VfB Stuttgart

Der geheime Leader beim VfB Stuttgart: Warum Atakan Karazor so wichtig ist

Fußball Bundesliga VfB Stuttgart vs. FC Köln
Atakan Karazor zeigt, wo es langgeht: Der VfB-Profi ist zum Strategen gereift. © Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart befindet sich auf Kurs Champions League. Die Schwaben spielen die beste Saison der Vereinsgeschichte, noch nie standen zum 24. Spieltag 50 Punkte auf dem Konto. Ein Mann trägt zu der Erfolgsgeschichte aus Bad Cannstatt bei, ohne große Aufmerksamkeit zu bekommen: Atakan Karazor. Der 27-Jährige ist Abräumer und geheimer Leader beim VfB. Was den zentralen Mittelfeldspieler so wertvoll macht.

"Er macht die Drecksarbeit": Das zeichnet VfB-Profi Atakan Karazor aus

Es läuft einfach beim VfB Stuttgart. Mit 17 Punkten Vorsprung auf den Rang Sieben ist den Schwaben die Teilnahme am Europapokal kaum noch zu nehmen. Sogar die Champions League ist drin – zum ersten Mal seit 14 Jahren. Dass angesichts der starken Leistungen vor allem die treffsicheren Stürmer Serhou Guirassy und Deniz Undav im Rampenlicht stehen, ist klar. Aber: Im zentralen Mittelfeld arbeitet ein Profi unermüdlich, um den beiden Angreifern den Rücken freizuhalten. Gemeint ist Atakan Karazor.

In 27 von 28 Pflichtspielen stand der Deutsch-Türke in der Startelf. Nur beim 5:2-Sieg gegen Leipzig Ende Januar fehlte der 27-Jährige aufgrund einer Gelbsperre. Im Kader der Schwaben haben nur Kapitän Waldemar Anton (2.129) und Mittelfeld-Kollege Angelo Stiller (1.980) mehr Minuten gespielt als Atakan Karazor (1.952). Im Sommer 2019 aus Kiel gekommen hat sich der Rechtsfuß zu einem unumstrittenen Stammspieler in Bad Cannstatt entwickelt – das war nicht immer so.

Vor allem in dieser Saison startet der 27-Jährige voll durch. Unter Sebastian Hoeneß hat der Mittelfeld-Stratege den wohl größten Sprung aller VfB-Profis im Kader gemacht. „Er blüht gerade auf. Ich bin sehr froh, dass er da ist“, sagte der Trainer auf der Pressekonferenz vor dem Union-Spiel.

Karazor hält in einer VfB-Mannschaft, die mit guten Fußballern gespickt ist, die Balance zwischen Offensive und Defensive. Er stopft Löcher, räumt vor der Abwehr ab und schließt Lücken im Zentrum. „Ata ist ein Arbeiter mit einer unglaublichen Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen“, so Hoeneß. „Er grast viel ab, geht Wege, die wehtun und macht die Drecksarbeit für die Mannschaft.“

Stabilistator beim VfB Stuttgart: Karazor spielt wie ein spanischer Weltmeister

Außerdem sei der 27-Jährige der personifizierte „Ball-Klauer“ im Kader der Schwaben. „Er hat richtig Qualitäten, durch seine langen Beine die Bälle am Boden zu klauen und rauszustochern.“ Durch seine Präsenz in der Luft sorge der Profi zudem für die nötige „defensive Stabilität“ im VfB-Spiel. Auch fußballerisch hat sich der zentrale Mittelfeldspieler unter Hoeneß enorm weiterentwickelt. „Er ist im Positionsspiel besser geworden und ist Pressing-resistent“, meint der Trainer. Dazu mache der Profi die einfachen Dinge richtig. „Mehr verlange ich auch gar nicht mehr von ihm.“

Wer den 27-Jährigen allerdings nur als reinen Abräumer bezeichnet, wird dem Deutsch-Türken nicht gerecht. Atakan Karazor ist zu einem Strategen vor der Abwehrkette gereift. Das kluge Weiterleiten von Bällen im Zentrum hat ihm unlängst den Spitznamen „schwäbischer Sergio Busquets“ eingebracht. Auch von der Staut her passt der Vergleich mit dem spanischen Ausnahmefußballer. Doch der größte Erfolg, den sich Atakan Karazor auf die Fahne schreiben kann, ist nicht fußballerischer Natur.

Geheimer Anführer auf dem Platz: Karazor schließt die Endo-Lücke

Der Mittelfeldspieler hat es geschafft, Wataru Endo zu ersetzen. Der Japaner war Kapitän, Identifikationsfigur, Kämpfer, emotionaler Leader und das Herz des VfB Stuttgart. Karazor hat dessen Abgang nach Liverpool vergessen gemacht und ist aus dem Schatten seines ehemaligen Nebenmanns getreten. So sieht es auch Sebastian Hoeneß: „Ata ist ein Leader und geht vorneweg.“ Der 27-Jährige ist ein Mentalitätsspieler und der geheime Anführer auf dem Platz. Nach dem 2:3-Anschlusstreffer des VfL Wolfsburg am vergangenen Samstag etwa schmiss sich der Sechser in jeden Ball, pushte seine Mitspieler und stemmte sich erfolgreich gegen den Ausgleich.

 „In dieser Kombination ist er für uns sehr wertvoll“, meint Hoeneß anerkennend. „Er ist schon lange hier, hat eine große Identifikation mit dem Club und hat hier auch schon schwierige Zeiten erlebt.“ Im Gesamtpaket ist Atakan Karazor also für den Trainer unersetzlich. Das ist auch der Grund dafür, warum der aus Brighton ausgeliehen Mahmoud Dahoud bislang nur als Ersatzspieler zum Einsatz kam. Auch gegen Union Berlin wird der 27-Jährige vermutlich wieder in der Startelf stehen – und als „schwäbischer Busquets“ für das Gleichgewicht im VfB-Spiel sorgen.

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