VfB Stuttgart

VfB-Nachwuchs in Marbella: So zeigen sich Egloff, Kastanaras, di Benedetto & Co.

Lilian Egloff
So richtig zufrieden kann VfB-Profi Lilian Egloff mit seinen Auftritten in Marbella bislang nicht sein. © Simeon Kramer

Über fehlende Eigengewächse kann sich der VfB Stuttgart aktuell nicht beschweren. Mit Lilian Egloff, Samuele di Benedetto, Thomas Kastanaras, Florian Schock und Leon Reichardt sind aktuell fünf Youngsters in Marbella dabei. Mit dem vorzeitig abgereisten Laurin Ulrich (Grippe) wären es sogar sechs. Wie schlagen sich die Jungprofis im Trainingslager? Welches Eigengewächs sticht heraus und macht auf sich aufmerksam? Der Nachwuchs-Check.

Lilian Egloff: Ist er der Unvollendete aus dem VfB-Nachwuchs?

Lilian Egloff hat eine schwere Zeit hinter sich: Immer wieder wurde er von Verletzungen gebremst – was oft als Grund angeführt wurde, warum es noch nicht zum Durchbruch gereicht hat. Doch seit Monaten ist der Heilbronner fit, absolvierte eine starke Sommervorbereitung und stand immer wieder vor dem Sprung in die Startelf. Gereicht hat es dafür bislang aber nicht. Ex-Trainer Pellegrino Matarazzo erklärte das vor allem mit den taktischen Schwächen des 20-Jährigen.

Doch wie es aktuell aussieht, reicht es auch unter Bruno Labbadia nicht für den nächsten Schritt. „Ich denke, dass er eine Schippe zulegen muss. Das ist wichtig“, mahnt der erfahrene Trainer. „Wenn du jetzt ein bisschen gierig bist, dann kriegst du die Position. Es ist eine Chance für den Jungen, die nur in seiner Hand liegt. Er hat alle Möglichkeiten, sofort zu spielen“, so Labbadia.

Obwohl die Chance auf einen Stammplatz wohl so groß war wie noch nie, konnte Egloff im Trainingslager bislang nicht überzeugen. „Wir hoffen, dass da nochmal ein Schub kommt“, meint der Trainer. Gut möglich, dass Egloff nach dieser Aussage angestachelt ist und einen Gang höherschaltet - sonst wird es nichts mit dem Durchbruch als Bundesliga-Profi. Sonst bleibt Lilian Egloff weiter nur die Rolle des Ersatzmanns, der ab und zu für ein paar Minuten aufs Feld darf.

Thomas Kastanaras: Auf dem Sprung zum VfB-Stürmer Nummer 2?

Thomas Kastanaras fällt auf im Trainingslager. Der 20-Jährige schuftet, ackert und läuft bis zum Umfallen. Bei dem geborenen Stuttgarter passt die Einstellung und der Arbeitsaufwand. Zudem traf der Nachwuchsstürmer beim Testspiel gegen den FC Sion zum 3:0-Endstand. „Er hat im Trainingslager gut gearbeitet, deswegen ist er heute reingekommen“, sagte Labbadia am Rande des Sion-Spiels. „Es freut mich sehr, dass er das Tor gemacht und sich für sein Engagement belohnt hat“.

Thomas Kastanaras
VfB-Stürmer Thomas Kastanaras. © Simeon Kramer

Die Spitze des Eisbergs ist bei dem Angreifer aber noch nicht erreicht. „Er braucht noch ein Gefühl für manche Situationen, vor dem Tor muss er noch klarer spielen. Manchmal muss er erkennen, wann er mal durchschnauft und den Ball spielt“, so Labbadia. Das gute bei Kastanaras aus Trainersicht: „Bei Thomas weiß ich genau, woran wir arbeiten müssen.“ Gelingt das, könnte der 20-Jährige bald VfB-Stürmer Nummer 2 werden. Im Gegensatz zu Luca Pfeiffer kann Kastanaras nämlich auch auf den Stürmer-Halbpositionen spielen. Ein großes Plus für das Eigengewächs.

