VfB Stuttgart

Ein kompletter Torhüter: Warum Gregor Kobel der beste VfB-Keeper seit Timo Hildebrand ist

Fußball VfB Stuttgart vs. VfL Wolfsburg
Torhüter Gregor Kobel zeigte bei der 0:2-Niederlage der Schwaben in Leipzig unglaubliche Paraden. © Pressefoto Baumann

Gregor Kobel bewahrte sich und seine Teamkollegen am Sonntag in Leipzig vor einer derben Klatsche. Der Torwart des VfB Stuttgart hielt die 0:2-Niederlage mit etlichen Glanzparaden halbwegs in Grenzen. Für viele Fans ist der Schweizer der beste Stuttgarter Torhüter seit dem 2007er Meister-Keeper Timo Hildebrand. Der 23-Jährige könnte die Schwaben in der nächsten Saison sogar als Kapitän auf den Platz führen, weckt mit seinen bärenstarken Leistungen aber auch das Interesse anderer Clubs.

„Bälle gehalten, die auch nicht jeder Torwart hält“

Ob mit dem Fuß gegen Haidara (52.) und Sörloth (57.) oder mit einer spektakulären Doppelparade gegen Angelinho und Dani Olmo (63.): Der VfB-Schlussmann hielt gegen RB Leipzig nahezu alles, was auf seinen Kasten kam - und sein Team, das nach einer Roten Karte für Ahamada fast 75 Minuten in Unterzahl spielen musst, lange Zeit im Spiel. „Heute kamen gute Bälle für mich, ich kam gut ins Spiel rein“, gab Kobel nach dem Abpfiff bescheiden zu Protokoll.

Einzig einen platzierten Haidara-Kopfball (46.) und einen abgebrühten Forsberg-Elfer (67.) musste er ohne Abwehrchance passieren lassen. „Greg hat ein ausgezeichnetes Spiel gemacht“, lobte Trainer Pellegrino Matarazzo anschließend. Und auch RB-Coach Julian Nagelsmann zollte dem gegnerischen Keeper Respekt: „Gregor Kobel hat ein tolles Spiel gemacht und Bälle gehalten, die auch nicht jeder Torwart hält.“

Ein kompletter Keeper: Was Gregor Kobel so stark macht

Der 23 Jahre alter Schweizer hat sich längst zu einer festen Größe in der Mannschaft entwickelt. In allen bislang 31 Bundesliga-Spielen stand Kobel zwischen den Pfosten. Mit lauten Kommandos und konstant guten Leistungen ist er ein Anker geworden, er gibt der jungen Truppe Halt. Viele Fans und Beobachter sehen in Kobel den besten VfB-Torhüter seit dem 2007er Meister-Keeper Timo Hildebrand.

Was den gebürtigen Züricher vor allem von seinen zahlreichen (teils glücklosen) Vorgängern im VfB-Kasten unterscheidet, ist seine Ausstrahlung. Die leeren Stadien in Corona-Zeiten ermöglichen es jedem Zuschauer, klar und deutlich Kobels Kommandos zu verstehen. Wobei der Schweizer mit seiner beeindruckend tiefen Stimme wohl auch in der vollbesetzten Mercedes-Benz-Arena vom Fünfmeterraum aus ein Bier im Oberrang der Cannstatter Kurve bestellen könnte.

Zudem ist Kobel ein kompletter Torwart. Er dirigiert nicht nur seine Vorderleute, sondern ist auch sicher mit dem Ball am Fuß und beherrscht die gesamte Palette des Torhüter-Handwerks aus dem Effeff. Auf der Linie ist er reaktionsschnell und sprunggewaltig, im Strafraum hat er aufgrund seiner 1,94 Meter Körpergröße die Lufthoheit. Und auch in der Königsdisziplin der Keeper, dem Eins-gegen-Eins mit dem gegnerischen Stürmer, geht der athletische Goalie häufig als Sieger hervor. 

Neben dem Platz sammelt der Torhüter ebenfalls Sympathiepunkte. Kobel meditiert und liest viel, am liebsten Biografien. „Etwas für den Kopf tun“, nennt das der bodenständige Profi. In Anbetracht seiner stabilen Saison mit einigen Highlight-Spielen mutet es beinahe grotesk an, dass Kobel schon 51 Gegentore schlucken musste. Einzig Schalke (76) und Köln (56) rangieren in dieser Statistik hinter dem VfB. 

Wird Kobel nächste Saison der neue VfB-Kapitän?

Da die Weiß-Roten mit ihren 39 Punkten allerdings nicht mehr in die rote Zone rutschen können, darf der Blick guten Gewissens bereits auf die neue Spielzeit gerichtet werden. Dann muss Trainer Matarazzo wieder einmal die sogenannte K-Frage lösen, also einen neuen Kapitän benennen oder von der Mannschaft wählen lassen.

Kopie (2) von VfB Stuttgart - Erzgebirge Aue 08.02.2020_1
Die klare Nummer eins: VfB-Keeper Gregor Kobel. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro wird den Verein im Sommer verlassen, ein neuer Spielführer muss also her. Mit seiner Erfahrung aus 31 Zweitliga- und mittlerweile 48 Bundesliga-Spielen zählt Kobel in der blutjungen VfB-Truppe fast schon zu den alten Hasen. Aber nicht nur deshalb gilt der Torhüter als einer der ersten Anwärter auf den Kapitänsposten für die neue Spielzeit.

Hitzlsperger: „Niemand ist unverkäuflich“

Die Leistungen der laufenden Saison und seine bereits gezeigten Führungsqualitäten untermauern seinen Anspruch. Sie machen den ehrgeizigen Schlussmann jedoch auch interessant für andere Clubs. Ob der VfB seine Nummer eins halten kann? Ungewiss. Kobel fühlt sich allerdings wohl in Stuttgart und hat beim VfB den Sprung in die Schweizer A-Nationalmannschaft geschafft.

Die Chancen für einen Verbleib stehen also nicht schlecht. Auch wenn Sportvorstand Thomas Hitzlsperger am Montag in einem kicker-Interview sagte: „Niemand ist unverkäuflich.“ Die Schmerzgrenze im Fall von Gregor Kobel (Vertrag bis 2024) dürfte in jedem Fall eine extrem hohe sein. In Stuttgart wissen sie schließlich ganz genau, was sie an ihrem Torwart haben.

Stuttgarter Stammkeeper seit Timo Hildebrand

  • Raphael Schäfer (2007 bis 2008)
  • Jens Lehmann (2008 bis 2010)
  • Sven Ulreich (2010 bis 2015)
  • Przemysław Tyton (2015 bis 2016)
  • Mitch Langerak (2016 bis 2017)
  • Ron-Robert Zieler (2017 bis 2019)
  • Gregor Kobel (seit 2019)