VfB Stuttgart

Wamangituka-Schock nach Lehrstunde für den VfB Stuttgart

FC Bayern München - VfB Stuttgart
Stuttgarts Stürmer Silas Wamangituka wird behandelt. Foto: Matthias Schrader/AP POOL/dpa © Matthias Schrader

Sven Mislintat hatte es gleich geahnt. Nach dem Platzverweis für Bayern-Verteidiger Alphonso Davies in der 12. Minute wusste der Sportdirektor des VfB Stuttgart, dass die Aufgabe beim Rekordmeister jetzt nicht unbedingt leichter werden würde. Und Mislintats schlechtes Bauchgefühl sollte sich bewahrheiten. Die Phase nach der Roten Karte waren der Knackpunkt im Spiel der Schwaben in der Allianz Arena. Am Ende stand ein 0:4 und eine Lehrstunde für den jungen Aufsteiger.

Sechs bis acht Monate Pause für Wamangituka

Den wahren Schock erfuhr der VfB allerdings erst nach der Heimreise aus München. Leistungsträger Silas Wamangituka wird aufgrund eines Kreuzbandrisses in dieser Saison nicht mehr auflaufen. Die Untersuchungen am Sonntag bestätigten die schlimmsten Befürchtungen. „Das muss der Junge erst mal sacken lassen. Das macht keinen Spaß, das ist klar“, sagte Sven Mislintat, der sich schon am Vortag Sorgen gemacht hatte.

Schlimmer noch als die Lehrstunde beim Rekordmeister um Tormaschine Robert Lewandowski dürfte für die Schwaben die schwere Verletzung am rechten Knie von Wamangituka wiegen. Normalerweise zieht ein Kreuzbandriss eine Pause von sechs bis acht Monaten nach sich, der Ausfall könnte also Folgen bis zum Beginn der nächsten Spielzeit haben. Und Wamangituka hatte sich als einer der Stuttgarter Durchstarter zu einem der umworbenen VfB-Spieler entwickelt. 

„Wir haben gegen maximale individuelle Klasse unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“

„Wir haben andere Spieler das zu kompensieren, unabhängig davon, dass Silas' Qualität für uns schon außergewöhnlich ist“, sagte Mislintat. Von zwei Betreuern gestützt war der 21 Jahre alte Kongolese am Samstag nach einer guten halben Stunde vom Platz gehumpelt. Der Flügelspieler hatte sich im Zweikampf mit David Alaba verletzt. „Alaba war in der Kabine, auch wenn er nichts dafür kann“, berichtete Mislintat und nannte es eine „gute Geste“, dass sich der Österreicher nach Wamangituka erkundigte und ihm alles Gute wünschte. „Es war ein normales Rempeln“, so Mislintat: „Das gehört zum Fußball dazu. Das hat Silas auch schon 1000 Mal gehabt in dieser Saison.“

Dieses eine Mal war einmal zu viel. Als das Saison-Aus für Wamangituka besiegelt war, war die Partie beim Tabellenführer allerdings schon entschieden. Nach einem forschen Beginn der Schwaben drehte der Platzverweis für Bayerns Abwehrspieler Alphonso Davies (12. Minute) die Partie zugunsten des Meisterschaftsfavoriten. Die Münchner schlugen bei den Treffern von Lewandowski (17./23./39.) und Serge Gnabry (22.) gnadenlos zu. Die VfB-Abwehr agierte konfus und war überfordert. „Die Bayern haben uns phasenweise wirklich wie ein Aufsteiger aussehen lassen“, bilanzierte Mislintat: „Wir haben gegen maximale individuelle Klasse unsere Grenzen aufgezeigt bekommen.“

Mislintat hofft auf einen Lerneffekt

Kurz nach der Roten Karte verpasste es Sasa Kalajdzic bei einer großen Kopfballchance, auch im achten Bundesliga-Spiel in Serie zu treffen und einen Vereinsrekord aufzustellen. Warum dann ausgerechnet die Überzahl zu einem Bruch führte, wusste VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo auf Anhieb nicht genau zu erklären. „Alle waren etwas verunsichert und die ganze Abstimmung hat überhaupt nicht mehr funktioniert“, bemängelte Torhüter Gregor Kobel: „Nach dem dritten Gegentor kam dann noch mehr Unsicherheit hinzu und wir haben uns in gewisser Weise selbst ins Chaos gestürzt.“

Mislintat hofft auf einen Lerneffekt und Wiedergutmachung am Ostersonntag gegen Werder Bremen - auch ohne Wamangituka, der mit elf Treffern nach Kalajdzic zweitbester VfB-Torschütze ist. Zur rechten Zeit kommt die Rückkehr von Nicolas Gonzalez. Bei den Bayern stand der argentinische Nationalstürmer nach seinem Muskelfaserriss erstmals wieder im Kader, spielte eine Halbzeit lang und kann in den nächsten zwei Wochen die Fitness für einen Startelfeinsatz gewinnen.