Samuele di Benedetto: Starker Fußballer mit feinem Fuß - und guten Chancen

Wie Kastanaras sticht auch Samuele di Benedetto aus dem VfB-Kader heraus. „Samu“, wie ihn seine Teamkollegen auf dem Platz nennen, wird immer wieder gelobt. „Starke Aktion Samu“ oder „Gut so Samu“ schallt es dann über den Platz. Der 17-Jährige ist mutig, traut sich was und schmeißt sich in jeden Zweikampf. Klar ist auch: Nicht jede Aktion gelingt dem Mittelfeldspieler. Aber wer erwartet das schon von so einem jungen Profi, der sein erstes Trainingslager mit den Profis absolviert?

Samuele Di Benedetto
Samuele Di Benedetto. © Simeon Kramer

Fakt ist: Samuele di Benedetto kann überzeugen - auch Trainer Bruno Labbadia. Von einem Startelf-Platz ist der 17-Jährige trotzdem weit entfernt. Wenn das VfB-Eigengewächs aber weiter sein Talent so aufblitzen lassen kann, könnte es für di Benedetto auch mal für einen Platz im Spieltags-Kader reichen. Wichtig ist für den Mittelfeldspieler aber, dass er weiter mit den Profis trainieren kann. Zum einen, weil er sich nur so spielerisch weiterentwickeln kann. Und zum anderen, weil er körperlich noch zulegen muss – denn nur so ist der Schritt in die Bundesliga wohl möglich.

Florian Schock: Überzeugendes Trainingslager des 2-Meter-Riesen

Wenn Florian Schock im Trainingslager neben Wataru Endo oder Enzo Millot steht, wird einem erst bewusst, was für eine gewaltige Statur der junge Keeper hat. Mit exakt zwei Metern ist Schock der größte Profi im VfB-Kader, seine enorme Spannweite und Körpergröße hilft ihm zudem bei seinem Torwartspiel. Im eins gegen eins ist Schock fast nicht zu überwinden. Und wenn er aus seinem Tor geschossen kommt, wird es schnell dunkel. Bereits im Sommer-Trainingslager wusste Florian Schock zu überzeugen.

Florian Schock
VfB-Keeper Florian Schock. © Simeon Kramer

Der 21-Jährige bringt vieles mit, was ein erfolgreicher Torhüter braucht: Gutes Stellungsspiel, reaktionsschnell auf der Linie und sicher beim Flanken-Abfangen. Dazu kommt noch seine Statur, die Stürmer schon mal einschüchtern kann. Das große Plus für ihn: Er hat keine Angst, seinen Mund aufzumachen – und macht klare Ansagen. Das gefällt Trainer Bruno Labbadia, der sich auf dem Platz mehr Kommunikation wünscht. Fakt ist: Florian Müller bleibt die Nummer 1. Aber: Wenn Schock so weiter macht, hat er große Chancen auf die Nummer 2. 

Leon Reichardt: Voller Einsatz, aber bislang eher unauffällig

Der 18-Jährige ist bislang das unauffälligste Stuttgarter Eigengewächs im Trainingslager. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sich Leon Reichardt nicht voll reinhängt. Der Linksverteidiger scheut keinen Zweikampf, zeigt 100 Prozent Einsatz und Konzentration, lauscht den Ansagen von Bruno Labbadia genau und verhält sich vorbildlich. Allerdings hat der Jungprofi das Problem, dass er sich zu selten in Szene setzen kann. Der Grund: Labbadia lässt seine Startelf viel spielen und macht wenig Experimente.

Leon Reichardt
Leon Reichardt. © Simeon Kramer

„Die Spieler, die in den ersten sechs Bundesliga-Spielen in Frage kommen, brauchen jetzt Spielzeit“, erklärt der Trainer. Auch in den Spielformen greift Labbadia oft nur auf seine Startelf-Kandidaten zurück. Das ist verständlich - die Eigengewächse haben es dann aber schwer, sich zu beweisen. Zum Leidwesen von Leon Reichardt, der im Gegensatz zu Samuele di Benedetto bisher keine der wenigen Chancen für sich nutzen konnte. Der 18-Jährige wird aber vermutlich weiter im Profi-Kader trainieren, da der VfB Linksverteidiger nicht gerade im Überfluss hat. Für den Spieltags-Kader wird es sehr eng.