VfB Stuttgart

Kobel, Förster, Mangala und Co.: Welcher VfB-Profi den nächsten Entwicklungsschritt gehen könnte

Fußball Bundesliga  RB Leipzig  vs. VfB Stuttgart
Philipp Förster besticht durch seinen Einsatzwillen, hat aber spielerische Schwächen. Schafft der 26-Jährige den nächsten Entwicklungsschritt? © Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart hat eine eindrucksvolle Entwicklung vollzogen: Vom schwer einzuschätzender Aufsteiger hin zu einem soliden Bundesliga-Team, dass bereits im Frühjahr 2021 den Nicht-Abstieg perfekt machte. Grund für die starke Saison waren auch die individuellen Sprünge einzelner VfB-Profis. Nicolas Gonzalez, Silas Wamangituka und Sasa Kalajdzic etwa entwickelten sich von jungen Talenten zu absoluten Leistungsträgern.

Auch in der kommenden Saison steckt im Kader der Schwaben viel Potential, an jungen Talenten mangelt es dem Stuttgarter Bundesligist nicht. Doch entwickelt sich der VfB auch in der kommenden Spielzeit so eindrucksvoll weiter? Welcher Profi könnte den nächsten Schritt machen? Eine Analyse.

Gregor Kobel

Mit dem 23-Jährigen hat der VfB Stuttgart zum ersten Mal seit Jahren einen Schlussmann im Kasten stehen, der die komplette Palette des Torwart-Spiels beherrscht. Der Schweizer hat sich längst zu einer festen Größe entwickelt, in allen bislang 31 Bundesliga-Spielen hütete Kobel das VfB-Tor. Durch konstant gute Leistungen und teils spektakulären Paraden wie gegen RB Leipzig steht der Schlussmann auf dem Zettel vieler Topclubs.

Doch der 23-Jährige hat noch Luft nach oben - denn der Keeper kann zur absoluten VfB-Führungsfigur aufsteigen. Nach dem Abgang von Gonzalo Castro könnte er die jungen Schwaben in der kommenden Saison als Kapitän aufs Feld führen und so den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Mit lauten Kommandos beschallt er ja jetzt schon die leeren Stadien.

Prognose: Kobel bliebt dem VfB ein weiteres Jahr erhalten und übernimmt die Kapitänsbinde.

Orel Mangala

Auch der junge Belgier hat in dieser Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wie wichtig er als feiner Stratege im Zentrum für das Team ist, zeigt aktuell sein Fehlen – Mangala wird schmerzlich vermisst. Spielerisch ist der 23-Jährige über jeden Zweifel erhaben, als lautstarke Leader ist er in der laufenden Spielzeit aber eher nicht aufgefallen.

Und genau darin liegt der nächste logische Entwicklungsschritt von Orel Mangala: Er muss durch den Abgang von Gonzalo Castro das neue Machtvakuum im Stuttgarter Zentrum ausfüllen. Mehr Kommandos und noch mehr Spielkontrolle werden in der Zukunft erwartet. Will der junge Belgier den nächsten Schritt machen, muss er in die Rolle des Leaders rutschen. Und das am besten beim VfB – nicht umsonst hat er erst kürzlich seinen Vertrag bis 2024 verlängert.

Prognose: Mangala wird sich auch in seiner Persönlichkeit weiterentwickeln und den Sprung zur Führungsfigur schaffen.

Philipp Förster

An dem 26-Jährigen scheiden sich die Geister. Die einen schätzen ihn für seinen Einsatzwillen und seine Lauffreudigkeit, die anderen kritisieren ihn für seine spielerischen Schwächen. Fakt ist: Philipp Förster ist für den VfB in dieser Saison ein wichtiger Faktor, gerade nach den Ausfällen von Gonzalez und Wamangituka. Der Mittelfeldspieler läuft unermüdlich, stellt klug die Passwege zu und ackert bis zum Umfallen.

Fakt ist aber auch: Spielerisch ist noch viel Luft nach oben. Zu Oft verschleppt Förster einen Angriff oder macht einen Konter durch schlampiges Passspiel zunichte. Dazu kommen unglückliche Aktionen wie der verschossene Elfmeter gegen Wolfsburg. Der 26-Jährige muss spielerisch den nächsten Schritt machen, denn: Ein oder zwei gute Aktionen pro Spiel werden nicht ausreichen, um langfristig einen Platz in der ersten Elf zu ergattern.

