VfB Stuttgart

Der Baumeister und sein Bessermacher: Wie Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo den VfB stabilisiert haben

Pellegrino Matarazzo und Sven Mislintat
Die prägenden Gesichter des VfB Stuttgart: Cheftrainer Pellegrino Matarazzo und Kaderplaner Sven Mislintat. © Danny Galm

Dass sich der VfB Stuttgart nach wechselvollen Jahren wieder stabilisiert hat, liegt vor allem an der Arbeit von Sportdirektor Sven Mislintat und Trainer Pellegrino Matarazzo. Die beiden Fußball-Experten liegen auf einer Wellenlänge und davon profitiert der Traditionsverein aus Bad Cannstatt nachhaltig. Auch in der neuen Saison soll diese positive Entwicklung fortgesetzt und so der Fahrstuhl zwischen 1. und 2. Bundesliga endgültig gestoppt werden.

Ein kongeniales Duo

Der studierte Mathematiker aus New Jersey und das Diamantenauge aus Westfalen bilden ein kongeniales Duo. Sie sind der Baumeister und sein Bessermacher: Mislintat bastelt Jahr für Jahr einen Kader zusammen, den der Trainer durch seine inhaltliche Arbeit auf dem Platz und seine Art der Mannschaftsführung kontinuierlich weiterentwickelt.

Sven Mislintat
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. © Danny Galm

Die Liste der von Mislintat entdeckten und von Matarazzo auf die nächste Stufe gebrachten Profis ist lang. Sie reicht von Tanguy Coulibaly über Silas bis hin zu Sasa Kalajdzic. Und mit Mohammed Sankoh (17), Ömer Beyaz (17) und Naouirou Ahamada (19) steht die nächste Reihe junger Talente bereits in den Startlöchern.

Eine Wette auf die Zukunft

Dabei ist die Strategie der Schwaben auch in diesem Jahr wieder eine Wette auf die Zukunft. Mit all ihren Chancen und Risiken. Wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit im DFB-Pokal sind zudem die Personalsorgen groß. Drei Spieler - darunter Top-Torjäger Kalajdzic - fehlen aufgrund einer Corona-Infektion.

Dazu kommen zahlreiche verletzte und angeschlagene Kicker sowie mit Mittelfeldspieler Wataru Endo das Herz des Stuttgarter Spiels. Der Japaner verpasste die komplette Vorbereitung, weil er bei Olympia im Einsatz ist. Erst im Lauf der nächsten Woche wird er zurückerwartet, also immerhin noch rechtzeitig zum Bundesliga-Auftakt gegen den Aufsteiger aus Fürth am 14. August.

Berg- und Talfahrt soll gestoppt werden

Für die neue Saison gilt dabei das Ziel aus der vergangenen Runde: Klassenverbleib. Nicht mehr und nicht weniger. Die Berg- und Talfahrt der letzten Jahre soll endlich gestoppt werden. Abstieg 2016, Aufstieg 2017, 7. Tabellenplatz 2018,  Abstieg 2019, Aufstieg 2020 - und was wartet nun nach dem souveränen Ligaverbleib in der Saison 2020/21 auf die weiß-rote Anhängerschaft?

Das Auf und Nieder der 2010er Jahre hat jedenfalls neben all den sportlichen und wirtschaftlichen Folgen auch zu einem Imageverlust geführt. Schwabens Fußballstolz landet in einer aktuellen Studie von Sportfive und Statista zur Beliebtheit der deutschen Proficlubs nicht einmal unter den Top Ten. Bei einer ähnlichen Untersuchung aus dem Jahr 2010 war der VfB noch auf dem 7. Platz gelandet (Im Ranking damals übrigens auf Rang 1: Werder Bremen).

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Eine ganze Schar junger Fußballfans kennt den VfB nicht mehr als Stammgast in der Königsklasse, der ab und zu um die deutsche Meisterschaft mitspielt, sondern verbindet mit dem 128 Jahre alten Verein aus Bad Cannstatt eine klassische Fahrstuhlmannschaft, die zwischen dem fußballerischen Unter- und Oberhaus hin- und herpendelt.

Ob diese Entwicklung nun endgültig gestoppt worden ist, bleibt abzuwarten. Auch als die Schwaben 2018 unter Trainer Tayfun Korkut und Sportvorstand Michael Reschke als Aufsteiger auf einem sensationellen 7. Tabellenplatz ins Ziel kamen, wähnten viele Fans ihren Herzensverein wieder auf dem richtigen Weg. Im Jahr darauf folgte allerdings der erneute Abstieg.

Coach und Kaderplaner liegen auf einer Wellenlänge

Immerhin sind inzwischen mit Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo zwei Männer in der Verantwortung, die allem Anschein nach wissen, wie man den Stopp-Knopf drückt und aus dem Fahrstuhl aussteigt. Die Zusammenarbeit in den letzten beiden Jahren hat funktioniert. Coach und Kaderplaner liegen auf einer Wellenlänge und haben die bisherigen Zielsetzungen immer erfüllt. 

Pellegrino Matarazzo
Trainer Pellegrino Matarazzo. © Danny Galm

Darüber hinaus vertreten die beiden den VfB hervorragend in der Öffentlichkeit: Fachwissen gepaart mit Eloquenz sowie Sympathie, Glaubwürdigkeit und Transparenz. Unlängst zu beobachten im Umgang mit der „Identitätsklärung“ von Stürmer Silas, der jahrelang unter falschem Namen und Alter auf Torejagd gegangen war.

Warum Tabellenplatz 15 ein Erfolg wäre

Die Chance, auch in der neuen Runde die Klasse zu halten, ist jetzt allen Widrigkeiten zum Trotz groß. Die Liga scheint machbar, die nötige Qualität im Kader ist vorhanden und die sportliche Fürhungscrew gibt sich im Gegensatz zu den Verantwortlichen (und Spielern) in der Abstiegssaison 18/19 keinen Illusionen hin.

Wurde für Wolfgang Dietrich, Michael Reschke und Co. gedanklich schon die Champions-League-Hymne in der Mercedes-Benz-Arena abgespielt, so herrscht in der aktuellen Führungsriege ein angenehmer Realismus. Beendet die Mannschaft im Mai 2022 die Runde auf dem 15. Tabellenplatz, wird das als Erfolg gewertet werden. Übrigens auch vom berühmt-berüchtigten „schwierigen Umfeld“ rund um den Verein.

Zudem sprach der Sportdirektor seinem Cheftrainer bereits voller Überzeugung eine Jobgarantie aus. „Pellegrino Matarazzo ist der Beste, den wir haben können“, sagt Mislintat. Zur Not gehe man mit dem 43 Jahre alten Fußballlehrer auch in die 2. Liga. „Egal, wo wir stehen, und selbst, wenn wir absteigen, ist und bleibt Rino unser Trainer.“ Wobei alle Beteiligten den erneuten Gang in die Zweitklassigkeit selbstverständlich gerne vermeiden würden.