nicht zu schaffen, doch unlogische baurechtliche Vorgaben machen die Installation für Hausbesitzer in der Stadt Waiblingen absurd kompliziert. Diesen bürokratischen Irrsinn auf Kosten des Klimas und der Verbraucher deckte Daniel Hertwig in aufwendiger Recherche auf“, erklärt Aline Pabst (Netzwerk Klimajournalismus Deutschland). „Dafür watete der Redakteur durch die Untiefen der deutschen Baugesetzgebung, die selbst manche Experten nicht kannten. Mit der Artikelreihe liefert er ein hervorragendes Beispiel für alles, was guten Lokaljournalismus ausmacht: Präsenz vor Ort, Gespür für relevante Themen, gründliche Recherche und beharrliches Dranbleiben.“

Konkret ausgezeichnet wurden folgende Artikel, die zwischen Januar und Mai 2026 in der Waiblinger Kreiszeitung und auf zvw.de erschienen sind: „ Wärmepumpen im Vorgarten? Waiblinger mussten das nachträglich absegnen lassen“, „ Wärmepumpe vs. Bebauungsplan: Können die Vorschriften gelockert werden?“ und „ Wärmepumpen im Vorgarten: Handwerk begrüßt geplante Lockerung von Bebauungsplänen“.

Verantwortung der Medien stärken

Der Deutsche Preis für Klimajournalismus wurde 2024 vom Netzwerk Klimajournalismus Deutschland e.V. und Netzwerk Recherche ins Leben gerufen. In diesem Jahr wurde er erstmals im Rahmen und in Kooperation mit dem Extremwetterkongress vergeben. Ziel ist es, die Verantwortung der Medien bei der Bekämpfung von Ursachen und Folgen der Klimakrise hervorzuheben. Mit diesem Preis sollen besonders gelungene Beiträge gewürdigt und sichtbar gemacht, ihre Autoren und Autorinnen gestärkt und die Qualität des Klimajournalismus in Deutschland insgesamt gefördert werden. Ermöglicht wird der Preis in diesem Jahr durch Spenden zahlreicher Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen.

Hauptpreis: Der Streit um Grundwasser in Brandenburg

Der erste Platz in der Hauptkategorie geht an die freien Journalistinnen Antonia Groß und Elena Matera für ihr Rechercheprojekt zu Grundwasser in Brandenburg, erschienen in der „wochentaz“. „Die beiden sind auf eigene Faust und mit wenig Ressourcen einer der wichtigsten Fragen unserer Zeit nachgegangen: Wem gehört das Wasser, wenn es in Zeiten der Klimakrise immer knapper wird, und wie gehen wir damit um? Dies lässt sich nirgendwo in Deutschland besser beobachten als im trockensten Bundesland Brandenburg und dem kleinen Ort Baruth, wo Red Bull eine neue Fabrik plant”, erklärt Celine Weimar-Dittmar vom Netzwerk Klimajournalismus Deutschland.

Mit dem zweiten Platz wurde das Team von Spiegel, ZDF und „paper trail media“ für eine Recherche zu Schwefelhexafluorid in Bad Wimpfen ausgezeichnet. Hans Koberstein, Frederik Obermaier, Tanjev Schultz, Sophia Stahl und Andreas Weise berichteten über eine Chemiefirma in Baden-Württemberg, die jahrelang über 500-mal mehr Schwefelhexafluorid emittiert haben soll als offiziell gemeldet. SF₆ gilt als das klimaschädlichste Treibhausgas der Welt, ein Kilo entspricht rund 24 Tonnen CO₂. Die Reportage „Das große Tauen“ von Christof Gertsch in der Süddeutschen Zeitung würdigte die Jury mit dem dritten Platz in der Hauptkategorie. Das Tauen des Permafrosts wird hier in Text, Bild, Grafik, Satellitenaufnahmen und jeder Menge Expertise erklärt.

Wie Städte sich dem Klimawandel anpassen müssen

In der Kategorie „Lokal“ erreichte Sarah Schlüter von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung mit der Serie „Hitzestadt Duisburg“ den ersten Platz. „Sarah Schlüter hat mit diesem Gesamtpaket einfach alles richtig gemacht: Sie stellt mit Zahlen und Fakten den Ist-Zustand in Duisburg und die drohende Entwicklung dar, erklärt, wieso manche Stadtviertel besonders vulnerabel sind und zeigt konkrete Lösungen auf. Ganz nebenbei schuf sie mit ihrer Serie eine Blaupause für andere Lokaljournalisten, die über Hitzeschutz in ihrer eigenen Stadt berichten wollen“, sagt Frank Böttcher, Organisator des Extremwetterkongresses und Juror.

Der undotierte Ehrenpreis für langjähriges außergewöhnliches Engagement wurde an den ZDF- Wettermoderator und Meteorologen Özden Terli vergeben. Insgesamt wurden in diesem Jahr über 100 Beiträge eingereicht.

Natürlich ruht sich unser Kollege Daniel Hertwig auf der wohlverdienten Auszeichnung nicht aus. Neben all’ den vielen anderen Dingen, um die er sich im Redaktionsalltag kreativ und gewissenhaft kümmert, bleiben Wärmepumpen für ihn ein wichtiges Thema, das viele Menschen beschäftigt. So sind beispielsweise dieser Tage ein Artikel über die Waiblingerin Sabine Zeiner und ihre Erfahrungen beim Einbau einer Wärmepumpe im Altbau und ein weiterer über unterschiedliche reale Beispiele aus der Stadt erschienen.

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