VfB Stuttgart

„Der absolute Wahnsinn“: So hat der VfB in Rom seine gute Ausgangslage verspielt

Wo das Tor steht, wissen die Stürmer von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß eigentlich – gegen die AS Rom verpassten die Schwaben aber
Wo das Tor steht, wissen die Stürmer von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß eigentlich – gegen die AS Rom verpassten die Schwaben aber ein ums andere Mal den Kasten. © Volker Mueller (Archiv)

Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat beim 0:2 gegen die AS Rom in der Europa League kein schlechtes Spiel gezeigt. Gegen einen der schwersten Gegner im Teilnehmerfeld hielten die Schwaben mit, waren über Strecken besser, erarbeiteten sich Chancen. Doch genau da liegt der Hund begraben: Es ist nicht die Klasse, nicht die geschlossene Mannschaftsleistung, die dem VfB alle halbwegs realistischen Aussichten auf den direkten Achtelfinaleinzug genommen hat. Es war die eigene Chancenverwertung, die der Hoeneß-Elf nicht nur gegen Rom im europäischen Wettbewerb wehgetan hat.

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VfB Stuttgart: Dämpfer in Rom nach starkem Jahresstart

Der Start ins Jahr 2026 war für den VfB Stuttgart vielversprechend – nicht alles ist schlecht, die sieben Punkte aus den ersten drei Ligaspielen bleiben trotz des enttäuschenden Abends in Rom bestehen. Doch schon in den vergangenen eineinhalb Partien baute sich ein Trend auf, der am Donnerstagabend in der unnötigen und bitteren Niederlage in Rom mündete. In der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt hätte das Spiel durch viele vergebene Großchancen eigentlich schon entschieden sein müssen, als die Eintracht ausglich. Am Ende ging alles gut und der 3:2-Sieg wurde dennoch eingetütet. Gegen Union Berlin waren es wieder vergebene Gelegenheiten, die dazu führten, dass die Hauptstädter zum Zeitpunkt des 1:1-Ausgleichs überhaupt noch im Spiel waren.

Und nun der Dämpfer in der Ewigen Stadt. In Halbzeit eins war Jamie Lewelings verdeckter Abschluss (33.) noch die größte Gelegenheit: kein Muss, den zu verwandeln. Doch in Halbzeit zwei fand Stuttgart immer mehr Lücken im Defensivverbund der Gastgeber und hätte zumindest eines, wenn nicht sogar zwei oder drei Tore, machen müssen. Deniz Undav scheiterte erst mit unplatziertem Abschluss an Roma-Keeper Svilar (47.) und dann mit völlig verzogenem und übermotiviertem Volley aus wenigen Metern an sich selbst (58.). Der eingewechselte Ermedin Demirovic hatte ebenfalls den Ausgleich wenige Meter vor dem Tor auf dem Fuß, scheiterte aber ebenso an Svilar (79.).

VfB-Stürmer Ermedin Demirovic gibt sich selbstkritisch

„Den muss ich machen“, wusste am RTL-Mikrofon auch der bosnische Stürmer selbst. „Ein ekliger Ball. Ich denke, der Gegner kommt noch dran, gehe dann auf Alibi rein. Da muss ich überzeugter sein, das ist mein Anspruch.“ Sein Trainer Sebastian Hoeneß wusste außer der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor auch nicht, was er seinem Team vorwerfen sollte: „Die Jungs machen ein sehr gutes Spiel, es ist sehr viel aufgegangen. Aber du musst die Tore machen und die Chancen waren da. Ein bitterer Abend für uns.“

Klar ist: In der Bundesliga ist Stuttgarts Chancenverwertung im Gesamtbild nicht herausstechend schlecht. Die statistisch erwartbaren Tore sind dort nahezu identisch mit den tatsächlich erzielten (Quelle: Understat). In der Europa League sieht das anders aus: Besonders bei den drei Niederlagen – allesamt auswärts – blieb die Hoeneß-Elf hinter dem statistisch Erwartbaren zurück. Beim 0:2 gegen Basel machte der VfB aus 2,54 „expected Goals“ (xG) kein Tor, bei Fenerbahce Istanbul (0:1) aus 1,1 xG ebenso keines. Nun, gegen die Roma, waren es 1,65 xG ohne Treffer (Quelle: jeweils Sofascore).

Am Ende fehlen dem VfB leichtfertig verspielte Punkte

„Wir haben in den drei Auswärtsspielen zu viele Chancen liegengelassen. Dass wir aus diesen drei Spielen mit null Punkten rausgehen, ist der absolute Wahnsinn“, fand Sebastian Hoeneß deutliche Worte. Man müsse sich an die eigene Nase fassen. Und natürlich, alles klappt im Fußball selten – aber alles hätte in den drei genannten Spielen nicht einmal zusammenkommen müssen. Jeweils ein Punkt gegen Basel und Rom wären ob der Spielverläufe mehr als möglich gewesen – das Spiel in Istanbul vor schwerer Kulisse völlig ausgeklammert.

Restchancen für den VfB: So klappt es noch mit dem direkten Achtelfinal-Ticket

Selbst diese zwei Konjunktiv-Punkte hätten den VfB auf 14 Punkte gehievt – und damit in eine Ausgangslage, in der das direkte Erreichen des Achtelfinales über die Top acht weitaus realistischer wäre als jetzt: Es braucht von Platz 13 (zwölf Punkte) im letzten Ligaphasenspiel gegen die Young Boys Bern nun einen Sieg, am besten einen hohen. Gleichzeitig müssen fünf der sieben erreichbaren und vor dem VfB platzierten Teams straucheln, die meisten spielen gegen schlechter platzierte Gegner. Und dann wäre da noch die Gefahr, dass der punktgleiche FC Bologna – derzeit wegen der Tordifferenz dahinter – gegen den Tabellenletzten Maccabi Tel Aviv ordentlich netzt und so auch bei einem Stuttgarter Sieg noch über das Torverhältnis vorbeiziehen könnte.

Zur Einordnung gehört auch: Das Spiel in Rom war ein Dämpfer, der den Höhepunkt der jüngsten Ladehemmungen darstellte – aber keineswegs ein Totalausfall, wegen dem Panik ausbrechen sollte. Dafür präsentierte sich die Hoeneß-Elf insgesamt zu stark, das Fehlen von Spielern wie Angelo Stiller hatte auch seinen Anteil. Ebenfalls ist Deniz Undav kein schlechter Stürmer – seine Torausbeute in den vergangenen Wochen und Monaten lässt diesen Schluss bei Weitem nicht zu und macht ihn im Gegenteil gar zum heißen WM-Kandidat. Aber: Der 29-Jährige hat seit seinem 2:1-Treffer in der 35. Minute gegen Eintracht Frankfurt ganze 2,45 xG „verballert“ (Sofascore). Eine Schwächephase, die es schleunigst abzustellen gilt. Schließlich will der VfB Stuttgart ja in Bundesliga, Pokal und Europa League noch große Spiele spielen. Die Ligaphase im Europapokal hat gezeigt, dass mangelnde Effizienz in jenen wichtigen Partien bestraft wird – und eine eigentlich gut spielende Mannschaft um den verdienten Lohn bringt.

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