Prognose: Förster bleibt auch in der Saison 2021/22 nur ein Bankplatz. Spielerisch hat er zu viele Schwächen.

Waldemar Anton

Als Neuzugang kam der 24-Jährige vor der Saison aus Hannover zum VfB Stuttgart. Nach kurzen Startproblemen und einer leichten Verletzung am Außenband startet der Ex-96er Mitte der Saison voll durch, verpasste keine Minute mehr und avancierte zum zentralen Spieler in der Dreierkette.

Nun kommt er in sein zweites Jahr beim VfB, er kennt den Verein, seine Mitspieler und das Trainerteam. Auch Anton wird in der neuen Saison den nächsten Schritt gehen (müssen). Die Leistungen stimmten bereits, er wird in der neuen Spielzeit aber mehr Verantwortung von Coach Pellegrino Matarazzo bekommen. Frei nach dem Motto: weg vom Neuzugang, hin zum Führungsspieler.

Prognose: Anton wird mit Kobel, Mangala und Endo das neue Stuttgarter Zentrum bilden.

Naouirou Ahamada

Der junge Franzose strotzt nur so vor Talent. Vor der Saison kam der 19-Jährige vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin an den Neckar. Als Perspektivspieler wurde Ahamada geholt, langsam sollte der zentrale Mittelfeldspieler aufgebaut werden. Gegen Hoffenheim kam der Jungprofi zu seinem ersten längeren Einsatz, gegen den VfL Wolfsburg und RB Leipzig startete der Franzose zuletzt von Beginn an.

Gegen die roten Bullen zahlte Naouirou Ahamada viel Lehrgeld, in der 14. Minute wurde er für ein rüdes Foul an Amadou Haidara zurecht vom Platz gestellt. Beeindruckend ist vor allem seine enge Ballführung, sein Gefühl für die freien Räume und sein explosiver Antritt mit dem Ball am Fuß. So deutete der 19-Jährige bereits mehrfach an, dass er mehr ist als ein junges Talent, das langsam aufgebaut werden muss. Von ihm kann schon in der kommenden Spielzeit mehr erwartet werden.

Prognose: Hinter Endo und Mangala wird Naouirou Ahamada nah an der ersten Elf stehen und mehr Einsatzzeiten bekommen.

Mateo Klimowicz

Die Entwicklung des jungen Argentiniers geriet zuletzt schwer ins Stocken. Zu auffällig sind seine körperlichen Schwächen, zu zaghaft und unentschlossen agierte der 20-Jährige in weiten Teilen der Rückrunde. Dabei sollte die Teilnahme an der U21-EM und der Ausfall seines Landsmanns Nicolas Gonzalez die Chance sein, sich dauerhaft ins Rampenlicht spielen. Das gelang ihm jedoch nicht.

Zu seiner Verteidigung: Klimowicz hatte wie alle anderen Profis keine Winterpause, reiste dann noch zur U21-EM und kam kaum zum Verschnaufen. Pausen, die in der Entwicklung eines so talentierten und blutjungen Stürmers unersetzlich sind. 

Prognose: Klimowicz wird die Pause im Sommer nutzen, um sich zu erholen und körperlich zuzulegen. Wird Gonzalez bei einem möglichen Abgang in der ersten Elf ersetzen, mindestens aber Spieler Nummer 13 oder 14 sein.

Tanguy Coulibaly

Der junge Franzose kam 2019 als No-Name zum VfB. Auch er galt als verheißungsvolles Talent, das behutsam aufgebaut werden sollte. Zu Beginn der Spielzeit wirkte es fast so, als hätte er den nächsten großen Schritt bereits gemacht - bis die Leistungen in der zweiten Saisonhälfte ausblieben.

Während der 20-Jährige anfangs noch als Einwechselspieler für Gonzalez oder Wamangituka die müden Verteidiger schwindelig spielen konnte, startete er zuletzt oft in der ersten Elf. Das tat seiner Entwicklung offensichtlich nicht gut, in der zweiten Saisonhälfte blieb er weit hinter seinen Erwartungen zurück. 

Prognose: Schwankungen sind in dem Alter völlig normal. Hinter Wamangituka und Gonzalez wird er wieder zu alter Stärke zurückfinden - und wieder einen Schritt nach dem anderen gehen.