VfB Stuttgart

VfB in Marbella: Das sind die Gewinner und Verlierer des Trainingslagers

Pascal Stenzel
VfB-Verteidiger Pascal Stenzel ist der Gewinner des Trainingslagers in Marbella. © Simeon Kramer

Zwölf Tage hat sich der VfB Stuttgart in Marbella auf den Bundesliga-Restart vorbereitet. Nach intensiven Einheiten, zwei Testspielen und viel Taktik-Input geht es für Wataru Endo und Co. am Freitag (14.01.) zurück nach Stuttgart. Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen: Welcher Profi konnte in Andalusien besonders auf sich aufmerksam machen? Und für wen lief das Trainingslager nicht so gut? Eine Analyse.

Die Gewinner des Trainingslagers

Pascal Stenzel: Vom Bankdrücker zum Stammspieler

Für keinen anderen VfB-Profi war das Trainingslager so erfolgreich wie für Pascal Stenzel: Der 26-Jährige konnte in Marbella restlos überzeugen. Akribisch, zuverlässig und konzentriert – so lässt sich der Auftritt des Verteidigers beschreiben. Dass sein Kontrahent Josha Vagnoman mit muskulären Problemen lange kürzertreten musste, spielte Stenzel dabei in die Karten. Der Profi mit Vorbild-Charakter nutzte seine Chance und startet wohl als Stamm-Rechtsverteidiger in das Heimspiel gegen Mainz. Zudem hat sich der 26-Jährige als neuer Freistoß-Spezialist erfolgreich beworben. Rundum: Stenzel ist der Gewinner des Trainingslagers.

Enzo Millot: Sein Spielwitz und Zocker-Gen fehlten dem VfB bislang

Nach zwölf Tagen Trainingslager lässt sich sagen: Enzo Millot hat ordentlich Eigenwerbung betrieben. Der 20-Jährige trat selbstbewusst auf und gibt dem VfB-Spiel etwas, was lange gefehlt hat: Spielwitz, Zocker-Gen und Spielmacher-Qualitäten. Der quirlige und laufstarke Franzose wirkt wie gemacht für die Achter-Position in Labbadias 4-3-3-System. Das einzige Fragezeichen: Schafft es der Linksfuß, über 90 Minuten konzentriert nach hinten zu arbeiten? Kriegt er seinen Laissez-Faire-Stil in den Griff, hat er einen Stammplatz sicher. 

Samuele di Benedetto: Viel Lob für das VfB-Eigengewächs

„Bravo Samu“ oder „Stark Samu“: Diese Sätze waren in Marbella oft zu hören. Der 17-Jährige schaffte es, sich in den Fokus von Bruno Labbadia zu spielen – und ist die Entdeckung des Trainingslagers. Di Benedetto ist ein feiner Fußballer, hat einen starken linken Fuß und ein gutes Auge. Kurzum: Der Junge kann kicken. Schmiss sich in jeder Spielszene voll rein, zeigte immer 100 Prozent Einsatz und war wissbegierig. Die einzige Stolperfalle: Seine Körpergröße und seine schmächtige Statur. Legt er da zu, könnte ihm die Zukunft gehören.

Nikolas Nartey: Der Linksverteidiger, den niemand auf dem Zettel hatte

Nach der bitteren Verletzung von Dan-Axel Zagadou hatte Bruno Labbadia ein Problem: Wer spielt Linksverteidiger? Eigentlich war dafür Hiroki Ito eingeplant. Gegen Sion bot der Trainer Nikolas Nartey auf links hinten auf – und der zeigte eine bärenstarke Leistung. „Er war sehr klar in seinem Spiel, ist gut marschiert, hat sich taktisch gut verhalten und seine Zweikämpfe gewonnen“, so Labbadia. Der junge Däne hatte niemand auf dem Schirm, nach dem Trainingslager in Marbella ist er eine ernstzunehmende Alternative als Linksverteidiger.

Die Verlierer des Trainingslagers

Josha Vagnoman: Stammplatz verloren und dauernd angeschlagen

Freud und Leid liegen im Fußball oft weit auseinander. Während Pascal Stenzel als Gewinner des Trainingslagers gilt, ist Vagnoman der Verlierer. Der 22-Jährige verpasste mehr als die Hälfte der Trainingseinheiten aufgrund muskulärer Probleme und hat wohl seinen Stammplatz verloren. Zudem gibt es im Labbadia-System keine Wingbacker mehr, im 4-3-3 ist ein defensiverer Rechtsverteidiger gefragt. Es spricht aktuell nicht viel dafür, dass Vagnoman gegen Mainz von Beginn an spielt. Der Ex-U21-Nationalspieler muss sich erstmal hintenanstellen.

Tanguy Coulibaly: Pechvogel und wohl bald kein Stuttgarter mehr

Der junge Franzose hat nicht die besten Tage im Trainingslager hinter sich. Zuerst verletzte er mit einem üblen Tritt Dan-Axel Zagadou, dann vergaß er bei seiner Einwechslung gegen Sion die Schienbeinschoner in der Kabine. Zur Krönung legte er sich wegen einer Abseitsentscheidung mit Labbadia an – und wurde aus dem Training geworfen. Unglücklicher geht es nicht. Die Ära des 21-Jährigen in Stuttgart scheint wohl bald zu enden: Sein Vertrag läuft im Sommer 2023 aus, eine Verlängerung wäre eine Überraschung.

Lilian Egloff: Wird er der Unvollendete aus dem VfB-Nachwuchs?

Das Stuttgarter Eigengewächs spielte im Trainingslager keine Rolle. Weder im Testspiel gegen Sion noch gegen Prag wurde der 20-Jährige eingewechselt. Zudem trainierte Egloff immer mit der zweiten Garde. „Er muss eine Schippe drauflegen“, lautete die Kritik von Labbadia. Er habe alle Möglichkeiten und Chancen, sofort zu spielen, erklärt der Trainer. Aber Talent alleine reicht wohl nicht. „Wir hoffen, dass noch ein Schub kommt“, so Labbadia. Aber Lilian Egloff fehlt offensichtlich die Gier, um den großen Durchbruch zu schaffen.

Fabian Bredlow: Für immer nur der Ersatztorwart

Kann man Fabian Bredlow als Verlierer des Trainingslagers sehen? Schwierig – aber er soll hier trotzdem erwähnt werden. Denn: Er machte zu keiner Sekunde den Eindruck, als wolle er die Nummer eins werden - oder Florian Müller den Stammplatz auch nur ansatzweise streitig machen. So bleibt er ewig nur die Nummer zwei und Müller verspürt im Rücken keinen Druck. Pusht man so den Stammkeeper zu Höchstleistungen? Eher nicht. Der Einzige, der Druck aufbauen könnte, ist Nachwuchs-Keeper Florian Schock. Vielleicht sind die Rollen der Torhüter aber auch einfach klar abgesprochen.