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„Berserker-Clan“: Mann aus Esslingen soll rechtsextremer Gruppe angehört haben

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Die Generalstaatsanwaltschaft (GSTA) Berlin ermittelt aktuell gegen insgesamt 15 Personen, denen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Einer der Beschuldigten kommt aus Esslingen am Neckar. Das bestätigte ein Sprecher der GSTA Berlin auf Nachfrage unserer Redaktion.

„Die Beschuldigten sollen sich unter Führung des in Berlin wohnhaften Hauptbeschuldigten zu einer rechtsextremistischen Vereinigung mit dem Namen ‚Berserker Clan‘ zusammengeschlossen haben“, schreibt die GSTA Berlin in einer aktuellen Pressemitteilung. Nach dpa-Informationen sollen die mutmaßlichen Mitglieder zwischen 26 und 55 Jahre alt sein. 

Vorbereiten auf „Tag X“: Parallelen zu Gruppe S und Nordkreuz

In der Kommunikation der Gruppe, die laut GSTA-Sprecher unter anderem über Chats lief, soll insbesondere die Vorbereitung auf einen „Tag X“ immer wieder eine Rolle gespielt haben. Damit soll „ein bewaffneter Aufstand gegen die bestehenden Strukturen in Deutschland“ gemeint gewesen sein.

Auch von Schusswaffen sei teilweise die Rede gewesen. Es geber aber bislang "keinen Hinweis auf Feindeslisten oder andere konkrete Ziele", so der Sprecher auf Nachfrage.

Der „Tag X“ spielt in der Geschichte rechtsextremen Terrors eine wichtige Rolle. Zuletzt wurde er vor allem mit der Prepper-Gruppe „Nordkreuz“ oder der sogenannten „Gruppe S“ in Verbindung gebracht, die sich ebenfalls auf einen Systemsturz vorbereitet haben sollen.

Hausdurchsuchungen: Waffen, Munition und Drogen

Unter Führung des Landeskriminalamts Berlin wurden am Mittwoch (20.10.) an insgesamt 14 Adressen Durchsuchungen durchgeführt. Die betreffenden Objekte befinden sich in den Bundesländern Berlin, Schleswig-Holstein, Hessen – und Baden-Württemberg. Dabei waren etwa 130 Polizeibeamte im Einsatz.

Dabei seien Schusswaffen, Schreckschusswaffen, Munition, Hieb- und Stichwaffen, Datenträger, Devotionalien der Vereinigung sowie Betäubungs- und Dopingmittel beschlagnahmt worden. Diese sollen nun untersucht und ausgewertet werden.

Die Facebook-Seite: Nordische Mythologie und Blutvergießen

Auf der Facebook-Seite des Berserker-Clans, die zum Zeitpunkt der Recherche noch frei zugänglich war, finden sich zahlreiche Bezüge zur nordischen Mythologie. So zeigt das Logo der Gruppe einen Mann mit Wikingerhelm und Axt. Als „Berserker“ wurden in nordischen Sagen wild kämpfende Männer bezeichnet.

Neben Bildern, auf denen zum Teil mutmaßliche Mitglieder im Achselshirt mit Gruppen-Logo zu sehen sind, finden sich auf der Seite martialische Texte: „Durch Blutvergießen verkünden die Götter ihren Willen“. Oder „stähle Körper und Geist für die nächste Schlacht“. Oder: „Seid gegrüßt meine Waffenbrüder. Heute ist ein schöner Tag. Da könnte man Berserker Zeugen oder Feinde erschlagen. Stattdessen wird gefrühstückt.“ Zwinker-Emoji.

Ein Sprecher der GSTA Berlin bestätigte auf Nachfrage, dass die Facebook-Seite Teil der Ermittlungen sei. 

Ermittlungen laufen seit einem Jahr

Wie die dpa von einem GSTA-Sprecher erfuhr, laufen die Ermittlungen gegen die Gruppe wohl schon seit einem Jahr. Ausgangspunkt seien Zeugenhinweise gewesen. 

Nach Informationen des Vereins „Democ“, der demokratiefeindliche Bewegungen beobachtet, sollen Mitglieder der Gruppe sich am 29. August an einer „Querdenker“-Demonstration in Berlin beteiligt haben. Ein Foto, das der Verein auf Twitter veröffentlichte, zeigt Männer, die Kleidung mit dem Logo des „Berserker-Clan“ tragen zwischen Demonstrierenden, die teils Reichsflaggen schwenken.

Laut Berliner Tagesspiegel sei der Berserker-Clan „zerstritten und offenbar kaum zu gemeinsamen Aktionen fähig“. Das könne erklären, „warum die Generalstaatsanwaltschaft nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt“.