VfB Stuttgart

Wichtige Entscheidungen vertagt: Wie sich der VfB aktuell selbst blockiert

Sven Mislintat
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. © Danny Galm

Auf den VfB Stuttgart warten wegweisende Wochen. Im November stehen die Vertragsgespräche mit Sportdirektor Sven Mislintat an. Parallel soll ein neuer Cheftrainer gefunden werden. Und im Januar beginnt auch noch Christian Gentner als neuer Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. Dabei macht sich der Klub bei all diesen Weichenstellungen einmal mehr selbst das Leben schwer.

Die missglückte Installation von Christian Gentner

Angefangen bei der Installation von Gentner im Sport-Ressort von Sven Mislintat. Der Ex-VfB-Profi wurde an Bord geholt, ohne den Kaderplaner und sein Team in die Pläne zu involvieren. Unklar ist nach wie vor, wie das genaue Tätigkeitsfeld des langjährigen Kapitäns aussehen wird. Das wolle man später definieren, man habe ja schließlich noch ein paar Monate Zeit, hieß es dazu Mitte September.

Mislintat war nach der Aktion – in deren Zuge auch Philipp Lahm und Sami Khedira als Vorstandberater vorgestellt wurden - merklich verstimmt. Vorstandschef Alexander Wehrle und Aufsichtsratschef Claus Vogt gaben auf dem Podium keine gute Figur ab. Ebenso wenig Gentner, der hilflos sein noch nicht definiertes künftiges Arbeitsumfeld beschreiben musste. Eine skurrile Pressekonferenz, die bei vielen Fans für Verwirrung und Verwunderung sorgte.

Daraus resultierte ein mittelschwerer Führungskrach. Mit dem Resultat: die Gespräche über ein neues Arbeitspapier für Mislintat über den Sommer 2023 hinaus werden in den November verschoben. Das Binnenverhältnis zwischen CEO und Sportdirektor war einer ersten Belastungsprobe unterzogen worden. Beide betonten jedoch im Nachgang, dass der Zwist aus der Welt geschafft wurde.

Ein neuer Chefcoach ist noch nicht in Sicht

In die weiteren Planungen selbstverständlich nicht mit einberechnet war dann die Entlassung von Pellegrino Matarazzo. Und jetzt wird es knifflig. Denn inzwischen ist klar: Interimstrainer Michael Wimmer bleibt mindestens bis zur WM-Pause. Ein neuer Chefcoach ist noch nicht in Sicht, auch diese Entscheidung wurde auf den November vertagt.

Dabei hätte im Idealfall schon gegen Bochum der neue Mann auf der Trainerbank sitzen sollen. Daraus wurde nichts. Alexander Wehrle betonte anschließend am Rande des Spiels, dass man in der Trainerfrage „zeitnah eine Entscheidung treffen“ werde.   

Der ehemalige Assistent des geschassten Matarazzo ist mittlerweile sogar einer von drei Kandidaten für den Posten des Cheftrainers. Und das, obwohl Wimmer zunächst als klare Zwischenlösung kommuniziert worden war. Der kicker schrieb daraufhin von einem „Eiertanz um den Trainer-Job“, für die Süddeutsche Zeitung ist „aus dem Verein für Bewegungsspiele vorübergehend ein Verein für Bewegungslosigkeit“ geworden.

Eine groteske Situation

Im November könnte es nun also zur grotesken Situation kommen, dass parallel mit einem neuen Trainer und dem amtierenden Sportdirektor über einen Vertrag verhandelt wird. Die ungeklärte Zukunft des Sportdirektors dürfte damit direkten Einfluss auf die Gespräche mit Wimmer und den beiden anderen Kandidaten Jess Thorup und Alfred Schreuder nehmen. Schließlich will der neue Chefcoach mit Sicherheit wissen, mit wem er in Zukunft zusammenarbeiten wird. Und wer künftig seinen Kader plant. „Es braucht jetzt möglichst schnell die Entscheidung, mit welcher Führungsmannschaft der VfB die Zukunft angehen will“, fordert derweil Ehrenpräsident Erwin Staudt im Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

Letztlich fallen den VfB-Verantwortlichen in dieser heiklen Phase all die nach hinten geschobenen Gespräche auf die Füße. Die Vertragsverlängerung mit Sven Mislintat? Vertagt. Die Entscheidung, wer neuer Cheftrainer wird? Vertagt. Das Aufgabenprofil vom künftigen Leiter der Lizenzspieler-Abteilung? Vertagt. Der VfB hat schlicht zu viele wichtige Entscheidungen aufgeschoben – und blockiert sich dadurch aktuell selbst.