VfB Stuttgart

Liga-Auftakt gegen Leipzig: Was beim VfB gut war - und was besser werden muss

Fußball Bundesliga VfB Stuttgart vs. RB Leipzig
Verteidiger Konstantinos Mavropanos und der VfB haben zum Bundesliga-Auftakt dem amtierenden Pokalsieger aus Leipzig einen Punkt abgetrotzt. © Pressefoto Baumann

Beim 1:1 gegen RB Leipzig zum Start in die neue Bundesliga-Saison hat der VfB Stuttgart am Sonntagnachmittag (07.08.) einen leidenschaftlichen und kampfstarken Aufritt hingelegt. Und wenn es brenzlig wurde, war der starke Schlussmann Florian Müller zur Stelle. Dieser schwäbische Kampfgeist ist ein neues Element im VfB-Spiel, das gegen das Spitzenteam aus Sachsen aber auch noch einige Baustellen offenbarte.  

Gut gekämpft, Löwe! Sven Mislintat und die Freude am Fight

Am Ende des Tages ließ sich auch Sven Mislintat vom Spirit seiner Mannschaft anstecken. Als der Druck der Leipziger im zweiten Durchgang immer weiter anstieg, entdeckten die Stuttgarter ihr Kämpferherz und stemmten sich mit allen Mitteln - und einem überragenden Torhüter - gegen die Angriffswellen der Leipziger. 

„Immer einen Fuß dazwischen, immer wieder weggeblockt – das ist dann genau das, was du in solch einer Phase brauchst. Es hat Spaß gemacht, uns diesen Fight gemeinsam mit den Fans zu liefern“, so der Stuttgarter Kaderplaner bei der anschließenden Analyse. Und auch Trainer Pellegrino Matarazzo war angetan von der neuen Stärke seiner Truppe - denn: Stuttgart kratzt, kämpft und beißt jetzt auch: „Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen. Alle haben mit Herz verteidigt und wenn etwas durchgekommen ist, war Flo Müller zur Stelle.“

Matarazzo hat den Ton verschärft und die Zügel angezogen

Dabei kann der leidenschaftliche Auftritt der Schwaben am 1. Bundesliga-Spieltag durchaus als direkte Folge der in der Sommer-Vorbereitung deutlich verschärften Ansprache gegenüber der Mannschaft gewertet werden. Vor allem der Coach hat den Ton verschärft. Und auch im Training die Zügel angezogen. Eine Lehre aus der vergangenen Runde, die erst in der Nachspielzeit des 34. Spieltages mit einem Happy End zum Abschluss kam. „Letzte Saison hat man gemerkt, wie wichtig jeder Punkt, ja jedes Tor sein kann“, so Pellegrino Matarazzo. 

Um ein erneutes Herzschlagfinale zu verhindern, soll nun von der ersten Minute an eine andere Spannung zu spüren sein: „Wir kämpfen um jedes Tor und das runtergebrochen auf jeden Moment. Das haben wir uns vorgenommen.“ Und genau das war gegen Leipzig auch eindrucksvoll zu sehen. Unter dem Strich stand so nach intensiven 96 Minuten ein glücklicher, aber nicht unverdienter Punktgewinn für den Fast-Absteiger aus dem Vorjahr gegen den amtierenden Pokalsieger. Bei all dem berechtigten Lob für die tadellose Einstellung der Stuttgarter offenbarte das VfB-Spiel gegen die „Roten Bullen“ aber auch einige Baustellen.

Fehlende Kompaktheit in Zentrum: Große Löcher vor der Abwehr

Ja, Leipzig ist neben den Bayern die vielleicht beste Umschaltmannschaft der Bundesliga. Dass es beim Tedesco-Team nach Ballverlusten des Gegners schnell durchs Zentrum geht, ist bekannt. Trainer Matarazzo hatte im Vorfeld vor dieser Stärke explizit gewarnt und seine Elf auf das Umschaltspiel der Leipziger vorbereitet. Trotzdem waren die Schwaben im Zentrum anfällig. In der Anfangsphase und ab Minute 60 gelang es den Gästen zu leicht, sich durchs Zentrum vor den Kasten des starken Keepers Florian Müller zu kombinieren.

Das lag neben der großen individuellen Qualität des Gegners auch an Wataru Endo und Naouirou Ahamada. Der Kapitän hatte gegen RB nicht seinen besten Tag, der junge Franzose agierte im Spiel gegen den Ball oft zu überhastet. So bekam der VfB die Zone vor der Dreierkette nicht oft genug geschlossen, die Lücken und Abstände zwischen den Ketten waren zu groß.

Auch über die Außen konnten David Raum und Co. den Ball immer wieder problemlos in den Rückraum der VfB-Abwehr spielen, wo nicht selten zwei Leipziger freistanden. So entstand nach einer schönen Kombination auch der Leipziger Führungstreffer durch Christopher Nkunku.

In der Schlussphase wackelte der VfB dann gefährlich - konnte sich aber wie eingangs beschrieben mit viel Einsatz gegen die drohende Niederlage stemmen. Zur Einordnung gehört aber auch: RB Leipzig ist eine Top-Mannschaft, die in dieser Saison nicht nur die Schwaben vor Probleme stellen wird. Trotzdem wird Trainer Pellegrino Matarazzo die fehlende Kompaktheit im Zentrum ansprechen - ebenso wie die nicht immer stabile linke Seite der Schwaben.

Linke Seite schwächelt: Trio mit Abstimmungsproblemen

Mit Vagnoman, Mavropanos und Führich steht der VfB auf der rechten Seite sehr solide da. Die linke Flanke hingegen dürfte dem VfB-Coach mehr Sorgen bereiten. Der Einzige, der im linken Defensivverbund einen dauerhaft souveränen Eindruck machte, war Hiroki Ito. Der Japaner kämpfte, ackerte und fightete – wurde von seinen Mitspielern Silas und Ahamada aber immer wieder im Stich gelassen.

Das lag zum einen daran, dass Silas etwas hinter den Erwartungen zurückblieb. In der Offensive war er noch zu selten an gefährlichen Aktionen beteiligt, in der Defensive war er mitunter anfällig und nicht stabil genug. Mal schaffte es der schnelle Angreifer nicht, den Rückwärtsgang einzulegen – mal verließ er ohne triftigen Grund seine linke Seite und ermöglichte ein Überzahlspiel gegen Ito.

Auch „Naoui“ Ahamada hatte im Defensivspiel seine Probleme. Während er in der Offensive immer wieder sein enormes Potenzial aufblitzen ließ und das 1:1 mit einem schönen Treffer erzielte, wirkte er gegen den Ball phasenweise überfordert. Falsche Pressing-Momente und überhastetes Rausrücken führten dazu, dass das Zentrum und die linke Seite offen waren. Aber auch hier muss erwähnt werden: Der 20-jährige spielte gegen erfahrene Bundesliga-Profis wie Kevin Kampl, Benjamin Henrichs oder Dani Olmo - da muss nicht alles perfekt laufen.

In der vergangenen Saison wirkte der Mittelfeld-Trichter vor der Abwehr mit Atakan Karazor stabiler. Nicht ohne Grund wechselte der VfB-Coach den 26-Jährigen nach wochenlanger U-Haft auf Ibiza gegen Leipzig ein. Gut möglich, dass der Mittelfeldmann gegen Bremen wieder in der Startelf steht, um den Schwaben im Zentrum zu mehr Stabilität zu verhelfen.