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Corona, Grippe oder Erkältung: Wie gefährlich ist Sport nach Infekten?

Joggen Jogging Laufen
Symbolfoto. © Daniel Reche/ Pixabay.com

Grippe, Corona, das RS-Virus oder eine "normale" Erkältung - in diesem Winter kursieren besonders viele Atemwegsinfekte. Doch wann darf man bei oder nach einer Erkältung oder Grippe eigentlich wieder mit dem Sport beginnen? Und wie? Prof. Dr. Thomas Nordt, der ärztliche Direktor der Kardiologie des Klinikums Stuttgart gibt Tipps.

Wie lange sollte man sich nach einer Erkältung schonen?

"Zunächst einmal ist Sport gut für das Herz-Kreislauf-System, die Organe und das allgemeine Wohlbefinden", sagt Prof. Dr. Thomas Nordt.  "Es wäre sehr schade, wenn jemand, der sich beispielsweise gerade erst zum regelmäßigen Sport motiviert hat, nach einem grippalen Infekt wieder ganz mit dem Training aufhört." Bei Krankheit, egal welcher Art, sollte man den Körper jedoch nicht zusätzlich belasten, sonst riskiere man eine Verschlimmerung der Symptome. Aber: "Sobald man sich wieder wohlfühlt und  die Krankheitssymptome fast oder ganz verschwunden sind, kann man mit einem moderaten Training beginnen", sagt Nordt. 

Wie sollte man nach einem Infekt mit dem Training beginnen? 

"Es geht um einen moderaten Beginn, bei dem man gut auf seinen Körper achtet", betont Nordt. Habe man vor dem Infekt beispielsweise täglich 30 Minuten Jogging absolviert, sollte man mit etwa 5 bis 10 Minuten täglichem Training beginnen. Dabei sollte man jedoch genau auf seinen Körper achten: Gradmesser sei, ob man sich nach dem Training gut fühle. "Ist man erschöpft, war es zu viel, geht es einem gut, kann man am Folgetag das Training steigern", erklärt Nordt. Falscher Ehrgeiz sei jedoch absolut fehl am Platz, auch Leistungssportler sollten sich nicht überfordern. 

Kann man bei leichtem Schnupfen Sport machen?

"Wenn die Nase nur minimal läuft und kein Krankheitsgefühl vorhanden ist, kann man ein moderates Training absolvieren", erklärt Nordt.

Wann riskiert man eine Herzmuskelentzündung?

Laut Prof. Dr. Nordt ist es eine Fehlannahme, dass eine Myokarditis, also eine Herzmuskelentzündung, durch verschleppte grippale Infekte hervorgerufen werde. "Eine Myokarditis entsteht zum Glück nur selten und wenn, dann schicksalhaft nach einem Infekt", betont Nordt. Sie entstehe unabhängig davon, ob man einen Infekt verschleppt oder auskuriert habe, ob Symptome spürbar gewesen seien oder nicht. "Wenn man eine Myokarditis nicht erkennt und wieder mit dem Training beginnt, riskiert man schwerwiegende Herzprobleme", sagt Nordt. Das seien etwa gefährliche Herzrhythmusstörungen.

Wie kann man eine Herzmuskelentzündung erkennen? 

"Eine Herzmuskelentzündung ist eine sehr seltene Komplikation nach einem Infekt, die wie gesagt schicksalhaft entsteht", erklärt Nordt. Wenn man eine plötzliche Kurzatmigkeit bemerke, wenn die Leistungsfähigkeit im Gegensatz zum Normalzustand stark eingeschränkt sei, könnte das auf eine herabgesetzte Pumpleistung des Herzens aufgrund einer Myokarditis hindeuten. "Auch ein starkes Herzklopfen oder -stolpern sind vielleicht Indizien", sagt Nordt. Dann sollte man einen Arzt aufsuchen. Eine Myokarditis könne mittels Langzeit-EKG, Ultraschall-Screening oder sogar Kernspintomographie festgestellt werden. Ein Blutbild mit unauffälligen Entzündungswerten sei hingegen kein zuverlässiges Mittel, um eine Myokarditis auszuschließen.

Wie sollten denn gesunde Menschen trainieren?

"Regelmäßiger Ausdauersport ist gesunden Menschen in jedem Fall zu empfehlen. Dadurch steigt die Lebensqualität und die Gesundheit", betont Nordt. Optimal seien fünfmal in der Woche etwa 30 Minuten Ausdauersport - am besten eine Sportart, "die Spaß macht". Die Belastung sollte dabei  an die eigenen körperlichen Fähigkeiten angepasst werden. Beim Joggen etwa, sollte man sich nebenbei noch unterhalten können. 

Wie wichtig ist es, dass bereits Kinder Sport machen?

"Kinder zum Sport zu motivieren ist unglaublich wichtig. Denn viele Krankheiten in späteren Lebensjahren sind auf Bewegungsmangel in der Kindheit zurückzuführen", sagt Nordt. Der Anteil von adipösen Kindern steige leider von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Herausfinden zu dürfen, welche Sportart ihnen Spaß mache und Eltern als Vorbild, die etwa selbst Sport betreiben und im Alltag auch mal das Auto stehenlassen, seien wichtig, um Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren. Oder: "Meine Wunschvorstellung wäre auch, das Fach "Gesundheit" fest in den Lehrplänen zu etablieren", sagt Nordt. Dann könnten Kinder alle relevanten Fragen in der Schule lernen, etwa "Was passiert mit meinem Körper, wenn ich rauche?", "Welche Folgen haben zu viele Süßigkeiten?" oder auch "Warum ist Sport so wichtig?".

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